Grenzwerte überschritten

Nein zu Luftmess-Container: Rechnen präziser als Messen?

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Thomas Voigt
An der Bergedorfer Straße überschreiten die Stickstoffdioxyd-Werte regelmäßig den Grenzwert.

An der Bergedorfer Straße überschreiten die Stickstoffdioxyd-Werte regelmäßig den Grenzwert.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. Um die Luftbelastung für Bergedorf zu bestimmen, baut die Umweltbehörde lieber auf Berechnungen als auf örtliche Messwerte.

Bergedorf.  Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses deutlich. Dort referierte Ines Bewersdorff-Behrens von der Umweltbehörde (BUE) auch über das Aus für die Erhebung von Stickstoffdioxid-Werten (NO2) durch zwei Passivsammler an der Bergedorfer Straße und am Herzog-Carl-Friedrich-Platz.

Emissionsarme Busse sollen die Lösung sein

Die Passivsammler-Messungen zwischen Oktober 2015 und Mai 2017 hatten in der City an der Bergedorfer Straße dauerhaft höhere NO2-Werte als der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter ergeben. Die Mittelwerte lagen zwischen 44 und 45 Mikrogramm. „Wenn aber im Jahr 2020 sämtliche dort verkehrenden VHH-Busse emissionsarme Modelle nach Euro-6-Norm sind, haben wir schon mal 2,1 Mikrogramm weniger“, prognostizierte Referentin Bewersdorff-Behrens.

Behörde „modelliert“ die Luftbelastung für Bergedorf

Treffsicherer als die technisch recht simplen Passivsammler nannte die BUE-Frau die für Bergedorf angewandte Methode der „Modellierung“. Dabei rechnet die Behörde in Barmbek und Altona ermittelte Werte für Bergedorf hoch, „bestimmt“ die Belastung für einzelne Straßen durch Einbeziehung der Verkehrsbelastung, Breite und Bebauungshöhe. Laut Bewersdorff-Behrens ist das genauer als die Passivsammler-Messungen mit bis zu 30 Prozent Fehlerquote. Für den Bereich der Bergedorfer Straße errechnet die BUE aktuell einen Mittelwert von 40,5 Mikrogramm NO2: „Mit der emissionsarmen Nachrüstung der VHH-Busse gelangen wir also unter den Grenzwert von 40 Mikrogramm.“

„Datenlage absolut unzureichend“

Politiker aller Fraktionen mochten diese Begeisterung nicht recht teilen. „Die Datenlage ist absolut unzureichend“, kritisierte Lutz Jobs von den Linken. „Wir brauchen hier in Bergedorf dringend eine eigene Luftmessstation. Schließlich ist der Bezirk auch von den Emissionen der Schifffahrt im Hafen beeinträchtigt, da wir meist Westwind haben.“

15 Messstationen in Hamburg - aber nicht in Bergedorf

Hohe Werte hatte ein Messcontainer in den 1990er-Jahren an der Vierlandenstraße verzeichnet. Matthias Zaum (CDU) erinnerte an einen Container in Tatenberg. „Der hat Mittelwerte von 17 Mikrogramm angezeigt und wurde entfernt, als er über 30 Jahre alt war“, erklärte die Referentin. Warum heute keine der 15 Hamburger Messstationen mehr im Bezirk Bergedorf steht, konnte sie den Politikern nicht plausibel machen.

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