Wohnhäuser

Neue Fassaden für besseren Brandschutz

Fassaden am Brüdtweg/Ulmenliet werden saniert, weil sie nicht den Vorschriften entsprechen.

Fassaden am Brüdtweg/Ulmenliet werden saniert, weil sie nicht den Vorschriften entsprechen.

Foto: Christina Rückert / BGZ / Christina Rückert

Das Gebäude ist kein Hochhaus per Definition. Die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille reagierte dennoch.

Lohbrügge.  Als am 14. Juni 2017 in London ein Hochhaus in Brand geriet und 71 Menschen in den Flammen starben, reagierten deutsche Eigentümer aufgeschreckt. Denn das Feuer hatte sich minutenschnell über eine wärmegedämmte, vorgehängte Fassade ausgebreitet; brennbare Materialien hatten dies offenbar begünstigt. Und obwohl es danach auch in Bergedorf umfangreiche Nachprüfungen an Fassaden von Hochhäusern über 22 Metern Höhe gab, zeigt das Londoner Feuer nun mitten in Lohbrügge eine späte Nachwirkung: Die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille lässt derzeit die Fassade der Wohngebäude am Brüdtweg 29-33 (sechs bis acht Geschosse, Baujahr 1967) sanieren. Grund: Die Dämmung aus Holzwolle-Leichtbauplatten entspreche nicht „aktuell gültigen Brandschutzanforderungen“, wie es heißt.

Londoner Brand gab Ausschlag

Das Wort „brennbar“ mag die Baugenossenschaft zwar nicht in den Mund nehmen. Doch räumt sie ein, dass der Londoner Brand Ausschlag gab, auch Gebäude, die per Definition kein Hochhaus sind, zu überprüfen: Wegen „verschiedener Ereignisse“ an Hochhäusern 2017 „haben wir bei allen unseren Häusern mit Vorhangfassaden freiwillig weitere tiefergehende Untersuchungen durchgeführt“, heißt es.

Zunächst nur Hochhäuser gecheckt

Tatsächlich waren mittelgroße Gebäude wie diese zunächst nicht zwangsläufig gecheckt worden. Der Fokus lag hamburgweit auf den schwierig zu evakuierenden Hochhäusern über 22 Metern. Und das, obwohl gerade bei etwas kleineren Gebäuden teils laxere Brandschutzbestimmungen gelten, sie also auch gefährdet sind, wie Brandexperten anmahnten. Manche Eigentümer rief das von allein auf den Plan, so wie die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille.

„Das regelmäßige Überprüfen und Sanieren ist ein normaler Vorgang“, sagt Vorstand Markus Tanne. „Aber natürlich wird nach solchen Ereignissen etwas intensiver geguckt.“

Neue Dämmung jetzt eingebaut

Für den eigenen Bestand kann er Entwarnung geben, Fälle wie in London habe es bei der Bergedorf-Bille nicht gegeben, alle Gebäude seien okay. Nur am Brüdtweg 29-33 wird nachgebessert. Dort ist die alte Wärmedämmung inzwischen entfernt, der Aufbau einer neuen Fassadenkonstruktion mit effizienterer Dämmung aus Mineralwolle hat begonnen. Die Dämmung an den benachbarten Hausnummern 35-37 (erbaut 1972) ist nicht brennbar und bleibt; auch hier wird aber eine neue Fassade davorgesetzt.

Saga überprüft regelmäßig

Wie es um andere höhere Gebäude im Bezirk steht, können in jedem Einzelfall nur die Eigentümer beantworten. Julia Hartenstein („Glunz“) sagt: „Unsere Gebäude sind okay“. Auch die Saga betont, die Überprüfung des Brandschutzes sei „Teil der regelhaften Verkehrssicherungsprüfung“. Gebe es Handlungsbedarf, werde dieser sofort veranlasst, so Sprecher Gunnar Gläser. London sei Anlass gewesen, alle Mitarbeiter „noch einmal besonders für das Thema Brandschutz zu sensibilisieren“.