Brücke

Das Nadelöhr am Oberen Landweg wird noch enger

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Jan Schubert

Foto: Jan Schubert

Nettelnburg. Wegen einer Baustelle: Radfahrer und Fußgänger teilen sich unter der Eisenbahnbrücke Oberer Landweg 1,40 Meter breiten Weg.

Nettelnburg.  Für Radfahrer war und ist diese Unterführung stets Nadelöhr und Ärgernis zugleich. Zwar existiert auf beiden Seiten unter der Eisenbahnbrücke am Oberen Landweg ein gemeinsamer Rad- und Fußweg, doch der ist jeweils extrem schmal mit 1,40 Metern Abstand vom Straßengeländer zur Brückenmauer. Für Autofahrer gibt es vier Spuren. Nun wurde wegen einer Stromstörung die Seite Richtung Bergedorf ab Wehrdeich bis zum Ausgang vor dem Commundo Hotel gesperrt.

Und das empört die Eltern vieler Kinder, die mit dem Fahrrad aus Nettelnburg oder Neuallermöhe nach Bergedorf fahren wollen, zum Beispiel zur Schule. Sabine Braun bringt ihre Wut auf den Punkt: „Das ist sowieso eine superbrisante Stelle. Wer vom Nettelnburger Landweg kommt, für den gibt es keine legale Möglichkeit, mit dem Fahrrad die Brücke zu unterqueren.“ Auf der Straße ist es verboten. Wer links in Richtung Bergedorf fährt, ist normalerweise auf der falschen Seite unterwegs und kann, wenn er erwischt wird, mit einem Bußgeld belegt werden.

Muss erst jemand verunglücken?

„Ich habe es schon erlebt, dass Mütter mit ihren Kinderwagen wieder zurückgehen mussten, wenn ihnen ein Radfahrer im Tunnel entgegen kam“, beobachtete Dorothea Orlowski skurrile Szenen. Sie ist selbst fünffache Mutter und findet besonders eine Stelle unübersichtlich: „Wenn man in Richtung Nettelnburg herauskommt aus dem Tunnel, kann man in der Kurve mit jemandem zusammenknallen.“

So weit möchte es Sabine Braun nicht kommen lassen. „Es ist Schuljahresanfang und es gibt einfach keinen anderen Weg für die Kinder. Also sollte hier ganz schnell etwas geschehen, bevor das erste Kind verunglückt“, sagt die Frau, die eine 18-jährige Tochter hat. Braun ist selbst täglich mit dem Rad unterwegs und meldete sich nach ihrer Baustellenentdeckung bei der Straßenverkehrsbehörde der Polizei Bergedorf. Sie forderte, eine der Fahrbahnen für Autofahrer während der Bauarbeiten für Radfahrer und Fußgänger zur Verfügung zu stellen.

Befahrbar – aber bitte schieben

Doch von den Beamten bekam sie nur zu hören, dass eine Sperrung „nur für Radfahrer“ nicht in Frage komme. Der vorhandene Radweg sei beidseitig befahrbar, jedoch müssten, wenn sich zwei Radler entgegenkommen, die Räder geschoben werden.

Vor einem Jahr beauftragte die Bergedorfer Politik die Verwaltung, an der Eisenbahnbrücke für die Variante „aus vier mach drei plus zwei“ – also die Reduzierung auf drei Pkw-Spuren sowie Radstreifen in jede Richtung – bei der Wirtschaftsbehörde Mittel einzuwerben. Doch das wird erstmal nichts: „Solange das Verkehrskonzept für Oberbillwerder nicht steht und unklar ist, wie sich das auf die Verkehrsflüsse unter der Eisenbahnbrücke auswirkt, wird am Oberen Landweg kein Geld investiert“, sagt Reinhold Reumann von den Bergedorfer Grünen.

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