Naturschutzgebiet

Dioxin in Boberg: Jetzt wird tiefer gebohrt

Das dioxinverseuchte Gelände ist eingezäunt, Hinweistaflen erklären die Lage.

Das dioxinverseuchte Gelände ist eingezäunt, Hinweistaflen erklären die Lage.

Foto: Thomas Voigt

Boberg. Spaziergänger in der Boberger Niederung müssen noch Monate oder gar Jahre einen Bogen um den gesperrten Streifen machen.

Boberg.  Die Fläche ist abgesperrt, seit Mitarbeiter der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie (BUE) hier im Oktober 2019 eine hohe Konzentration von Dioxin im Boden fanden und Alarm schlugen.

Bohrungen einen Meter tief

„Wir nehmen jetzt weitere Bodenproben, diesmal nicht in 60 Zentimeter, sondern in einem Meter Tiefe“, erklärt BSU-Sprecher Björn Marzahn auf Anfrage. Diese Arbeiten an mehreren Hundert Punkten auf dem Areal werden nach seinen Worten noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Laut Marzahn muss in jedem Fall ermittelt werden, wie tief die hochgiftige Substanz in den Boden eingedrungen ist. „Wenn wir in einem Meter Tiefe noch Dioxin finden, müssen wir in einem weiteren Arbeitsgang noch tiefer bohren – bis kein Dioxin mehr nachzuweisen ist.“ Erst dann könne endgültig entschieden werden, auf welche Weise das Gelände saniert wird. Zum einen können die Schadstoffe im Boden gelassen und die Fläche abgedeckt werden, oder aber das kontaminierte Erdreich wird abgetragen und vernichtet.

Sanierung frühestens in der zweiten Jahreshälfte

Nach den ersten Untersuchungen mit etwa 900 Proben muss zumindest eine Fläche von einem Hektar saniert werden. „Wenn sich tatsächlich in einem Meter Tiefe noch Dioxin findet, hätten wir es also mit mindestens 10.000 Kubikmetern verseuchter Erde zu tun“, rechnet Marzahn vor. „Das ist eine sehr große Menge.“ Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte, wenn die neuen Ergebnisse vorliegen, werden die Sanierungspläne gemacht. „Möglich ist auch eine Kombination beider Verfahren“, sagt der Sprecher. Dann würde eine obere, besonders schwer kontaminierte Schicht abgetragen, die Fläche darunter versiegelt.

Behörde sicher: Gift stammt von Boehringer

Die BUE ist nach wie vor davon überzeugt, dass die gefundenen Dioxine aus der Produktion des Pflanzenschutzmittels Lindan der früheren Firma Boehringer Ingelheim in Billbrook stammen. Ein „chemischer Fingerabdruck“ der gefundenen Substanzen weise darauf hin. Die Fabrik an der Andreas-Meyer-Straße wurde 1984 behördlich geschlossen, weil Mitarbeiter, Arbeitsräume und Umgebung mit Dioxin verseucht waren. „Über Boberg führen wir Gespräche mit Vertretern des Unternehmens, die viel Kooperationswillen zeigen“, erklärt Marzahn. Dem Vernehmen nach fordert Boehringer aber einen wissenschaftlichen Beweis seiner Urheberschaft.

Belastung übersteigt Grenzwert 24-fach

Die ersten Proben in Boberg ergaben eine exorbitante Dioxinkonzentration von 721 Mikrogramm pro Kilogramm Boden. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei einem Mikrogramm. Bei weiteren Proben war die Belastung mit maximal 24 Mikrogramm deutlich geringer.