Bergedorf

Hamburger Model: Wobei Schönheit für mich zum Nachteil wird

Ein definierter, durchtrainierter Körper: Felix Jehnichen ist Model und arbeitet als Personal Trainer.

Ein definierter, durchtrainierter Körper: Felix Jehnichen ist Model und arbeitet als Personal Trainer.

Foto: luehmannshot.me / Andreas Lühmann

Felix Jehnichen ist als Personal Coach, Model und Basketballer gut im Geschäft. Seine Traumfrau hat er noch nicht gefunden.

Hamburg. Heute Fotoshooting auf Lanzarote, morgen Fitness-Training auf Ibiza – Felix Jehnichen führt ein Traumleben. Der 34-jährige Basketballer, der seine Körbe für die TSG Bergedorf in der 1. Regionalliga wirft, arbeitet als Personal Trainer und als Fotomodell. Seine Kunden sind reiche Manager, die sich früh morgens vor dem Gang ins Büro fit machen lassen wollen. Und Modefirmen, die ihre Sachen mal mit mehr, mal mit weniger nackter Haut attraktiv in Hochglanz-Magazinen präsentiert sehen wollen.

Doch der Aufwand, den Jehnichen treiben muss, um diesen Wünschen zu entsprechen, ist enorm . „Ich bin praktisch täglich im Fitness-Studio“, erzählt er, „wenn in Unterwäsche geshootet wird, achte ich darauf, dass ich am ganzen Körper glatt rasiert bin, dass nirgendwo hässliche Stoppeln stehen. Drei Tage vor den Aufnahmen esse ich nur noch Fleisch und Gemüse. Ich hungere, damit der Sixpack auch richtig zur Geltung kommt.“

Der Aufwand lohnt sich. Rund 1000 Euro Tagesgage verdient ein männliches Model. Das ist wenig, verglichen mit weiblichen Models, die oft ein Vielfaches kassieren. „Doch bei den Frauen ist auch die Konkurrenz höher und die Zeit, in der sie als Model Geld verdienen können, begrenzt“, betont der Bergedorfer, „Männer hingegen werden erst ab 30 Jahren zu richtigen Männern, sind dann für die Kunden erst richtig interessant.“

Sein Körper ist sein Kapital

Mit 34 Jahren ist Jehnichen im besten Model-Alter, ergattert lukrative Jobs wie ein Fotoshooting auf Lanzarote für die schwedische Zeitschrift mystile. „Felix ist schon jemand, der sehr auf seinen Körper achtet. Der ist schließlich sein Kapital“, sagt Björn Fock, Trainer der TSG-Basketballer. „Das Aussehen ist in der Mannschaft definitiv ein Thema“, hat Jehnichen beobachtet, „wenn wir über irgendetwas Optisches reden, kommen da schnell Sätze wie ,Sorry, du Model!’“

Doch der 34-Jährige ruht in sich. Anders ließe sich das unstete Leben, das er führt, auch kaum bewältigen. Denn Modeln ist ein Job, der nicht nur viel Disziplin, sondern auch große Flexibilität verlangt. „Du erfährst montags, dass du am Mittwoch den ganzen Tag für ein Fotoshooting vor der Kamera stehen sollst“, erzählt Felix Jehnichen, „das macht kein normaler Arbeitgeber mit.“

Mit seiner Tätigkeit als Personal Trainer hat er hingegen die ideale Ergänzung gefunden. „Ich arbeite, wenn andere frei haben – früh morgens oder am Abend. Dazwischen ist oft Leerlauf.“ Doch dafür gibt es auch Highlights wie die Einladung eines Kunden zum Workout nach Ibiza. Sowohl im Model-Business als auch beim Personal Training hat er denselben Trend beobachtet: „Muskelberge sind nicht mehr gefragt. Es geht um Beweglichkeit und Athletik.“

Wer weiß, ob der junge Jehnichen heutzutage überhaupt noch eine Chance im Model-Business bekommen hätte. Als 21-Jähriger wurde der Bergedorfer beim Model-Wettbewerb „NeckerMANN 2006“ entdeckt, obwohl er damals – massig, muskulös, Glatze, Stiernacken – kaum gängigen Schönheitsidealen entsprach. „Die Freundin meines besten Freundes hatte mich angemeldet. Ich kam unter die besten Zehn und wurde von meiner heutigen Agentur Promod unter Vertrag genommen – als Model für Übergrößen!“

Jehnichen nimmt 25 Kilogramm ab

Die Wende kam, als Jehnichen an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankte und binnen kurzer Zeit 25 Kilogramm an Gewicht verlor. „Mein ganzes Gesicht war eingefallen“, erinnert er sich, „die einzigen, die das gut fanden, waren meine Model-Agenten.“ Seitdem ist er gut im Geschäft, auch wenn sich noch nicht jeder Traum erfüllt hat. „Auf das Cover der Men’s Health möchte ich noch. Das ist auf jeden Fall ein Ziel“, betont Jehnichen.

Für den nötigen Ausgleich zum Job sorgt der Basketball. Als 2013 die Hamburg Towers ins Leben gerufen wurden, gehörte der Bergedorfer zum Team der ersten Stunde. Mittlerweile sind die Towers in der Bundesliga angekommen, der flinke Flügelspieler läuft für die TSG Bergedorf in der 1. Regionalliga auf. Dort machte Jehnichen eine ungewohnte Erfahrung: „Ich war fix und fertig. Natürlich bin ich topfit, aber an dieses Hin- und Herrennen musste ich mich erst gewöhnen.“ Nun hat er sich im Team etabliert. „Felix ist einer unserer besten Verteidiger“, lobt Coach Fock.

Immer wieder darf sein Neuzugang mit den Traumfrauen dieser Welt vor der Kamera stehen. „Viele weibliche Models sind sehr professionell“, schildert Jehnichen, „bei den Aufnahmen denke ich häufig: ,Sie mag mich wirklich!’ Und wenn die Kamera aus ist, merke ich, es war nur geschauspielert.“ Auch im richtigen Leben ist es nicht leicht mit den Frauen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eher ein Nachteil ist, ein Model zu sein“, erzählt er, „viele glauben nicht, dass es etwas Ernstes sein könnte.“ So hat der Traummann im TSG-Trikot seine Traumfrau noch nicht gefunden. Eine, die ihn begleiten würde nach Lanzarote oder Ibiza ...