Wohnungsbau

Parkplatznot: Wo stellen die Neu-Bergedorfer ihre Autos ab?

| Lesedauer: 4 Minuten
Ulf-Peter Busse
Der Abschlepper im Einsatz am Reetwerder: Künftig Alltag in ganz Bergedorf?

Der Abschlepper im Einsatz am Reetwerder: Künftig Alltag in ganz Bergedorf?

Foto: Thomas Voigt / BGZ

Bergedorf. Baudezernent Uwe Czaplenski sieht Stellplatz-Problem als „größte Aufgabe der nächsten zehn Jahre“.

Bergedorf.  . Es ist nur ein zusätzlicher Komplex mit 81 Wohnungen, idyllisch am Schleusengraben gelegen, gleich hinter Opel Dello. Doch diese geplante Erweiterung des Neubaugebietes Glasbläserhöfe befeuert die Diskussionen um die Verkehrsentwicklung.

CDU: B-Pläne für Wohnungsbau bis zum fertigen Verkehrskonzept auf Eis legen

Im Stadtentwicklungsausschuss stimmte die CDU jetzt gegen die Änderung des Bebauungsplans, will sie auf Eis gelegt sehen: „Es kann nicht sein, dass wir entlang des Weidenbaumswegs munter weiter Wohnungen genehmigen, obwohl die Folgen für den Straßenverkehr noch immer nicht geklärt sind. Allein in den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Fahrzeuge hier von 12 000 auf 19 000 pro Tag gestiegen“, warnte Fraktionschef Sven Noetzel und erinnerte an den Planungsstopp für den Wohnungsbau auf dem kaum 100 Meter entfernten Stuhlrohrquartier. „Dort laufen die Vorbereitungen zum Bürgerentscheid, der neben der Reduzierung der geplanten 1100 Wohnungen explizit auch ein Verkehrskonzept fordert, bevor weiter geplant wird. Da kann nebenan nicht einfach genehmigt werden.“

Glasbläserhöfe: Neustes Projekt soll nur 39 Stellplätze für 81 Wohnungen haben

Tatsächlich verschärft der neue Wohnblock in den Glasbläserhöfen die Parkplatzprobleme weiter. Denn seinen erwartet knapp 200 Bewohnern stehen in der Tiefgarage nur 39 Stellplätzen zur Verfügung. Weitere 16 gibt es vor der Haustür für Besucher. „Realistisch ist das alles nicht“, kommentierte Helmuth Sturmhoebel von den Linken, der „mindestens 1,3 Stellplätze je Wohnung“ , also gut 100 insgesamt als tatsächlichen Bedarf errechnet hat. Sonst würde die Umgebung zugeparkt.

Baudezernent: „Brauchen völlig neue Ideen, um Parkplatzproblem zu lösen“

Ein erheblicher Mangel, den auch Bergedorfs Baudezernent Uwe Czaplenski sieht: „Das Thema ruhender Verkehr wird die große Aufgabe der nächsten zehn Jahre – ganz besonders in Bergedorf“, sagte er im Stadtentwicklungsausschuss. „Wir brauchen völlig neue Ideen, um dieses Problem zu lösen, sonst wird Wohnen für viele Menschen unbezahlbar“, lenkte er den Blick auf das Zentrum des Bezirks Eimsbüttel, wo er vor seinem
Wechsel nach Bergedorf stellvertretender Baudezernent war.

Eimsbüttel: Tiefgarage unter den Marktplatz gebaut

„Dort haben Investoren auf den Stellplatzmangel mit Tiefgaragen von je 300 Plätzen unter einem Markt- und einem Sportplatz reagiert. Die sind gut gebucht, kosten aber 120 bis 150 Euro pro Monat. Jeder Stellplatz, den wir zusätzlich in Neubauprojekten vorschreiben, schlägt mit 25 000 Euro Baukosten zu Buche. Das schraubt auch die Mieten stark nach oben.“

Bergedorfer EU-Projekt „My smart Life“ soll Vorschläge bringen

Lösungen erhofft sich Czaplenski vom EU-Projekt „My smart Life“, das seit fast einem Jahr in Bergedorf läuft und Konzepte für die Reduzierung des Individualverkehrs etwa durch besseren ÖPNV, Car-Sharing und mehr Radverkehr erarbeitet. Zudem sei das lange erwartete verkehrstechnische Gutachten des Bezirks für die Schleusengrabenregion kurz vor der Fertigstellung. „Im März können wir Details vorstellen“, kündigt der Baudezernent ein digitales Rechenmodell an. Es soll anhand der Zahl geplanter Wohnungen und Stellplätzen die Verkehrsentwicklung an den Kreuzungen in Bergedorfs City simulieren können.

Neue Pläne für die Stau-Kreuzung Weidenbaumsweg / Sander Damm

„Wir werden die angespannte Situation auf den Straßen zwar nicht ganz zurückdrehen können. Eine spürbare Entlastung ist aber möglich“, wagt Uwe Czaplenski eine Prognose. So soll etwa an der Kreuzung Weidenbaumsweg/Sander Damm eine verbesserte Ampelschaltung samt aufgeweiteter Abbiegespuren Entlastung bringen.

SPD sieht zusätzlichen Wohnblock in den Glasbläserhöfen als unproblematisch

Ob das ausreicht, wurde im Stadtentwicklungsausschuss nicht diskutiert. Beschlossen hat das Gremium aber die Fortsetzung des Planungsprozesses für die 81 zusätzlichen Wohnungen in den Glasbläserhöfen – trotz Gegenstimmen der CDU. Begründung von Werner Omniczynski (SPD): „Dieser zusätzliche Block schafft wichtigen Wohnraum und wird den Verkehr in der Schleusengrabenregion nicht zum Erliegen bringen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf