Gute Inklusion

GSB-Schüler: Fahrstuhl ist ein „absolutes Muss“

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Anne K. Strickstrock
GSB-Schulleiter Thimo Witting will sich auf dem offiziellen Dienstweg um einen Aufzug für das „gelbe Haus““ bemühen.

GSB-Schulleiter Thimo Witting will sich auf dem offiziellen Dienstweg um einen Aufzug für das „gelbe Haus““ bemühen.

Foto: BGZ / Anne Strickstrock

Stadtteilschule GSB Schüler würden notfalls auf Lehrmaterial verzichten, damit ein Aufzug angebaut wird.

Bergedorf.  Sie können es kaum fassen: Da spendiert Hamburgs Schulbehörde 5,7 Millionen Euro, um das Gelbe Haus der Stadtteilschule GSB komplett entkernen und schadstoffsanieren zu können – samt neuem Flachdach und selbst schließenden Feuerschutztüren – doch es fehlt ein Aufzug in dem dreigeschossigen Gebäude. Dabei werden auf einer Grundfläche von knapp 1500 Quadratmetern 21 Schulklassen untergebracht. Bekanntlich ist die GSB sogar Schwerpunktschule für Kinder mit Körperbehinderung.

Der Aufzug würde 200 000 Euro kosten

Jetzt wird der Ärger der Schülervertreter laut: „Der Senat hat doch die Inklusion beschlossen. Da kann es nicht sein, dass gehandicapte Mitschüler im Erdgeschoss bleiben müssen“, sagt Schülersprecher Cornelius Gutenmorgen (18). Der Aufzug koste 200 000 Euro und sei „ein absolutes Muss“. Zudem verfolge man ja das Konzept der Jahrgangsetagen, wäre also schade, wenn da ein Jahrgang mit Rollstuhlfahrer nicht entsprechend wechseln könnte.

Schulkonferenz wies auf Notwendigkeit hin

In der Tat liegt schon eine Planung vor, um außen einen Fahrstuhl anzubringen, allein: Sie wurde bislang nicht umgesetzt. Dabei wird das Haus schon im Sommer fertig sein. Bereits vor zwei Jahren hatte die Schulkonferenz auf die Notwendigkeit hingewiesen – im Notfall würden die Schüler sogar auf Bücher und anderes Lernmaterial verzichten, betont die Schülervertretung.

„Fit für die nächsten 40 Jahre“

„Ich bemühe mich gerade auf dem Dienstweg um die Finanzierung des Fahrstuhls“, sagt Schulleiter Thimo Witting, der seine Schule schließlich „fit für die nächsten 40 Jahre“ ausstatten will – und sich über die Volksinitiative „Gute Inklusion“ freut: „Da gibt es nun auch Gelder für entsprechende Umbauten“, hofft er. Witting ist zuversichtlich, schließlich hat er gerade mit Hebekran für den fünften Jahrgang eine Toilette einbauen lassen können.

Behörde prüft Verbesserungen in Bestandsgebäuden

Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde, verweist auf das Ende 2017 von der Bürgerschaft beschlossene Maßnahmenpaket mit der Volksinitiative: „In den nächsten zehn Jahren sollen rund 100 Millionen Euro allein in den Ausbau barrierefreier Schulen investiert werden, davon mindestens 35 Millionen Euro für Verbesserungen in Bestandsgebäuden.“ Derzeit jedoch liefen noch die Prüfungen: „Wir rechnen im Laufe des Frühjahrs mit Ergebnissen.“

„Es gibt barrierefreie Klassenräume“

Von Selbstverständlichkeiten scheint aber keine Rede: Die GSB habe bereits vier Aufzüge. „Wir erwarten, dass sie – wie andere Schulen auch – Kinder mit einer Behinderung in den Klassenräumen unterrichtet, die barrierefrei erreichbar sind“, sagt Albrecht und rügt einen (zu) hohen Anspruch: „Die Stadtteilschule verlangt bei Baumaßnahmen stets Bevorzugungen und hat doch schon die teuerste Mensa und die teuerste Sporthalle.“

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