Stadtteil-Statistik

Lohbrügge ist Bergedorfs Stadtteil der Senioren

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Anne K. Strickstrock
Seit 20 Jahren ist Günter Stüwe der Vorsitzende des Lohbrügger Awo-Distriktes – „aber bald will ich einen Nachfolger finden“, sagt der 82-Jährige.

Seit 20 Jahren ist Günter Stüwe der Vorsitzende des Lohbrügger Awo-Distriktes – „aber bald will ich einen Nachfolger finden“, sagt der 82-Jährige.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Und die wissen, was sie an ihrem Stadtteil haben. Günter Stüwe lebt schon seit 70 Jahren in Lohbrügge und findet es hier einfach gemütlich.

Lohbrügge.  Unterschiedlicher könnte es kaum sein: Während im Stadtteil Neuallermöhe gerade mal 9,2 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre sind, ist im Bergedorfer Kerngebiet jeder Fünfte ein Senior (20,3 Prozent). Die mit Abstand älteste Bevölkerung lebt allerdings in Lohbrügge. So ermittelte das Statistikamt Nord für diesen Stadtteil 23,3 Prozent an 65-Jährigen und Älteren. Und die leben offenbar sehr gern in Lohbrügge.

Erst zu Opa ins Behelfsheim

Dazu befragen wir einen Ostpreußen: Günter Rziatkowski flüchtete von Masuren „mit Pferd und Wagen bis Rügen, dann weiter im Zug bis nach Hamburg“, erzählt der heute 82-Jährige. Zunächst wohnte er nahe Buxtehude, 1950 zog er dann in Großvaters Behelfsheim, das an der Krusestraße in Lohbrügge stand. „Damals gab es die B 5 noch nicht. Und so gab es eine Rodelbahn vom Funkturm bis hinunter zum Sportplatz an den Sander Tannen.“ Dort kickte er nicht nur Fußball, sondern hatte auch eine ganz besondere Begegnung: Zur 700-Jahr-Feier von Lohbrügge lernte er hier im Festzelt beim Tanzen seine Helga kennen. Sie stammt aus Neuengamme und ist genau zehn Tage älter.

Namensänderung war zu teuer

1959 zog das Paar an die Lohbrügger Kirchstraße in die erste gemeinsame Wohnung. Zehn Jahre später folgte der Umzug an die Billwerder Straße, wo sie nun seit 50 Jahren leben und sich inzwischen Stüwe nennen. „Bei unserer Hochzeit hätte ich noch nicht den Mädchennamen meiner Frau annehmen können. Und eine Namensänderung hätte damals 4000 Mark gekostet“, erinnert sich der Bauschlosser: „Das war nicht drin, ich verdiente ja bloß 75 Mark die Woche.“

Alle zwei Wochen Seniorentreff

Sehr viele Lohbrügger kennen Günter Stüwe. Nicht nur, weil er sich acht Jahre lang im Seniorenbeirat des Bezirks engagierte. Sondern auch, weil er seit 20 Jahren Vorsitzender des Awo-Distrikts Lohbrügge ist. Dessen 118 Mitglieder zahlen monatlich 2,50 Euro und treffen sich jeden zweiten Sonnabend (14 bis 16 Uhr) im Sozialen Zentrum am Harders Kamp zum Plausch bei Kaffee und Kuchen.

Außerdem organisiert Günter Stüwe für jeden dritten Mittwoch im Monat eine Ausfahrt, manchmal ist der Bus mit 54 Leuten komplett besetzt – etwa, wenn ein Bettenladen bei Hannover einlädt und alles inklusive Mittagsschmaus bezahlt – „die schimpfen auch nicht, wenn niemand etwas kauft“, betont Helga Stüwe.

Gute Nachbarschaft

Zurück in Lohbrügge: Was gefällt den Senioren so sehr an dem Stadtteil? „Das ist hier gemütlich. Und es gibt viele Angebote, da braucht man sich als alter Mensch eigentlich nicht einsam zu fühlen“, meint die 82-Jährige. Ihr Mann legt Wert auf die gute Nachbarschaft – zumal seine Schwester gleich eine Wohnung über ihnen lebt. Inzwischen wohnt auch die Tochter in Lohbrügge und eine der beiden Enkelinnen.

Und sie alle müssen lachen, wenn sie bei Karstadt im Sachsentor einkaufen wollen: „Das ist ja wirklich nicht weit weg, aber dann sagen wir immer noch, dass wir nach Bergedorf fahren.“

Lohbrügge in Zahlen

Jetzt sind es 795 mehr: Laut „Wanderungssaldo“ zählte das Statistikamt Nord Ende 2018 insgesamt 39.809 Menschen im 13 Quadratkilometer großen Stadtteil Lohbrügge. Bloß 15,6 Prozent sind minderjährig (im ganzen Bezirk sind es 18,4 %), und fast jedes dritte Kind (28,9 %) lebt bei Alleinerziehenden. Während der Ausländeranteil mit 13,3 % gering erscheint (Bezirk: 15 %), haben 40,5 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, stammen also aus einem fremden Land. Für ganz Bergedorf liegt dieser Anteil bei 38,6 %.

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