Ladenhüter

Kaum einer kauft noch gebrauchte Diesel-Pkw

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Voigt
Abgasuntersuchung bei einem Diesel: Manipulierte Messungen haben den Selbstzünder in Verruf gebracht.

Abgasuntersuchung bei einem Diesel: Manipulierte Messungen haben den Selbstzünder in Verruf gebracht.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Bergedorf. Wegen drohender Fahrverbote liegt die Nachfrage nach gebrauchten Diesel-Autos bei Null. Händler sind verzweifelt.

Bergedorf.  „Gebrauchte Diesel-Pkw stehen wie Blei auf den Höfen der Autohändler“, sagt ohne Umschweife Sven Michael, Chef des gleichnamigen Autohauses am Neuen Weg. „Die Nachfrage geht gegen Null, seit für Dieselautos Fahrverbote drohen. Nur der eine oder andere Vielfahrer fragt nochmal vorsichtig nach einem Dieselauto, und Leute, die Lasten wie Pferdeanhänger zu transportieren haben.“ Ansonsten ist Sven Michael darauf angewiesen, dass Zwischenhändler seine in Zahlung genommenen Diesel-Pkw ankaufen und ins Ausland weiterverkaufen. „Das geht dann natürlich zu Lasten des erzielten Restwertes für den Kunden.“

Auch wer unschuldig ist, wird bestraft

„Die Diesel-Krise hört einfach nicht auf“, ärgert sich auch Heinz Preiß, Chef des Glinder Volvo-Autohauses Auto Nova, seit 1973 Volvo-Händler und seit Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender der deutschen Händlervereinigung von Volvo. „Es geht ja nicht mehr nur um Euro-5-Diesel, es geht um den Diesel insgesamt.“ Natürlich sei es dramatisch, wenn Hersteller betrügen würden. Aber ein Großteil habe sich an geltende Gesetze gehalten – und würde dennoch jetzt bestraft.

Ein Diesel steht im Schnitt 102 Tage auf dem Hof

Manch gebrauchter Diesel steht länger als ein Jahr auf dem Hof eines Händlers – und kostet ihn täglich 26 Euro. Das hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) errechnet. Nach diesen Angaben liegt die durchschnittliche Standzeit für einen Diesel bundesweit inzwischen bei 102 Tagen, für einen Benziner bei 88. Dass VW-Autohäuser besonders unter dem Diesel-Boykott des Verbrauchers zu leiden haben, ist in der Branche ein offenes Geheimnis. Ein großes Hamburger VW-Autohaus hat seinen Mitarbeitern im vergangenen Jahr erstmals seit Jahrzehnten kein Weihnachtsgeld gezahlt, ein anderer VW-Händler mit Filialen in Ostfriesland und Westfalen ging Anfang diesen Jahres insolvent.

„Allein die Politik ist schuld“

Für Volvo-Händler Preiß in Glinde ist kein Hersteller, sondern allein die Politik schuld an dem Diesel-Dilemma. „Für all diese Diesel-Fahrzeuge, die das Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen und der Kunde vertrauensvoll bezahlt hat, drohen unsere Politiker jetzt Fahrverbote an. Das ist der eigentliche Skandal. Die Tragödie steht auf den Höfen der Händler.“

Jeder fünfte Autohändler nimt keinen gebrauchten Diesel mehr an

Nach einer aktuellen DAT-Umfrage nimmt mehr als jeder fünfte Autohändler in Deutschland überhaupt keine Diesel-Gebrauchtwagen mehr in Zahlung. 57 Prozent der befragten Händler geben deutlichere Nachlässe auch auf Diesel-Neuwagen, und 61 Prozent bilden Rücklagen für drohende Verluste. Laut DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann haben die Händler derzeit keine Chance, bei der Vermarktung von Diesel-Gebrauchtfahrzeugen auch nur ihre Kosten zu decken: „Sie werden auf Unterstützungsleistungen von ihren Herstellern und Importeuren angewiesen sein, um nicht in eine wirtschaftliche Schieflage zu geraten.“

CO2-Gehalt in der Luft steigt schon wieder

Heinz Preiß beklagt auch eine ökologische Folge der Diesel-Krise: „Weil wieder mehr Leute Benziner fahren, ist der CO2-Gehalt der Luft in den Städten wieder gestiegen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf