Bergedorf

Stuhlrohrquartier: Neuer Anlauf für Markthallen-Idee

Die denkmalgeschützten Stuhlrohrhallen sollen zur Markthalle umgestaltet werden, geht es nach der Bergedorfer FDP.

Die denkmalgeschützten Stuhlrohrhallen sollen zur Markthalle umgestaltet werden, geht es nach der Bergedorfer FDP.

Foto: BGZ

Eine Markthalle mit regionalen Produkten soll die Serrahn-Gegend beleben. Gesucht wird jemand, der das finanzielle Risiko eingeht.

Bergedorf. Die Berliner „Markthalle Nummer 9“ in Kreuzberg, der Feinkost-Tempel „Schrannenhalle“ in München oder der Amsterdamer „Bazaar“, der größte überdachte Markt Europas, sollen Pate stehen: Die Bergedorfer FDP belebt den Traum einer überdachten, permanenten Markthalle als touristisches und wirtschaftliches Zugpferd für die Stuhlrohrhallen wieder, will damit den Bereich um den Serrahn aufwerten.

Insgesamt verzeichneten die 72 Hamburger Wochenmärkte in den vergangenen zehn Jahren 50 Prozent an Umsatzeinbußen. Sonja Jacobsen, Chefin der Bergedorfer FDP-Fraktion, hat dabei beobachtet, dass „die Märkte, die sich Themenschwerpunkte gesetzt haben“, erfolgreicher seien als andere.

Viel Käuferpotenzial in wachsenden Wohngebieten

Und genau darin sieht Jacobsen für den Bezirk Bergedorf mit seiner Stadt-Land-Verbindung eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Markthalle. „Gerade mit den regionalen Anbietern von frischen Produkten aus dem Landgebiet haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.“

In etwa 7000 Neubürgern im künftigen Wohngebiet Stuhlrohrquartier sowie den Quartieren Glasbläserhöfe, Schilfpark, Weidensteg und dem Neuen Güterbahnhof sieht sie eine gute Basis. Mit einem neuen Fuß- und Radweg entlang des Schleusengraben verbessere sich zudem die Anbindung, so die Überzeugung der Bergedorfer Liberalen. „Eine geschlossene Markthalle hat den Vorteil, dass sie witterungsunabhängig ist. Das hat einen positiven Effekt auf die Verweildauer und somit auf den Konsum.“ Sonja Jacobsen weiß aber auch: „Elementar ist, dass die Marktbeschicker und der Investor Buwog das auch wollen.“

Frage nach der wirtschaftlichen Machbarkeit

Ganz korrekt ist der Prüfauftrag der Liberalen an die Verwaltung übrigens nicht: Er prangert zu Unrecht das Fehlen eines Nutzungskonzepts für die denkmalgeschützten Hallen an. Das existiert jedoch – der Wohnungsbaukonzern Buwog hat dazu im aktuellsten Entwurf für die Bebauung des alten Industrieareals die dreigeteilten Hallen (4243 Quadratmeter) so verplant: Eine der denkmalgeschützten Hallen soll eine Markthalle mit einem „Mix aus Einzelhandel, Handwerk und Lebensmittelständen“ anbieten. Die zweite Halle könnte demnach als Spiel- und Freizeitzentrum fungieren, Halle 3 ist als Kita für 200 Kinder vorgesehen.

„Die Frage ist, ob diese Idee wirtschaftlich funktioniert“, erklärt Bergedorfs Verwaltungschef Arne Dornquast die größte Klippe des Markthallen-Projekts. Weder Bauinvestor noch Bezirk wollen hier ins Risiko gehen. Bezirksamtsleiter Dornquast: „Wir haben bisher keinen Betreiber, der die Kraft hat, dieses Projekt finanziell umzusetzen.“

Thema in Bezirksversammlung

In der nächsten Bezirksversammlung im Rathaus am Donnerstag (18 Uhr, Wentorfer Straße 38) wird sich die lokale Politik mit dem Prüfauftrag der FDP zur Einrichtung der Stuhlrohrhallen als Markthalle für regionale Produkte befassen. Dabei soll die Verwaltung unter anderem prüfen, inwieweit die Interessen der Marktbeschicker aller vier Bergedorfer Wochenmärkte (Chrysanderstraße, Lohbrügger Markt, Bergedorf-West, Fleetplatz) ausreichend berücksichtigt werden können.

Eine attraktive Markthalle sieht die Bergedorfer FDP-Vorsitzende Jacobsen auch „als Aufhübschung des Serrahn-Gebiets“, das derzeit eher durch viele mehr oder minder aktive Bauplätze (Körberhaus, Bergedorfer Tor, ehemaliger Woolworth) gekennzeichnet ist.

Fortschritte im Stuhlrohrquartier bald sichtbar

Während Sonja Jacobsen das Projekt „in fünf bis sieben Jahren“ umgesetzt sieht, kann sich Bezirksamtschef Arne Dornquast eine frühzeitigere Realisierung vorstellen. Der Bezirksamtsleiter bezieht seinen Optimismus aus der Tatsache, dass er sich permanent mit Vertretern der Buwog austauscht, dem Wohnungsbaukonzern, der bis zum Jahr 2025 etwas weniger als 1000 Wohnungen im Stuhlrohrquartier bauen will: „Wir sind aktuell in Gesprächen und bei gutachterlichen Arbeiten für das B-Plan-Verfahren“, sagt Dornquast, der sich zuversichtlich zeigt, dass im kommenden Frühjahr 2020 „das alles sichtbar gemacht“ werde. Die Bauarbeiten sollen spätestens im nächsten Sommer beginnen. Zuletzt wurde die Buwog vom Immobilienkonzern Vonovia übernommen und hatte dementsprechend mit dem Übergang zu tun.