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Bergedorfer wehren sich gegen Falschparker

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Christina Rückert
Schnell ein Foto gemacht und den Falschparker angezeigt: Immer mehr Bürger nutzen diese Möglichkeit.

Schnell ein Foto gemacht und den Falschparker angezeigt: Immer mehr Bürger nutzen diese Möglichkeit.

Foto: Foto: / Schubert

Immer mehr Bürger zeigen Parksünder an. Im Jahr 2019 waren es bis August bereits 27.000 - fast so viele wie im ganzen Jahr 2018.

Bergedorf. Da steht der Wagen halb auf dem Radstreifen, in der Einfahrt oder auf dem Gehweg – und alle anderen Verkehrsteilnehmer können sehen, wo sie bleiben. Wer sich früher mehr im Stillen über solch dreiste Falschparker beschwert hat, greift nun immer häufiger zum Handy, macht ein Foto – und zeigt den Autofahrer an.

Wie aus der Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Bürgerschaftsabgeordneten Martin Bill hervorgeht, wehren sich die Hamburger zunehmend gegen Parkverstöße und melden diese etwa bei der Bußgeldstelle oder der Polizei. 2018 waren es gut 28.000 Meldungen, bis Ende August 2019 schon 27.162 Anzeigen von Bürgern. Die daraus entstanden Knöllchen brachten der Stadt jeweils mehr als 600.000 Euro ein. Parkverstöße seien kein Kavaliersdelikt, meint Martin Bill: „Sie gefährden andere Verkehrsteilnehmende und behindern Rettungseinsätze.“

Eine Mail schreiben - fertig ist die Anzeige

Falschparker anzuzeigen, ist denkbar einfach: Per Mail können die Daten samt Foto einfach an die Bußgeldstelle im Einwohnerzentralamt gesendet werden. Zudem gibt es Apps privater Anbieter wie „Wegeheld“ oder „Knölli“. Laut Senatsantwort sind es nicht nur Privatpersonen, die diese Werkzeuge nutzen, sondern beispielsweise auch Mitarbeiter von Verkehrsbetrieben oder Serviceunternehmen.

Die Unterstützung ist der Polizei nicht unwillkommen. Im Gegenteil: „Wir finden das richtig gut“, sagt Bergedorfs Verkehrspolizeichef Axel Kleeberg. Denn im 154 Quadratkilometer großen Bezirk Bergedorf ist das Überwachen des Parkraums ohne Unterstützung kaum möglich. Die hiesige Polizei beschäftigt sechs Angestellte im Außendienst. Zudem schreiben die hamburgweit 95 Mitarbeiter des Landesbetriebs Verkehr Knöllchen – allerdings nur tage- und schichtweise in Bergedorf und dann auch nur im citynahen Bereich. Insgesamt sind das nicht genug Kräfte, um überall zugleich zu sein.

„Wir können nicht regelmäßig überall hinkommen“

„Wir als Polizei müssen immer Prioritäten setzen“, stellt Axel Kleeberg fest. Das heißt: Wo viel und oft falsch geparkt wird – also in den innerstädtischeren Bereichen – sind die offiziellen Knöllchenschreiber eher präsent. In den Randgebieten „bilden wir natürlich auch mal Schwerpunkte“, so der Verkehrspolizeichef. Doch für regelmäßige Kontrollen reicht es nicht: „Wir haben einfach nicht die Möglichkeit, immer überall hinzukommen.“

Dass Bürger Falschparker melden, wird deshalb gern gesehen. Zumal die Zeugen des Parkverstoßes in der Anzeige auch namentlich benannt werden und sich nicht hinter der Anonymität verstecken können. Für den Anzeigenden könne es außerdem „ein gutes Mittel sein, seinen Ärger direkt loszuwerden“, sagt Kleeberg.

FDP: „Kampf gegen Falschparker aufgegeben“

Für die Opposition ist die hohe Zahl der Bürger, die Falschparker melden, aber auch ein Politikum. „Eigentlich sollte es Aufgabe der Stadt sein, die Verstöße gegen Park- und Halteverbote zu ahnden“, meint der innenpolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Carl Jarchow. „Die stark gestiegene Zahl der Anzeigen beweist, dass Senator Grote den Kampf gegen Falschparker aufgegeben hat. Kein Wunder, wenn die Knöllchenschreiber vom Landesbetrieb Verkehr überwiegend einnahmeorientiert eingesetzt werden.“

So funktioniert das Melden von Falschparkern: Privatanzeigen können an anzeigenbussgeldstelle@eza.hamburg.de gerichtet werden. Mindestvoraussetzungen: Tatdatum mit Uhrzeit, der genaue Tatort (z. B. Straße und Hausnummer), das Kfz-Kennzeichen, die genaue Angabe des Vorwurfs, der eigene Name und Anschrift (für eventuelle Zeugenbefragung), ein Foto, das den Verstoß deutlich belegt. Das Kfz-Kennzeichen sollte klar erkennbar sein. Falls mehrere Anzeigen erstatten werden sollen, bitte keine Tabellen schicken, sondern je Anzeige ein separates Blatt mit einem zugeordneten Foto, sodass Irrtümer bei der Übertragung vermieden werden.

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