Bezirksversammlung

E-Scooter sollen auch nach Bergedorf

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Hamburg und Berlin sind E-Scooter-Hochburgen in Deutschland.

Hamburg und Berlin sind E-Scooter-Hochburgen in Deutschland.

Foto: Foto: Lime

Bergedorf. Bisher blieb Bergedorf von E-Scootern verschont. CDU und SPD wollen das jetzt ändern.

Bergedorf.  Viele Unfälle mit Verletzungen, häufige Regelverstöße, herumliegende Fahrzeuge – die Erfahrungen mit E-Scootern in Hamburg sind nicht gerade die besten (wir berichteten gestern). Dennoch beschlossen jetzt Bergedorfs Bezirkspolitiker von CDU und SPD, die elektrisch betriebenen Leihroller nach Bergedorf zu holen. Bezirksamtsleiter Arne Dornquast soll sich bei E-Scooter-Unternehmen wie Lime, Circ und Tier darum bemühen, so der Beschluss. Die Linken stimmten dagegen, Grüne und FDP enthielten sich der Stimme.

Gebiete ab 100.000 Einwohnern für Scooter-Firmen interessant

Die Chancen stehen nicht schlecht. „Wir sind immer an neuen Geschäftsgebieten interessiert, brauchen dafür aber die Lizenz von der Stadt“, sagt eine Circ-Sprecherin auf Anfrage. Und Tier-Sprecher David Krebs meint: „Grundsätzlich sind alle städtischen Gebiete ab 100.000 Einwohnern für uns interessant. Wir wollen aber behutsam und organisch wachsen und würden eine mögliche Ausweitung in enger Abstimmung mit der Stadt Hamburg und dem Bezirksamt Bergedorf vollziehen.“

„Sinnvolle Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs“

Für CDU-Verkehrspolitiker Julian Emrich wären E-Scooter „eine sinnvolle Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs in Bergedorf. Wir sollten das einfach mal ausprobieren. Natürlich müssen die Nutzer die Spielregeln einhalten. Das könnte ein Bezirklicher Ordnungsdienst überwachen.“ Fraktionskollege Jörg Froh ergänzt: „Wir haben in Bergedorf andere Verhältnisse als in Hamburgs City. Hier bei uns ist es nicht so eng, und für Fahrten vom Bahnhof in die Stadtteile kann so ein E-Scooter schon mal gut sein.“

„E-Scooter nicht pauschal verteufeln“

SPD-Verkehrsexperte Nils Springborn ist nach eigenen Worten „kein Fan“ von E-Scootern: „Aber ich will sie auch nicht pauschal verteufeln. An der einen oder anderen Stelle in Bergedorf kann man sie sicher gebrauchen. Ich setze auch darauf, dass die Betreiber in Hamburg erste Erfahrungen in dieser Saison gemacht haben, die sie bei uns dann anwenden können.“ Für Katja Kramer (SPD) ist Teilnahme am Verkehr immer gefährlich: „Wer Angst vor Unfällen hat, dürfte dann gar kein Fahrzeug führen. Ich werde so einen E-Scooter auf jeden Fall mal ausprobieren.“ Selbst Fraktionskollege Peter Gabriel (80) hätte dazu Lust: „Aber meine Frau meint, ich solle lieber die Finger davon lassen.“

Kinderarbeit und prekäre Beschäftigung

Robert Gruber (Linke) war schon im Verkehrsausschuss mit den E-Scootern ins Gericht gegangen: „Sie ersetzen keine Autofahrten, sondern nur Wege zu Fuß. Ihre giftigen Akkus werden von Kindern in Fernost zusammengebaut. Und die Leute, die abgestellte Roller wieder einsammeln, sind prekär beschäftigt, bekommen nur drei Euro für jeden Roller.“

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