Tourismusverbot

„Kleiner Grenzverkehr“ für Bergedorfer wieder frei

Zwei Radfahrer sind im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook unterwegs. Das Naturschutzgebiet liegt an der Grenze zu Schleswig-Holstein.

Zwei Radfahrer sind im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook unterwegs. Das Naturschutzgebiet liegt an der Grenze zu Schleswig-Holstein.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Spaziergänge und Radtouren von Bergedorf über die Landesgrenze nach Börnsen, Wentorf, Reinbek sollen wieder möglich sein.

Bergedorf. An den Ostertagen sind Spaziergänge und Radtouren von Bergedorf über die Landesgrenze nach Börnsen, Wentorf, Reinbek und Glinde wieder möglich. Nach massiver Kritik an den umfangreichen Kontrollen und Zurückweisungen vom vergangenen Wochenende verspricht der Kieler Landespolizeidirektor Michael Wilksen, jetzt mit mehr Augenmaß vorzugehen: „Einzelne Radfahrer und Fußgänger stehen nicht im polizeilichen Fokus. Gruppenausflüge werden aber unterbunden, unabhängig vom Fortbewegungsmittel.“

Entsprechend sind auch die Wachen in Bergedorfs Umgebung über Ostern mit zusätzlichen Beamten aufgestockt, um den Ausflugsverkehr zu überwachen. Denn der Tourismus-Stopp gemäß der Allgemeinverfügung zum Infektionsschutzgesetz bleibt wegen der Coronaepidemie über die Feiertage in Kraft.

Landrat Inhalt der Landesverordnung nicht bekannt?

Am Mittwoch hatte die schleswig-holsteinische Landesregierung ihre Landesverordnung ergänzt und unter anderem klargestellt, dass unter das Tourismusverbot nicht der arbeitsbedingte Reiseverkehr, Einkaufsfahrten in engerem räumlichen Umfeld zur Wohnung und grundsätzlich Ausflüge von geringem Umfang wie Spaziergänge und Fahrradfahrten fallen.

Offen ist, ob der Inhalt der Landesverordnung tatsächlich auf allen Ebenen bekannt ist. So hatte ausgerechnet der Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg, Dr. Christoph Mager, noch am Mittwoch darauf hingewiesen, „dass der Sachsenwald in Schleswig-Holstein liegt und touristische Ausflüge aus anderen Bundesländern eine Ordnungswidrigkeit darstellen“.

Bürgerschaftsabgeordneter kritisiert „skurrile Szenen“

„Ein Schließen der Grenze, wie wir es vergangene Woche erlebten, gibt das Gesetz gar nicht her. Ich hoffe sehr, dass sich derart skurrile Szenen zu Ostern nicht wiederholen“, sagte Bergedorfs CDU-Bürgerschaftsabgeordneter Dennis Gladiator am Karfreitag. Er ist gerade als innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und stellvertretender Vorsitzender der Konferenz der innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU in Bund und Ländern bestätigt worden.

Sauer machen die Kontrollen auch Peter Puhle von Bergedorfs Seniorenbeirat: „Diese Überwachung vermittelt für uns Ältere Existenzängste.“ Er sorgt sich, dass mit dem Weg nach Reinbek auch der Zugang zur Notfallpraxis am St. Adolf-Stift gesperrt ist. Dabei ist die gemäß Vorgabe der Kassenärztlichen Vereinigung ausdrücklich auch für Bergedorfer Patienten zuständig: „Reicht dann ein Husten oder Fieberthermometer, um der Polizei klarzumachen, dass ich dringend ins Krankenhaus nach Reinbek muss?“

Der Seniorenbeirat will nun auf Bezirks- und Landesebene politisch Druck machen, die Notfallpraxis nach Bergedorf zu holen.