Immobilienmarkt

Bergedorfs Villengebiet ist fast ausverkauft

Schönste Wohnhäuser finden sich im Villenviertel - wie hier am Steinkamp. Die meisten Gebäude wurden um die Jahrhundertwende gebaut, viele stehen heute unter Denkmalschutz.

Schönste Wohnhäuser finden sich im Villenviertel - wie hier am Steinkamp. Die meisten Gebäude wurden um die Jahrhundertwende gebaut, viele stehen heute unter Denkmalschutz.

Foto: Thomas Voigt

Die Nachfrage ist riesig, doch im vergangenen Jahr haben bloß 18 Villen die Besitzer gewechselt.

Bergedorf. Es muss ja nicht gleich die weiße Kies-Zufahrt entlang alter Rhododendren sein, aber bitte doch ein bisschen elegant. Repräsentativ und unbedingt freistehend: Solche Häuser ließen sich in Bergedorfs Villengebiet dutzendfach verkaufen. Doch die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich.

Das Villengebiet teilt sich in „Butter- und Margarineseite“

„Bis zu einer Million Euro suchen viele, auch bis 1,5 Millionen Euro funktioniert der Markt noch“, sagt Geschäftsführer Matthias Conze mit Blick auf die 10.000 Kunden in der Kartei, die der Immobilienmakler „Engel & Völkers“ allein in Bergedorf führt. Tatsächlich ist Villengebiet nicht gleich Villengebiet: Während das Areal nördlich der Wentorfer Straße als „Butterseite“ gilt – sehen viele die südliche Seite auf dem Gojenberg als „Margarineseite“.

Allein: Gerade mal 14 Ein- und Zweifamilienhäuser wechselten 2018 im Quartier die Besitzer, „im vergangenen Jahr waren es nur vier mehr“, so Conze. Der Grund für die stabile Lage? Alteingesessene Bergedorfer möchten in ihrem Umfeld bleiben, und kleinere Wohnungen für einen Umzug sind im Villengebiet kaum vorhanden.

Gern aus der Stadt weg

Das teuerste Haus mitten im Ensembleschutzgebiet kaufte eine Bergedorferin für 1,45 Millionen Euro nahe dem Hansa-Gymnasium – natürlich top-modernisiert. Eine schicke Rotklinker-Villa am Grünen Redder wurde gerade reserviert: 245 Quadratmeter Wohnfläche für 895.000 Euro. Die Argumente ähneln sich: Raus aus Winterhude und Ottensen an den Stadtrand, wo es Platz gibt und Kinder gefahrlos allein zur Schule gehen. Conze: „Manche wollen nur das Villengebiet, andere sind offen für beide Seiten. Bloß das Gebiet am Hundebaum ist schwierig, da es nur über Lohbrügge erreichbar ist.“

Viel Eigenkapital

Derzeit gibt es auch auf der „Margarineseite“ leckere Angebote: So eine Villa an der Hermann-Löns-Höhe, die für 1,39 Millionen Euro ein Schwimmbad bietet, einen Fitnessraum sowie ein „Heimkino“ und einen Weinkeller. „Die meisten Leute bringen 20 bis 30 Prozent Eigenkapital mit, doch einige brauchen kaum eine Finanzierung“, erzählt Christian Lüttjohann.

Der Büroleiter von „Engel & Völkers“ am Mohnhof hat auch Objekte im Angebot, die als „Schnäppchen“ daherkommen: Eine Doppelhaushälfte am Glindersweg für 620.000 Euro bietet 130 Quadratmeter Wohnfläche auf 500 Quadratmeter großem Grundstück. Allerdings müssten noch 200.000 Euro in das denkmalgeschützte Schätzchen aus dem Jahr 1924 investiert werden – allein für Bäder und Elektroinstallationen. Dennoch: Gut 20 Besichtigungen werden unter 300 Interessenten erwartet.

Preise „moderat“ gestiegen

Aktuelle Verkaufszahlen stellt Hamburgs Gutachter-Ausschuss derzeit zusammen. „Aber 2019 waren es rund um die Wentorfer Straße vielleicht 18 Häuser und 21 Eigentumswohnungen. Von 2016 bis 2018 wechselten hier 56 Häuser und 78 Wohnungen ihre Besitzer“, hat Matthias Conze gezählt.

Seit 2016 stieg dort der Kaufpreis für Bestandsimmobilien von 3816 auf 4000 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten seien zeitgleich von 10,89 auf 12,08 Euro den Quadratmeter gestiegen, moderat wie Conze meint. „Die Nachfrage jedenfalls zieht an“, hofft er.