Corona überstanden

Ein herzlicher Dank an die Menschen im Bethesda

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Im Sessellift vor der winterlichen Kulisse von Predazzo: Marion Denzinger (54) aus Lohbrügge während des Skiurlaubs in Südtirol. Unmittelbar nach der Rückkehr zeigten sich die Krankheitssymptome. 

Im Sessellift vor der winterlichen Kulisse von Predazzo: Marion Denzinger (54) aus Lohbrügge während des Skiurlaubs in Südtirol. Unmittelbar nach der Rückkehr zeigten sich die Krankheitssymptome. 

Foto: Jan Schubert

Lohbrüggerin (54) infizierte sich im Skiurlaub. Neun Tage lag sie mit Covid-19 im Bethesda. Jetzt hat sie die Krankheit überstanden.

Lohbrügge. Es ist der Moment, als sie von zu Hause abgeholt wird, als die Retter in ihren Schutzanzügen kommen. Es ist eine Mischung aus Angst und Erleichterung, die Marion Denzinger an diesem Morgen des 17. März verspürt. Die Angst vor der unheimlichen Krankheit, die ihr inzwischen jegliche Kraft geraubt hat. Die Erleichterung, dass ihr nun professionell geholfen wird und nicht mehr ihr Mann die ganze Last tragen muss.

„Es war mir klar, dass ich das bekomme“, sagt die 54-Jährige rückblickend. Sie erinnert sich speziell an den 7. März, an die Rückfahrt mit dem Bus aus dem Südtiroler Skigebiet Trentino, wo sie gemeinsam mit Mann Andreas (53) zehn Tage verbrachte. Im Bus sitzen 60 Menschen während 14 Stunden auf engstem Raum beieinander – mit einer Begleiterscheinung: „Während der Rückfahrt hat fast jeder gehustet oder gekeucht.“

Körper wurde durch das Fieber immer schwächer

Als Marion Denzinger am 8. März zu Hause eintrifft, werden ihre Befürchtungen relativ schnell wahr: Hohes Fieber (39,8 Grad) legt den Tatendrang der sportlichen Frau, die nicht nur Ski fährt, sondern auch gern läuft, Wassersport und Fitness macht, lahm. Gemeinsam lässt sich das Ehepaar am 9. März auf Corona testen, die Ergebnisse sind bei beiden positiv. Wie bei vielen anderen aus der Skireise-Gruppe auch.

Doch während bei Andreas Denzinger nur mildere Symptome auftreten, erwischt das Virus die Partnerin heftig: „Ich habe gemerkt, wie mein Körper durch das Fieber immer schwächer wurde, das Essen und Trinken mir immer schwerer fielen“, sagt die 54-Jährige.

Am Abend des 12. März lässt sie sich ins Bethesda-Krankenhaus fahren, bekommt dort Infusionen und Paracetamol. Sie darf wieder nach Hause, hält nun täglich Kontakt mit Chefarzt Dr. Hanns Bredereke-Wiedling – doch ihr Zustand verschlechtert sich. Schließlich muss am 17. März der Krankenwagen gerufen werden.

Atemnot - die Lungenentzündung schlägt durch

Vom 17. bis zum 26. März wird Marion Denzinger auf der Isolierstation behandelt. Im Einzelzimmer sinkt bei der Covid-19-Patientin zwar das Fieber, dafür schlägt die Lungenentzündung durch, Marion Denzinger leidet unter Atemnot. Sieben Tage lang ist sie mehr oder minder ans Krankenbett gefesselt, bekommt unter anderem ab und an Sauerstoff verabreicht.

Telefonate helfen der 54-Jährigen durch die gesundheitliche Krise, denn besucht werden darf sie selbstverständlich nicht, auch nicht vom Ehemann oder ihrer Tochter (27). Andere müssen einspringen, die Patientin auch seelisch motivieren: Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern oder auch der Nachtwächter.

Großes Lob an alles Menschen aus der Klinik

Marion Denzinger baut zu den Menschen, die sich ihr nur in Schutzkleidung nähern dürfen, persönliche Beziehungen auf, erfährt etwas zu Familienverhältnissen, wer selbst Mutter oder Vater ist: „Da habe ich mir immer Sorgen gemacht, dass ich jemand anderen anstecke. Großes Lob an alle Menschen aus der Bethesda-Klinik: Sie verzichten auf Privatleben und leisten so viel.“

Vom 22. März an spürt Marion Denzinger eine Besserung, bekommt langsam wieder Appetit. Dann endlich die Erlösung: Am 25. und 26. März verlaufen zwei Coronavirus-Tests bei der Lohbrüggerin jeweils negativ: „Da hatte ich das Gefühl: ,Jetzt habe ich das Virus besiegt.“ Ein Glücksmoment: Wieder nach Hause!

Bis sie wieder ihre Arbeit als Sozialversicherungsbeamtin aufnehmen kann, wird es noch länger dauern. Schließlich ist die Lungenentzündung noch nicht gänzlich abgeklungen. Marion Denzinger wird sich weiter zu Hause erholen: „Ich will mir aktuell keinen Schnupfen einfangen, mein Immunsystem ist noch geschwächt.“ Sieben Kilo hat sie während der Erkrankung verloren – und zunächst auch die Lust an Gruppenreisen in den Schnee: „Das möchte ich erst einmal nicht mehr.“

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