Neue Karten

Lärmschutz nur an Hauptstraßen

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Christina Rückert
Die A25 (Mitte) ist eine Lärmschneise im Bezirk.

Die A25 (Mitte) ist eine Lärmschneise im Bezirk.

Foto: volska / BGZ

Bergedorf. Die neu erstellten Lärmkarten zeigen die Belastung im Bezirk – um den Lärmaktionsplan erneuern zu können.

Bergedorf.  Das Flugzeug, das dröhnend über die Köpfe fliegt. Die ratternde Bahn. Oder die Tausenden Autos vorm Fenster. 362 000 Hamburger sind von dauerhaftem Umgebungslärm über 55 Dezibel (dB) betroffen. Das geht aus den neuen Lärmkarten hervor, die die Stadt Hamburg jetzt vorgelegt hat. Errechnet wurden Schienen-, Flugzeug-, Straßenverkehrs- und Gewerbelärm jeweils tags und nachts. Und die neue Bestandsaufnahme zeigt: Auch im Bezirk Bergedorf gibt es Straßen, in denen die Lärmbelastung über 75 Dezibel liegt – einzusehen für alle Bürger unter www.hamburg.de/laermkarten.

Werte werden aus verschiedenen Daten errrechnet

Wer sich Aufschluss über seine kleine Wohnstraße erhofft, wird jedoch enttäuscht: Das Verfahren, bei dem Daten wie Verkehrsmengen, Asphaltqualität oder Tempolimits zusammengerechnet werden, wird nur an Hauptverkehrsstraßen angewandt. Denn nur für sie (ab 8000 KfZ pro Tag) gibt es dazu die rechtliche Verpflichtung.

Kurios auch: Schienenverkehrslärm gibt es laut Lärmkarte in Bergedorf gar nicht. Denn Hamburg hat nur seinen eigenen Schienennahverkehr gemessen und die Deutsche Bahn zunächst außen vor gelassen. Dabei liegen diese Daten des Eisenbahnbundesamtes vor (www.eba.bund.de) – und zeigen wenig Überraschendes: Entlang der Bergedorfer Trasse liegt die Belastung zwischen 55 und 65 dB.

Probleme hauptsächlich an den Hauptstraßen

Beim Straßenlärm konzentrieren sich die Probleme in Bergedorf auf die Hauptausfallstraßen. Werte von mehr als 55 Dezibel – dies entspricht noch eher moderaten Geräuschen wie Kühlschrankbrummen – werden etwa in den Wohngebieten abseits des Reinbeker Redders gezählt. 70 bis 75 Dezibel – vergleichbar mit einer Waschmaschine im Schleudergang – werden unter anderem direkt am Reinbeker Redder, am Sander Damm, an der Habermannstraße/Binnenfeldredder oder der Hans-Duncker-Straße erreicht. Sogar mehr als 75 dB sind es an den Autobahnen, an der B 5 oder im Gewerbegebiet Allermöhe.

Immerhin 24 900 Hamburger sind hamburgweit einem Straßenlärm zwischen 70 und 75 dB ausgesetzt, weitere 300 sogar von über 75 dB. Insgesamt sind dies zwar weniger Menschen als in den vorangegangenen Lärmkarten, jedoch liege dies an veränderten Ausgangsdaten etwa beim Datenschutz, relativiert die Behörde.

Alle fünf Jahre wird der Lärmaktionsplan vervollständigt

Die Daten werden verwendet, um den Lärmaktionsplan 2018 vervollständigen zu können – eine EU-Vorgabe alle fünf Jahre. In dem Aktionsplan wird aufgelistet, was gegen den Lärm getan werden kann. Das sind etwa Maßnahmen wie lärmarmer Asphalt oder Tempo 30 nachts. Geplant ist dies auch auf der B5 rund um dem Mohnhof – nach neuestem Stand „noch dieses Jahr oder Anfang 2018“.

Behörden und Bezirksämter beraten 2018 über die Fortschreibung des Lärmaktionsplans. Im ersten Quartal soll es dazu auch eine Online-Bürgerbeteiligung geben.

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