Baustelle

Baustelle Rappoltweg: Trauer um riesige Zierkirsche

Jürgen Richter mit dem zersägten Baumstamm der Japanischen Kirschblüte.

Jürgen Richter mit dem zersägten Baumstamm der Japanischen Kirschblüte.

Foto: Jan Schubert

Weil die Bauarbeiten sonst gestockt hätten, wurde der Baum am Wendehammer Dohnanyiweg außerhalb der Fällzeiten abgeholzt.

Lohbrügge.  In den vergangenen 25 Jahren war dieser Anblick für Jürgen Richter stets erbaulich, wenn sich der Gitarrenbauer auf dem Weg zum Auto befand. „Wenn ich an diesem Baum vorbeikam, hat mir das den Tag versüßt“, erzählt der Anwohner des Dohnanyiwegs. Vor allem in den Sommermonaten stand die Japanische Kirschblüte in voller Pracht am Wendehammer. Bis zum vergangenen Freitagvormittag: Der gesunde Baum wurde zum Entsetzen der Anwohner abgeholzt.

Warum? Als Jürgen Richter am Freitagnachmittag von der Arbeit nach Hause kam, lagen nur noch aufgestapelte Äste und der abgesägte Hauptstamm neben dem Baumstumpf. Der Lohbrügger versuchte mehrfach, den Grund im Bezirksamt zu erfragen – und blieb erfolglos: „Da bekam ich nur Durchwahlen, unter denen niemand ranging.“

„Nächste, absolute Frechheit“

Es überrascht nicht, dass die Abholzung mit dem Wohnungsbauprojekt am benachbarten Rappoltweg zusammenhängt. Dort sollen bis zum nächsten Weihnachtsfest 100 Wohnungen entstehen, die von der Vereinigten Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft (vhw) realisiert werden. Bergedorfs Grünchef Wolfgang Charles klärt auf: „Es gab Probleme mit dem Wasseranschluss der Baustelle. Deshalb musste die Zierkirsche weg, weil die Leitung unterirdisch verläuft und Hamburg Wasser diese Arbeiten nicht aufschieben konnte.“ Diese Unaufschiebbarkeit sei auch der Grund dafür, dass der Baum außerhalb der gerade beendeten Fällsaison geschlagen werden durfte. Hierfür sei eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden, sagt Charles.

Schon zum Baustart im September 2019 hatten die Nachbarn des Rappoltwegs Kritik geübt – damals an der tagsüber eingerichteten Halteverbotszone auf dem gesamten Dohnanyiweg sowie auf rund 100 Metern des angrenzenden Fanny-David-Wegs, die viele Parkplätze kostete. „Das mit der Kirschblüte ist die nächste, absolute Frechheit“, findet mit Jens Fromme ein weiterer Anwohner klare Worte. „Es ist ja toll, wenn Lohbrügge-Nord schöner werden soll, aber das muss ja nicht auf Kosten der Natur gehen.“

100 Wohnungen, Tiefgarage und kleine Gewerbefläche

Das Wohnbauprojekt am Rappoltweg kam trotz Abrissbeginns des alten Einkaufszentrums bis Frühjahr 2019 nicht richtig in Schwung. Grund waren Streitigkeiten mit Altmietern sowie Umplanungen. Mittlerweile stehen Teile des Rohbaus der beiden Flächen „Rappoltweg II“ (zur Leuschnerstraße) mit 58 Wohnungen und „Rappoltweg I“ mit 42 seniorengerechten Wohnungen. Weiterhin entstehen 42 Tiefgaragenplätze sowie 400 Quadratmeter für Einzelhandel.