Supermarkt

Hamsterkäufe: Ausgedünnte Regale, lange Schlangen

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Schlange stehen gestern an den Kassen bei Aldi am Binnenfeldredder. Mehl, Brot, Dosensuppen und einige Gemüsekonserven waren hier knapp.

Schlange stehen gestern an den Kassen bei Aldi am Binnenfeldredder. Mehl, Brot, Dosensuppen und einige Gemüsekonserven waren hier knapp.

Foto: Thomas Voigt

Die Versorgung ist durch Corona nicht gefährdet, beteuern die Handelsketten. Doch auch in Bergedorf wird gehamstert.

Bergedorf.  „Heute früh war dieses Regal bis oben hin voll, aber kurz nach zehn hatten wir hier keine Rolle Toilettenpapier mehr“, sagt die freundliche Verkäuferin bei Rewe am Binnenfeldredder und legt die letzten fünf Großpackungen nach. Auch Apfelschorle, Suppengrün und etliche Brotsorten waren gestern dort ausverkauft. „Die Kunden hamstern wie verrückt“, meint die Mitarbeiterin.

Lebensmittel dürfen über die Grenzen

„Nudeln, Reis, Mehl“, sagt Torben Zybulla, stellvertretender Filialleiter bei Penny an der Alten Holstenstraße. „Diese Sachen sind besonders gefragt.“ Mehrfach haben ihn schon Kunden sorgenvoll angesprochen, wollten wissen, ob mit den deutschen Grenzschließungen die Lebensmittelversorgung gefährdet ist. „Lebensmittel aus Österreich werden durchgelassen“, erklärt Zybulla, „ebenso aus Spanien.“ Italienische Ware wie Nudeln finden sich aber schon seit Wochen nicht bei ihm im Markt. Nebenan im dm-Markt waren gestern auch Flüssigseife und Shampoo ausverkauft.

Mehl häufig ausverkauft

„Brot habe ich gerade eben noch bekommen“, freut sich Kunde Helmuth Sturmhoebel bei Aldi (Am Beckerkamp). „Aber Mehl war Fehlanzeige. Dabei habe ich gestern zu Hause den letzten Rest aufgebraucht, als ich den Geburtstagskuchen für meine Frau gebacken habe.“

Ware ist meist da, aber Personal fehlt

Leer gefegte Regale, Toilettenpapier Mangelware und hier und da sogar Verkaufsmengenbegrenzungen in den Geschäften: Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Lebensmittelhandel sind nicht zu übersehen. Dennoch geben Edeka, Rewe, Aldi und Co. Entwarnung. Die Warenversorgung in Deutschland sei trotz der erheblich gestiegenen Nachfrage gesichert, betonten die Handelsketten gestern. Sie plagt ein ganz anderes Problem. Die Händler suchen händeringend Mitarbeiter zum Einräumen und Verkaufen der Ware. „Wer in unseren Märkten jetzt als Aushilfe tätig werden möchte, kann sich unkompliziert bewerben“, sagt Rewe-Chef Lionel Souque. Auch Edeka und Netto forderten Interessenten auf, sich direkt in der nächsten Filiale zu melden. Die Händler hoffen nicht zuletzt auf Studenten, die wegen der Schließung der Universitäten aktuell nichts zu tun haben.

Obst und Gemüse aus dem Ausland

Die Warenversorgung in Deutschland ist nach Angaben der großen Handelsketten weiter gesichert. Edeka und Rewe betonen, sie hätten in den vergangenen Tagen die Frequenz der Warenbelieferung bereits erhöht, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. Aldi, Real und Kaufland äußerten sich ähnlich. Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, unterstreicht, dass viele Erzeuger ohnehin in Deutschland selbst sitzen. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium gilt das insbesondere für Fleisch-, Milch- und Getreideprodukte. Hier wurde im Jahr 2018 jeweils deutlich mehr produziert, als im Inland verbraucht wurde. Deutlich schwächer fiel diese Bilanz zuletzt allerdings mit rund 38 Prozent für Obst und Gemüse aus. Hier stammte ein Großteil der Produkte aus anderen Ländern.

Desinfektionsmittel rationiert

Auch bei Budnikowsky im CCB wird dringend Personal gesucht. „Wir kommen sonst mit dem Einräumen in die Regale nicht hinterher“, sagt Susanne Pfeiffer, kommissarische Filialleiterin. „Die Kunden denken oft, unser Toilettenpapier ist ausverkauft. Dabei haben wir noch eine Menge im Lager, müssen es nur hochschaffen.“ Heiß begehrt sind bei ihr auch Desinfektionsmittel für die Hände und für Flächen: „Wir haben diese Artikel jetzt auf je eine Packung pro Kunde rationiert.“

„Kunden sind einsichtig“

Nebenan schätzt Edeka-Chef Thorsten Halmschlag, dass seien Kundenfrequenz sich durch Corona um 50 Prozent erhöht hat. „Wir haben richtig viel zu tun.“ Er hat aber auch ein Lob für seine Kundschaft parat: „Die Leute sind nicht so hektisch wie etwa vor Weihnachten, wenn Hochbetrieb herrscht im Geschäft. Sie haben Verständnis, wenn alles ein bisschen länger dauert.“

Ab 15 Uhr keine Kartoffeln

„Die Leute sind sehr einsichtig und friedlich“, sagt auch eine Mitarbeiterin eines Bergedorfer Discounters. Tag für Tag kommen bei ihr bis zu 400 Kunden mehr, um sich einzudecken. Bis auf Süßigkeiten und Mayonnaise geht so gut wie alles weg: Nudeln, Reis und Dosentomaten werden ebenso in Mengen gekauft wie Ketchup und Pesto. Viele Kunden kommen früh, denn ab 15 Uhr können die Kartoffeln schon mal ausverkauft sein. Zuletzt aber fehlte eine Woche lang Salz. „Und wir hatten ein paar Tage lang kein Mehl, wo doch jetzt viele selbst backen wollen.“ Zum Glück funktioniere die Lieferkette noch sehr gut. „Der normale Tourenplan wird eingehalten, zweimal täglich kommen die Lastwagen. Und wenn etwas fehlt, müssen wir nur in unserer Zentrale anrufen.“

Schild „Es gibt genug für alle“

Gleichwohl mahnt Penny an der Alten Holstenstraße mit einem Aushang: „Es gibt genug für alle. Durch Vorratskäufe kann es zu kurzfristigen Lieferengpässen kommen. Wir füllen mehrfach täglich auf. Bitte kauft nur in handelsüblichen Mengen ein, damit eure Mitmenschen auch etwas abbekommen.“

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