Bleichertwiete

Wohnblock: Das neue Gesicht von Bergedorf-Süd

In der Bleichertwiete 12-16 entsteht dieser Block mit 30 Eigentumswohnungen.

In der Bleichertwiete 12-16 entsteht dieser Block mit 30 Eigentumswohnungen.

Foto: Project Real Estate

Bergedorf. Bald ist Schluss mit dem 50er-Jahre-Flair. In Bergedorf-Süd wird noch in diesem Jahr mit dem Bau eines modernen Wohnblocks begonnen.

Bergedorf. Rotklinkerbauten aus dem vergangenen Jahrhundert, überwiegend entstanden zwischen 1910 und 1960 – dieses altbekannte Gesicht des Stadtteils Bergedorf-Süd beginnt sich noch in diesem Jahr zu wandeln. An der Bleichertwiete 12 bis 16 plant der Nürnberger Investor „Project Real Estate AG“ einen viergeschossigen Wohnblock, beige und sandfarben, mit 30 Eigentumswohnungen.

„Wenn alles nach Plan verläuft, beginnen wir mit dem Abriss der Altbauten noch im März“, sagt „Project“-Sprecherin Doris Walter. „Baubeginn der Mehrfamilienhäuser soll dann nach Möglichkeit im kommenden Oktober sein.“

Quadratmeter zwischen 4800 und 5400 Euro

Das Vorhaben mit einem geschätzten Investitionsvolumen von sieben Millionen Euro sieht auf einer Gesamtwohnfläche von 2010 Quadratmetern Ein- bis Vierzimmerwohnungen zwischen 33 und 104 Quadratmetern Fläche vor. Gemäß dem gültigen Bebauungsplan ist das vierte Geschoss als Staffelgeschoss gestaltet, dort haben die Bewohner Balkone zur Straße hin.

Die Vermarktung der Wohnungen, die laut Investor über Echtholzparkett, Fußbodenheizung sowie Fliesen und Armaturen namhafter Hersteller verfügen, hat bereits begonnen. Die aufgerufenen Quadratmeterpreise liegen zwischen 4800 und 5400 Euro.

„Ein Schlag ins Gesicht für diese kleine Vorstadtstraße“

Die Stimmen zur neuen Gestaltung der Wohnbauten im Stadtteil sind unterschiedlich: „So eine massive Neubebauung ist ein Schlag ins Gesicht für diese kleine Vorstadtstraße“, sagt der Bergedorfer Denkmalschützer Dr. Geerd Dahms.

„Durch die mindestens doppelt so hohe und langgezogene, triste Fassade entsteht eine schluchtartige und bedrängende Situation. Städtebaulich ist das katastrophal, denn die jetzige Bebauung mit kleinen Einzelhäusern ist zwar nicht denkmalwürdig, aber ortsbildprägend und gehört daher hierher.“

Dahms nennt es bedauerlich, dass Hamburgs Senat nach wie vor auf die gedankenlose Verdichtung ganzer Stadtviertel setze. „Ergebnis ist die Zerstörung der kleinteiligen Bebauung in den Stadtteilen, die wie in der Bleichertwiete geprägt sind durch ein- und zweigeschossige Häuser. Dieser Block wird lieblos hingeklatscht.“

„Schöner als das Haus gegenüber“

Laut Julian Emrich (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses der Bezirksversammlung, ist gegen das Vorhaben nichts einzuwenden. „Es hält die Vorgaben des gültigen Bebauungsplans ein, daher wird sich der Bauausschuss damit auch nicht weiter befassen.“

Und: „Über Geschmack lässt sich streiten, ich persönlich kann mit diesem Entwurf gut leben. Mir gefällt dieses Haus eindeutig besser als der gegenüberliegende Block mit den Hausnummern 9 bis 11.“

Stadtteil ohne Gestaltungssatzung

Geerd Dahms hat in den vergangenen Jahren bei den Wohnungsneubauten in Bergedorf und ganz Hamburg einen „deutlichen Verlust an architektonischer Qualität“ ausgemacht. „Auch bei dem Plan für die Bleichertwiete sehe ich überwiegend glatte Fassaden, kaum Vor- oder Rücksprünge. Eine Gestaltungssatzung für Bergedorf-Süd könnte so etwas verhindern.“