Bücherhalle

Den Bestseller auf Papier kann kein E-Book verdrängen

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Lohbrügge. Bergedorfs Bücherhalle klagt über großen Platzmangel. Die Besucherzahlen sind stabil.

Lohbrügge.  Wie viele Medien und wie viele Leser sollten in einer Bücherhalle Platz haben? Diese Frage treibt Bergedorfs Bibliothekare nicht erst um, seit sie 2015 vom Kupferhof an die Alte Holstenstraße gezogen sind. Obwohl der Medienbestand um sechs Prozent reduziert wurde (auf 29.900), sind manche Bücher kaum aus den Regalen zu ziehen, weil alles so voll ist. „Zum Glück haben wir wieder 151.000 Besucher zählen können, sind uns viele neue Kunden lieb und teuer geworden“, sagt Bibliothekar Dietrich Becker.

Bald mit Veranstaltungsraum

War der 62-Jährige anfangs noch skeptisch, freut er sich jetzt auf den nächsten Umzug, der nahezu eine Verdopplung der Fläche auf 750 Quadratmeter verspricht: „Wenn wir 2020 ins neue Körberhaus einziehen, bekommen wir auch einen richtigen Veranstaltungsraum.“ Derzeit müssen Kindertheater, Lesungen, Bastelexperimente und die Trickfilmwerkstatt ins Untergeschoss ausweichen.

Roboter aus Zahnbürsten

Dass die Zahl der Ausleihen um zwölf Prozent auf 265.000 gesunken ist, liege allgemein im Trend: Die „Silberlinge“ wie CDs und DVDs werden von Streamingdiensten abgelöst, Sachliteratur vom Internetwissen. „Dafür sind wir aber mehr zum Treffpunkt geworden. 46 Schulklassen und 88 Kitas waren 2018 zu Besuch. Und immer mehr Jugendliche treffen sich bei uns, teilweise sitzen sie lesend auf dem Boden“, sagt Eva Jansen. Die Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste hat sich für den 17. August, wenn der 100. Geburtstag der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen gefeiert wird, etwas ausgedacht: „Wir wollen kleine Roboter basteln, aus Zahnbürsten und Vibrationsmotoren.“ Dabei ist Bergedorfs Bücherhalle schon 110 Jahre alt – noch getoppt von der in Finkenwerder, die im vergangen Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern konnte.

Biografien und E-Books en masse

„Wir sind der größte Kulturträger in Hamburg, kommen mit 4,73 Millionen Besuchern auf weit mehr als die Staatsoper“, sagt Becker stolz. Auch wenn das Gros noch Konsalik-Romane, Kochzeitschriften oder Utta-Danella-Schmöker ausleiht, so sei die neue Technik doch gut auf dem Vormarsch: 130.000 E-Books sind im Angebot, zudem lassen sich über die Homepage Zeitungsartikel recherchieren und Biografien: „Wir bieten also längst nicht nur Schwarzbrot an“, betont Becker. Zugleich aber freut er sich, dass Kinderbücher noch immer aus Papier sein dürfen: „Da ist die Haptik noch wichtig.“