Radfahrer

Velorouten: An 30 Stellen soll noch gebaut werden

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Wird demnächst verbreitert: die Veloroute 9 an der Kurt-A.-Körber-Chaussee

Wird demnächst verbreitert: die Veloroute 9 an der Kurt-A.-Körber-Chaussee

Foto: Hartung/

Bergedorf. Zuerst sollen 30 Stellen auf den Velorouten 8 und 9 bis 2021 umgebaut werden, erst dann folgt die Beschilderung.

Bergedorf. Hamburg möchte Fahrradstadt werden. Dazu hat sich der rot-grüne Senat ehrgeizige Ziele mit seinem Bündnis für den Radverkehr gemeinsam mit Behörden und Bezirken gesteckt, strebt 25 Prozent Radfahreranteil am Gesamtverkehr an – 2017 waren es erst 15 Prozent.

Dazu wurden 14 Velorouten im gesamten Stadtgebiet mit einer Gesamtlänge von 280 Kilometern konzipiert. Ausgehend vom Rathaus führen diese Strecken zu den wichtigen Punkten in allen Bezirken – auch nach Bergedorf mit den Velorouten 8 und 9. Bis zum Jahr 2021 will die Behörde für Verkehr, Wirtschaft und Innovation beide Strecken an insgesamt 30 Stellen ausbauen und verbessern. Doch das genügt manchem Bergedorfer nicht.

„Radfahrer genießen in Hamburg keine Priorität“

Zweimal hat sich die Bezirksversammlung bereits für eine bessere Beschilderung und Bewerbung der Velorouten 8 und 9 ausgesprochen und diesen Beschluss an die Verkehrsbehörde weitergeleitet. Ohne Erfolg: „Die Wegweisung soll zusammenhängend für das komplette Veloroutennetz voraussichtlich im Jahr 2021 realisiert werden“, lautete die behördliche Antwort.

CDU-Fraktionschef Sven Noetzel wettert: „Das zeigt: Fahrradfahrer genießen in Hamburg keine Priorität und sind unwichtig. Sonst würden die Schilder doch seit Wochen stehen.“

260 Maßnahmen auf 14 Velorouten

Auch Thomas Harden von der ADFC-Bezirksgruppe Bergedorf kritisiert die Prioritätensetzung: „Es wird schon etwas für die Radfahrer in Hamburg gemacht, aber in Bergedorf ist das gleich Null.“ Sein Beispiel: Die Veloroute 9 sei ja gar nicht schlecht, aber an einigen Stellen gehe es nicht weiter. So zum Beispiel am Unteren Landweg: Dort werden die Radler plötzlich über eine Treppe geführt.

Doch diese Lücken sollen bald geschlossen werden: Insgesamt plant die Verkehrsbehörde im gesamten Netz 260 Einzelmaßnahmen bis ins Jahr 2021 hinein. Allein bis zum Jahr 2020 sollen 80 Prozent des Hamburger Veloroutennetzes befahrbar sein. „Aktuell“, sagt Behördensprecher Christian Füldner, „sind 135 Kilometer aller Velorouten bereits fertig, bis zum nächsten Jahr haben wir weitere 135 Kilometer in Bau oder in der Bauvorbereitung.“

Im Bezirk Bergedorf sind 14 bauliche Verbesserungen auf der Veloroute 8 und 16 auf der Veloroute 9 entweder schon beendet, in Vorbereitung oder noch in der groben Planung. Die Veloroute 8 ist 18,6 Kilometer lang, startet am Rathaus, führt über Einkaufstraßen und Grünbereiche über die Stadtteile Borgfelde, Hamm, Billstedt zum Bergedorfer Bahnhof. Die Veloroute 9 ist 19 Kilometer lang und zieht sich durch Hammerbrook, Rothenburgsort, Moorfleet, Neuallermöhe bis zum Bergedorfer Bahnhof.

Veloroute 9: Qualitätsgewinn beim Chaussee-Umbau

Auf der Veloroute 8 sind die Arbeiten fortgeschritten. Beispielsweise wurde auf einem Kilometer im Bereich der Straße Am Langberg Mischverkehr, also die Zusammenführung des Rad- und des Autoverkehrs auf der Straße, eingerichtet. In Lohbrügge wiederum sollen noch an verschiedenen Stellen, etwa am Lohbrügger Markt, Radfahrstreifen eingerichtet werden.

Die prominenteste „Aufwertung“ der Veloroute 9 an insgesamt zehn Stellen steht unmittelbar bevor: Im Herbst wird die Kurt-A.-Körber-Chaussee umgebaut mit Fahrbahnverengung, weniger Parkplätzen, dafür aber im gesamten Verlauf mit breiteren Radwegen (von 1,50 auf 1,75 Meter) und mehr Schutz- und Radfahrstreifen.

Nur gute Qualität bewerben

Weshalb die aufgewerteten Abschnitte nicht gleich beschildert werden, erklärt Christian Füldner: „Vermarktung und Ausschilderung sind erst dann sinnvoll, wenn die Routen durchgängig befahrbar sind und eine gute Qualität aufweisen.“ Deswegen werde eine einheitliche Beschilderung aller 14 Strecken angestrebt, auch eine eigene Werbekampagne mit dem Titel „Fahr ein schöneres Hamburg“ soll gestartet werden – im Jahr 2021.

Auch diese Argumentation kann Sven Noetzel nicht besänftigen: „Der Senat propagiert Klimaschutz und neue Fahrradwege, versteckt diese Wege bis 2021 aber. Das hat doch keinen Sinn.“

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