Stadtteil-Rap

Liebeserklärung an Bergedorf-West auf YouTube

| Lesedauer: 4 Minuten
Musiker Ilhan Altundag alias „Illly Idol“ posiert im Stadtteil Bergedorf-West, dem er zusammen mit vielen seiner Bewohner auf YouTube ein Video gewidmet hat.

Musiker Ilhan Altundag alias „Illly Idol“ posiert im Stadtteil Bergedorf-West, dem er zusammen mit vielen seiner Bewohner auf YouTube ein Video gewidmet hat.

Foto: Jan Schubert

Profi-Musiker Ilhan Altundag (43), alias „Illy Idol“, hat auf YouTube eine Liebeserklärung an den Stadtteil seiner Kindheit veröffentlicht.

Bergedorf-West. „Hier kann ich leben, kann ich wohnen, kann ich schlafen / ich kann dich sehen, kann dich fühlen, kann dich atmen“ heißt es in einer Textpassage. Oder auch „Komm, ich zeig‘ dir, was in meiner Hood geht / Friedrich-Frank-Bogen, Ladenbeker Furtweg“ in einer anderen.

Musiker hat 15 Jahre in Bergedorf-West gelebt

„Illy Idol“ weiß genau, wovon er rappt: Denn Ilhan Altundag (43), so der bürgerliche Name des Musikers, hat einen wichtigen Teil seines Lebens in Bergedorf-West verbracht. 15 Jahre, die ausreichen, um dem wenig glamourösen Stadtteil mit der charaktergebenden Hochhaus-Silhouette und der bunt gemischten Bewohnerschaft eine Liebeserklärung zu schreiben: „Bergedorf-West – meine Nr. 1“.

Viele Mitwirkende aus dem Alltag des Stadtteils

Und das Tolle: Alle machen mit. Denn dass Bergedorf-West für andere ebenfalls „die Nummer 1“ ist, mindestens aber mal ein lebenswerter Ort, beweist der Videoclip zu dem Hip-Hop-Song von „Illy Idol“. Darin rappt der bald zweifache Familienvater ohne „Gangsta“-Attitüde nicht nur über seine Lieblingsorte.

Der besondere Charme des Kurzfilms besteht darin, dass beispielsweise Kinder von der Grundschule Friedrich-Frank-Bogen spontan abtanzen. Ebenso wie die Angestellten von Marquardt’s Apotheke, die Damen von der Strickgruppe aus dem Westibül oder akrobatische Breakdancer.

„Dieses Lied ist für alle Schichten“

Insgesamt 300 Statisten wirken an dem Clip mit. „Song und Video zeigen: In Bergedorf-West leben tolle Menschen“, findet der Künstler, „dieses Lied ist für alle Schichten und für alle Altersgruppen“.

Anlass: 50. Geburtstag des Hochhaus-Quartiers

Hintergrund des Projekts ist der 50. Geburtstag des Quartiers, das im ausgehenden Jahr 2019 bereits mit Straßenfesten und einigem mehr gewürdigt wurde. Holger Hillers (Pink Haus, Musikprojekt „Lass 1000 Steine rollen“) und André Braun (ProQuartier) suchten im Auftrag der Arge Bergedorf-West für den Song den passenden Protagonisten. Sie sprachen Altundag an, „ob ich nicht Lust hätte, dazu einen Rap zu verfassen“.

Autor ist Hip-Hop-Profi

Die Wahl ist nachvollziehbar: Der Mann hat in der Vergangenheit bereits mit Hip-Hop hauptberuflich Geld verdient, mehrere Singles und Videos („Mellow“, „San Andreas“) veröffentlicht und die Kunst des Sprechgesangs in Workshops an junge Talente weitergegeben. Schnell hatte „Illy Idol“ die Punchlines (Pointen) zusammen, nahm alles im heimischen Aufnahmestudio in seinem aktuellen Wohnort Wentorf auf: „Bergedorf-West, du bist meine Perle / ich seh‘ deine Skyline aus weiter Ferne.“

15 Jahre Kindheit und Jugend in Bergedorf-West

Der Blickwinkel von Ilhan Altundag hat sich mittlerweile verändert: 15 Jahre seiner Kindheit, Jugend und als junger Erwachsener lebte der in der Türkei im zentralanatolischen Kayseri Geborene mit der siebenköpfigen Familie auf 70-Quadratmetern in einer Drei-Zimmer-Wohnung am Ladenbeker Furtweg.

Mutter des Rappers lebt noch im Quartier

„Das ist kein einfacher Stadtteil“, weiß Altundag, „da habe ich alles erlebt, von tollen Freundschaften bis zur schlimmsten Ausgrenzung.“ Seine Mutter lebt dort immer noch, eine von 7000 Menschen im Quartiers. Unweit ihrer Wohnung gibt es immer noch den Platz zum „Abhängen“ – oder wie es in „Illy Idols“ Track heißt: „Du kannst die Mädels oder die Jungs fragen / Sonntags Fußball, Treffpunkt Kunstrasen“. Wobei der Rapper nicht der große Kicker auf dem kleinen Feld neben der Gewerbeschule G 19 war: „Da haben wir eigentlich immer Baseball gespielt.“

Vorbild der Produktion: „Happy“ von Parrell Williams

Ist ja auch egal. Fakt ist: Wer den 4:13 Minuten langen Song hört und sieht, bekommt gute Laune. Als choreographische und künstlerische Leitlinie diente der Mega-Hit „Happy“ von US-Superstar Pharrell Williams – und das Gegenstück aus Bergedorf-West kann sich wahrlich hören lassen, wirkt es doch spontan und lebensbejahend. „André und Holger haben die Leute dafür begeistert, ich habe mich eigentlich nur einmal kurz vors Pink Haus gesetzt“, erzählt der Rapper schmunzelnd. „Während des Videodrehs haben immer mehr mitgemacht, die sich mit dem Song einhundertprozentig identifizieren.“

Song ist über YouTube abrufbar

Für „Bergedorf-West meine Nr. 1“ hat „Illy Idol“ schon eine ganze Menge toller Kommentare bekommen. „Das hat mich berührt und macht mich stolz“, sagt der 43-Jährige. „Es wäre für mich auch traurig gewesen, wenn jemand anderes aus dem Stadtteil mir mit einem Rapsong zuvorgekommen wäre. Das beanspruche ich für mich.“

Der Bergedorf-West-Song ist über YouTube (Stichwort Bergedorf West Song) sowie über facebook.com/illyidol abrufbar.

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