Kreuzung Randersweide

Nettelnburger jubeln über Kreisel

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Ulf-Peter Busse
Die Kreuzung der Randersweide mit Nettelnburger Straße und Kampweg (Recyclingstation) beim Autohaus Honda Harke (re. unten) soll zum Kreisel werden.

Die Kreuzung der Randersweide mit Nettelnburger Straße und Kampweg (Recyclingstation) beim Autohaus Honda Harke (re. unten) soll zum Kreisel werden.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Die Baukosten des Kreisverkehrs für bis zu 15.000 Kfz täglich liegen bei über einer Million Euro. Wann und ob überhaupt gebaut wird, ist offen.

Nettelnburg. Applaus gibt es selten im Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung. Montag um 19 Uhr war es soweit: Verkehrsplaner Uwe Wilma vom Büro Argus stellte den Entwurf eines Kreisverkehrs für die Kreuzung Randersweide/Nettelnburger Straße/Kampweg vor – der größte Wunsch der Nettelnburger.

Nettelnburger haben fünf Jahre gekämpft

Seit fünf Jahren haben sie für das Projekt gekämpft, fühlten sich oft von Bezirksamt und der Mehrheit der Bezirksversammlung verprellt. „Und jetzt wird alles genauso, wie wir es immer gefordert hatten. Danke!“, lobte der sonst für bissige Kommentare bekannte Robert Gruber (Linke) im Namen der Initiative „Nettelnburg verkehrsberuhigt“.

Kreisverkehr mit 28 Metern Durchmesser

Bleibt es bei den Dimensionen des Entwurfs, bekommt der Kreisel einen Durchmesser von 28 Metern plus 2,65 Meter Fußweg, erhält an drei seiner Einmündungen Fahrbahnteiler, vier Zebrastreifen und vor allem eine bepflanzte, nicht überfahrbare Mittelinsel mit elf Metern Durchmesser. Alles Details, von denen sich die Initiative eine Verlangsamung des Verkehrs sowie weniger Lärm erhofft – und damit letztlich weniger Autos, die von den Neubaugebieten am Schleusengraben durch ihre 100 Jahre alte Siedlung zur Autobahn 25 rollen.

„Heutige Kreuzung ist Relikt der 80er-Jahre“

Für Planer Uwe Wilma stand dagegen weniger das als die Umsetzbarkeit des Projektes im Vordergrund. Und da konnte er grünes Licht geben: „Die heutige Kreuzung ist ein Relikt der 80er-Jahre, als den Autos viel Platz und allen anderen Verkehrsteilnehmern kaum Raum gegeben wurde. So haben wir heute aber immerhin genug Platz, hier einen Kreisverkehr und nicht bloß einen Minikreisel zu bauen, wie 500 Meter weiter nördlich an den Glasbläserhöfen.“

Auch Radfahrer werden in Kreisel geleitet

Die größere Dimensionierung sei auch erforderlich, so Uwe Wilma, werde doch ein Anstieg um gut 1500 auf 10.700 Kfz pro Tag für die kommenden Jahre prognostiziert. „Diese und auch die vor dem Kreisel per Schutzstreifen auf die Straße geleiteten Radfahrer schafft die Konstruktion leicht. Der Kreisverkehr ist für bis zu 15.000 Kraftfahrzeuge ausgelegt und gilt in der Forschung auch für Radfahrer als sicherste Verkehrsführung.“

Finanzierung noch völlig unklar

Wann der Nettelnburger Traum aus Beton und Asphalt aber Wirklichkeit wird, steht noch in den Sternen. Von Tiefbauchef Lars Rosinski auf „mindestens eine Million Euro“ geschätzt, müsste er aus dem Programm zur Bergedorfer Straßenunterhaltung finanziert werden. Und das umfasst pro Jahr nur 1,1 Millionen Euro. Kann Rosinski also nicht noch einen anderen Topf beim Senat anzapfen, würden für Nettelnburgs Kreisel überall sonst im Bezirk die Schlaglöcher wachsen.

Heftiger Streit im Verkehrsausschuss

Ein Dilemma, das im Verkehrsausschuss bereits für heftigen Streit sorgte. Denn SPD, Grüne und FDP wollten dazu noch keinen Beschluss fassen. Begründung: Sie befinden sich noch immer in Koalitionsgesprächen, wollten deren nun für Januar angekündigtem Ergebnis keinen Beschluss über Millionen Euro im Straßenbau vorwegnehmen. „Das ist unanständig“, wetterte Robert Gruber. Und CDU-Verkehrsexperte Jörg Froh warf dem Koalitionstrio undemokratisches Verhalten vor: „Hinter verschlossenen Türen wird da irgendwas ausgeheckt, verzögert wichtige Beschlüsse und die Vergabe von Aufträgen. Das ist Politik auf Kosten des Zustands der Straßen Bergedorfs.“

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