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Mehr Platz für Radler und Fußgänger in Bergedorf

Die HAW soll in zehn Jahren Lohbrügge verlassen und nach Oberbillwerder umziehen. Unklar ist, was mit dem Altbau danach passiert.

Die HAW soll in zehn Jahren Lohbrügge verlassen und nach Oberbillwerder umziehen. Unklar ist, was mit dem Altbau danach passiert.

Foto: Andreas Laible

Das ändert sich 2020 in den Bezirken. Bergedorf bekommt eine Sommer-Fußgängerzone und ein neues Theater.

Hamhurg. Umfangreiche Verkehrsprojekte, etwas weniger Wohnungsbau und eine neue Fußgängerzone: Die Bergedorf-Agenda 2020 hat viele Seiten. Manche werden begeistern, andere nerven. Oft geht es auch um die grundsätz­liche Frage, wohin sich Bergedorf entwickeln soll: Müssen Straßen mehr Platz für Radfahrer und weniger für Autos bieten? Eignet sich das Areal zwischen B 5 und A 25 für die Stadtplanung, um Bergedorfs Zentrum sinnvoll zu erweitern? Und braucht es wirklich den Zukunftsstadtteil Oberbillwerder?


1. Austausch der B-5-Brücken über die Autobahn 1: Ab März wird der mächtige Mittelpylon geschüttet, der künftig beide Brücken trägt. Anschließend ersetzen die Experten die jetzt fehlende südliche durch einen Neubau. Läuft alles nach Plan, wird sie im Herbst für den Verkehr freigegeben – und der Abriss der nördlichen Brücke beginnt.


2. Umzug Unfallkrankenhaus Boberg: Die angestammte Fläche lässt dem Unfallkrankenhaus keine Expansionsmöglichkeiten. 2020 soll es Klarheit geben, wohin die Klinik ziehen wird. Aussichtsreichste Fläche ist das Kleingarten-Areal an der A-25-Anschlussstelle Bergedorf.


3. Sanierung Wilhelm-Lindemann-Sportplatz: Die Leichtathletik-Anlagen des Platzes sind so marode, dass die Schulen hier keinen Sportunterricht mehr geben können. Doch die rund eine Million Euro teure Sanierung lässt auf sich warten. Die Bürgerschaft soll nach Wegen suchen, wie die Misere bis zum Herbst zu beseitigen ist.


4. Rückbau „Lohbrügger Hauptstraße“ Binnenfeldredder/Habermannstraße: Der erste Bauabschnitt soll Anfang April fertig sein. Schon im März startet aber der zweite Bauabschnitt. Dann werden die knapp 1000 Meter bis zur Einmündung der Leuschnerstraße von vier auf zwei Spuren zurückgebaut, damit Fußgänger, Radfahrer und Busse mehr Platz bekommen. Danach startet entlang des Lohbrügger Marktes der dritte von vier Bauabschnitten.


5. Bergedorfer Schloßstraße wird zur Sommer-Fußgängerzone: Vom verkaufsoffenen Sonntag am 5. April bis Ende September soll die Parallelstraße zum Sachsentor auf rund 200 Metern Fußgängerzone werden. Die Befürworter erhoffen sich durch den so entstehenden Rundlauf eine Aufwertung der Bergedorfer City als Einkaufsstadt, die Kritiker fürchten ein Ausbleiben von Kunden mit Pkw.


6. Sanierung Sportplatz Sander Tannen: Die bereits angelaufene Sanierung der Traditionsanlage des ASV Bergedorf 85 sorgt für erbitterten Streit: Um den Leichtathletik-Teil für die zur Verfügung stehenden 500.000 Euro wieder herstellen zu können, lässt das Bezirksamt die ebenfalls maroden Stehtraversen für die Zuschauer abreißen. Das schafft Unmut bei den Kickern, weil nur noch 200 statt bis zu 3500 Zuschauer kommen können.


7. Umzug der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW): In zehn Jahren soll die Hochschule Lohbrügge verlassen und Aushängeschild des Zukunftsstadtteils Oberbillwerder werden. Darin sind sich Bezirksamt, Hochschule und Wissenschaftsbehörde einig. Was aber aus dem Altbau werden soll, ist unklar. Ihre Lösung: 2020 sollen die Lohbrügger selbst Ideen entwickeln, was aus dem Komplex werden könnte.


8. Umbau der Bergedorfer Polizeiwache: Nach Jahrelanger Hängepartie soll im Frühjahr der Bauantrag zur Erweiterung des Bergedorfer Polizeikommissariats 43 eingereicht werden. In der Bauphase des 24-Millionen-Euro-Projektes müssen große Teile des Kommissariats ausgelagert werden.


9. Industriegift tritt in Neuallermöhes Fleeten aus: Vermutlich noch im Januar wird die Umweltbehörde die Ergebnisse der Untersuchung der Fische aus Neuallermöhes Fleeten bekannt geben. Sie war nötig geworden, weil mit dem Grundwasser hier Relikte giftiger Entfettungsmittel des Zigarettenmaschinen-Produzenten Hauni eingetragen werden. Das Unternehmen investiert seit Jahrzehnten Millionen in die Bekämpfung dieser Giftfracht, weshalb die Umweltbehörde auch von keiner Gefährdung der Neuallermöher ausgeht. Nur vom Verzehr der Fische wird vorerst abgeraten.


10. Kurt-A.-Körber-Chaussee wird Veloroute: Das Miteinander von Radfahrern und Autoverkehr lässt sich die Verkehrsbehörde auf der Kurt-A.-Körber-Chaussee knapp sechs Millionen Euro kosten. Noch bis Dezember läuft der Umbau zum Teilstück der Veloroute 9. Dabei wird die Zahl der Parkplätze etwa halbiert, die Fahrbahnbreite reduziert, der Radweg teils auf die Straße gelegt.


11. Neubau auf Woolworth-Areal: Die Keller-Etage ist so gut wie fertig, jetzt beginnt der Hochbau. Geplant ist, im Frühjahr 2021 hier das Woolworth-Kaufhaus neu zu eröffnen, ebenso das Designhotel „Ninetynine“ mit 130 Betten und eine große Gastronomie am Serrahn. Ist der Bau fertig, beginnt die Umgestaltung der Kaistraße am Serrahn samt der Sanierung des Hafenkrans.


12. Neues Leben für Suhrhof und Jazzclub: Bergedorfs Kneipen-Hinterhof Nummer 1 startet 2020 in eine neue Zukunft. Gastronom Heiko Pape setzt neue Akzente, betreibt neben seiner „Klangbar“ ab sofort auch den Jazzclub mit Livemusik als „Suhrhof-Pub“ weiter.


14. Körber-Haus: Das Prestigeprojekt von Bezirksamtsleiter Arne Dornquast auf dem alten Lichtwarkhaus-Areal soll in diesem Jahr sichtbar werden. Mit Theater, Vortragssaal für 200 Menschen, Café und Bücherhalle wird es der neue Sitz vom Haus im Park und der Awo sein. Die Eröffnung des Körber-Haues ist für das Frühjahr 2021 geplant. Die Kosten liegen bei etwa 25 Millionen Euro.


15. Stuhlrohr-Quartier: Das wichtigste Projekt der Schleusengraben-Entwicklung steckt im B-Plan-Verfahren. Auf den knapp fünf Hektar zwischen Schleusengraben und Weidenbaumsweg, gleich hinter dem CCB-Fachmarktzentrum, will die Buwog ein Start-up-Zentrum mit Cafés, Sportangeboten, kleinen Läden und 1000 Wohnungen bauen. Ob in diesem Jahr noch die Abrissbagger anrücken, ist offen.


16. Haus der Jugend (HdJ): Ab dem Sommer soll ein Neubau entstehen. Der 2,4 Millionen Euro teure „Jugendclub im Quartier“ entsteht an der Straße Am Hohen Stege als dreistöckiger Holzbau.


17. Straßenumbau Brookdeich: Schon am 20. Januar wird es eng auf dem Brookdeich. Fünf Monate sollen die Arbeiten dauern, dann wird die Straße zur kombinierten Rad- und Autotrasse umgebaut. Es beginnt mit einer Vollsperrung ab Kreuzung Neuer Weg.


18. Igel-Station: Die Aktiven des Bergedorfer Tierschutzvereins Looki kämpfen für ihre Igel-Auffangstation. Die Anlage für gut 100 Igel und andere Wildtiere in Not mit gut 40.000 Euro aus Spendengeldern am Pollhof aufgebaut, könnte Plänen für die Erweiterung des Forschungs- und Innovationsparks an gleicher Stelle im Weg stehen.


19. Rad- und Wanderweg am Schleusengraben: Mit drei Jahren Verzögerung wird das Projekt nun endlich angepackt. Es tobt aber ein erbitterter Streit um die Frage, wie auf 4,50 Meter Breite Fußgänger und Radfahrer getrennt werden sollen? Der Weg ist wichtig, um die vielen Wohngebiete entlang des Schleusengrabens mit der Bergedorfer City zu verbinden.


20. Neubauviertel Weidensteg:
Politik und Investor ringen noch um die Dimensionen dieses Projektes, das zwischen Weidenbaumsweg, Kampbille und Schleusengraben mit Nahversorgungszentrum und 750 Wohnungen entstehen soll. Gibt es grünes Licht, kann das B-Plan-Verfahren im Frühjahr starten.


21. Erweiterung Forschungs- und Innovationspark/Rahmenplan „urbanes Bergedorf- Südost“: Für die Kleingartenfläche am Curslacker Neuen Deich gegenüber vom Autohaus Kath sind die Tage gezählt. Sie soll in diesem Jahr planungsrechtlich für Gewerbe erschlossen werden – vor allem als Erweiterung des Forschungs- und Innovationsparks gegenüber. Zudem könnte hier das Unfallkrankenhaus Boberg seinen neuen Standort finden. Damit alles zusammen eine sinnvolle südliche Erweiterung des Bergedorfer Stadtkerns bildet, entwickelt das Bezirksamt seit Mai 2019 den „Rahmenplan urbanes Bergedorf-Südost“; er umfasst das Gründerzeit-Viertel Bergedorf-Süd, die wachsende Schleusengraben-Region, den Forschungs- und Innovationspark, die Grünflächen entlang der Autobahn und das Gewerbe am Brookdeich. Im März soll ein erster Entwurf präsentiert werden.


22. Nettelnburger Kreisel: Er soll helfen, die 100 Jahre alte Gartenstadt Nettelnburg vor dem Verkehrsinfarkt durch die mächtigen Neubaugebiete am Schleusengraben zu bewahren. Noch im Januar will der Verkehrsausschuss beschließen, ob der Nettelnburger Kreisel auf der Randersweide gebaut wird.


23. Umzug Recycling-Station: Zum 1. Januar hat es wieder einen Rückschlag für den lange geplanten Umzug der Recycling-Station gegeben. Die ausgeguckte Fläche, das ehemalige Spülfeld an der Ecke Randersweide/Schleusendamm, ist plötzlich Biotop geworden. Damit trotzdem gebaut werden kann, muss eine Ausgleichsfläche her. Die Suche läuft.


24. Oberbillwerder: Der Zukunftsstadtteil bleibt 2020 ein heißes Eisen. Obwohl der Senat bereits den Masterplan für den 7000 Wohnungen und 5000 Arbeitsplätze großen 15. Bergedorfer und 105. Hamburger Stadtteil beschlossen und das Bezirksamt mit dem B-Plan-Verfahren beauftragt hat. In den nächsten Tagen will die Initiative „Nein zu Oberbillwerder“ die ersten 1200 Unterschriften für ihr gleichnamiges Bürgerbegehren beim Bezirksamt abgeben. Sind mindestens 1000 von ihnen gültig, müssen alle Planungen im Bezirksamt sofort gestoppt werden.

Um den Start der Aufschüttung Ende 2021 nicht zu gefährden, könnte der Senat das B-Plan-Verfahren an sich ziehen und so die nur auf Bezirksebene aktive Bergedorfer Initiative aushebeln. Genau das wäre aber Wasser auf deren Mühlen, zielt sie doch gerade darauf, Oberbillwerder zum Thema im angelaufenen Bürgerschaftswahlkampf zu machen. Ihr Ziel: Alle Parteien sollen sich bis zur Wahl am 23. Februar klar zum Projekt positionieren, damit die Wähler entsprechend abstimmen – und ein Senat ins Amt kommt, der den Sinn von Oberbillwerder noch mal neu überdenkt.


25. Straßensanierung Ochsenwerder: Fahrbahn und Nebenflächen vom Ochsenwerder Kirchendeich werden vom Eichholzfelder Deich bis Ochsenwerder Landstraße saniert. Baustart soll in den Märzferien sein.


26. Größere Buskehre: Am Elversweg soll die Buskehre neu gestaltet werden – größer werden und mit neuem Belag.


27. Besserer Schulweg: Der Gehweg am Durchdeich vom Lauweg bis zur Grundschule soll „optimiert“ und teilweise verbreitert werden. Kosten: 60.000 Euro. Die Grundsanierung der Straße muss voraussichtlich noch warten, 6,5 Millionen sind bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation beantragt.


28. Neubau Stadtteilschule: Der Baubeginn ist für 2021 angepeilt, sodass die Schule zum Schuljahr 2023/24 an den neuen Standort umziehen könnte.


29. Tide in der Dove-Elbe: Eine Machbarkeitsstudie zur Wiedereröffnung der Dove-Elbe für die Tide wird derzeit vom Forum Tideelbe erstellt. Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen. Daraufhin soll die Politik entscheiden, ob die Maßnahme durchgeführt oder verworfen werden soll.


30. Erweiterung Justizvollzugsanstalt Billwerder: Damit die Bauarbeiten zur neuen Jugendvollzugsanstalt in Billwerder im 3. Quartal 2021 beginnen können, müssen nun Aufstellungsbeschlüsse zum erforderlichen Bebauungsplan und zur Änderung des Flächennutzungsplans inklusive Landschaftsprogramm gefasst werden. 2026/27 könnte die neue Jugendanstalt in Betrieb gehen.

Richtigstellung: Auf abendblatt.de wurde zunächst folgende Aussage über die Projektgesellschaft Berliner Tor verbreitet:

"13. Projekt ,Bergedorfer Tor': ... Auf dem Rest der Fläche herrscht Ruhe, seit die Baugenehmigung im Sommer 2019 abgelaufen ist..."

Diese Behauptung stellen wir wie folgt richtig: Die Baugenehmigungen sind nicht abgelaufen, sondern weiterhin rechtsgültig.

Hamburg, den 15.1.2020