Bergedorf

Wie Bergedorf das Erbe des Dritten Reichs abstreifte

70 Jahre Lichtwark-Heft Erstes Mitteilungsblatt nach dem Krieg erschien monatlich

Bergedorf.  . Es war der zarte Anfang einer Zeitschrift für Bergedorf: Vor 70 Jahren erschien die zweite Ausgabe des 16 DIN-A 4-Seiten dünnen Blättchens „Lichtwark Ausschuss“. Während in Hamburg noch viele Zeitungen deutscher Verleger durch die Alliierten verboten waren – auch die Bergedorfer Zeitung erschien erst am 1. Oktober 1949 wieder – war das kleine Heft einziges Mitteilungsheft im damaligen Ortsamtsbereich Bergedorf.

Die Zweitnummer nach der Premiere vom November 1948 legte im Januar 1949 die Basis für das monatliche Erscheinen. Verantwortlich war der Fachausschuss „Kunst, Kultur, Musik, Theater, Volksbildung und Heimatpflege“, der auf Anregung von Hamburgs Bürgermeister Max Brauer die Hansestadt geistig aus der dunklen Zeit des Dritten Reiches führen sollte.

Tatsächlich nutzten alle Bergedorfer Protagonisten das Blatt. Es finden sich regelmäßige Rubriken von Ortsamtsleiter Klaus Schaumann, Gewerkschaftschef Hein Möller, Kreishandwerksmeister Claus Nehls und Wilhelm Dietrichs, Glasfabrikant und Chef der Wirtschaftlichen Vereinigung.

Die Themen klingen erstaunlich vertraut: So geht es um den damals 60. Geburtstag der Luisenschule, ein Porträt der deutschen Gewerkschaftsbewegung rund um ein Foto des Bergedorfer SPD-Hauses an der Vierlandenstraße, um die Heimatsammlung als Vorläufer des Bergedorf-Museums sowie die Schwäne auf dem Schlossteich. Ortsamtsleiter Schaumann informiert darüber, dass das damals marode Gasthaus „Stadt Hamburg“ endlich neu belebt werden soll. Zudem kündigt er den Bau des Billtal-Stadions im Bergedorfer Gehölz und die Ausstellung der Heimatsammlung im Schloss an – sechs Jahre später wird es Sitz des dann gegründeten Museums, dessen Fundus die Sammlung bildet.

Interessant ist auch ein Blick auf die noch sehr zurückhaltend gestaltete Werbung. So sind in der Januar-Ausgabe des Heftes das Bergedorfer Eisenwerk, die Glasfabrik Hein & Dietrichs, die Kap-Asbest-Werke, die Hanseatische Motoren-Gesellschaft und die Kartonagenfabrik Max Armbruster vertreten. Ferner wünschen die beiden Kinos „Hansa Lichtspiel-Bühne“ und „Weltspiegel“ mit dem „Theater in Bergedorf“ vom Neuen Weg allen Lesern ein „Gutes neues Jahr 1949“.

In den folgenden Monaten wächst das Heft auf 24 Seiten. Die Anzeigen werden deutlich umfangreicher – dank Einzelhändlern wie Penndorf und Glunz. Ab Mitte 1950 reduziert sich das Erscheinen wieder auf ein- bis zweimal im Jahr, weil nun viele Zeitungen erlaubt sind. Das Heft gibt es bis heute. Es erscheint kurz vor Ostern als „Lichtwark-Heft“, jetzt herausgegeben vom Kultur- & Geschichtskontor.