Hinter ehemaligem Finanzamt

35-Euro-Strafzettel auf beliebtem Parkplatz

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulf-Peter Busse
Der Lohbrügger Christian Schmidt zeigt den Strafzettel über 35 Euro, den er auf dem Parkplatz hinter dem dem ehemaligen Finanzamt am Ludwig-Rosenberg-Ring bekam, in dem seit Juni das Job-Center sitzt.

Der Lohbrügger Christian Schmidt zeigt den Strafzettel über 35 Euro, den er auf dem Parkplatz hinter dem dem ehemaligen Finanzamt am Ludwig-Rosenberg-Ring bekam, in dem seit Juni das Job-Center sitzt.

Foto: Ulf-Peter Busse / BGZ

Lohbrügge. Der Eigentümer greift gegen Parksünder rigoros durch – auf Wunsch des Job-Centers als neuem Mieter.

Lohbrügge.  . „Herzlich willkommen!“ steht unübersehbar auf riesigen blauen Schildern am Parkplatz hinter dem ehemaligen Finanzamt. Doch seit im Juni hier Bergedorfs Job-Center einzog ist diese Gastfreundschaft beendet.

Lohbrügger schockiert über plötzlichen Strafzettel-Hagel

„Ich bin schockiert“, sagt der Lohbrügger Christian Schmidt, der sein Auto bei Besuchen in Bergedorfs Innenstadt immer gern auf einem der gut 40 Stellplätze hinter dem Gebäude abgestellt hat, natürlich nur nach dem dortigen Dienstschluss oder an Wochenenden. „Als ich kürzlich mit meiner Frau vom besinnlichen Wochenausklang in der Kirche St. Petri und Pauli zum Wagen kam, steckte eine gelbe Zahlungsaufforderung über 35 Euro hinter dem Scheibenwischer.“

Warnung im Kleingedruckten auf den riesigen Parkplatz-Schildern

Eine böse Überraschung, die viele Bergedorf-Besucher erlebt haben. Gestern klebten unter dem „Willkommen“ ausgedruckte Zettel mit der Warnung: „Hier nicht parken. Sie werden mit 35 Euro abgezockt!“. Und tatsächlich wird im Kleingedruckten auf den mächtigen blauen Schildern auf die Kosten eines „Parkverstoßes“ hingewiesen: 35 Euro, wenn ein Mitarbeiter des Parkraummanagements der Firma Park & Control PAC GmbH aus Stuttgart einen Sünder erwischt. „Und die Aufsicht kommt scheinbar fast im Stundentakt, sogar abends und am Wochenende“, weiß Christian Schmidt von anderen Lohbrüggern.

Für 55 Euro können die Stellflächen auch gemietet werden

Doch die Strafe kann umgangen werden – wenn man einen der Parkplätze für 55 Euro pro Monat mietet. Auch darüber informiert das Kleingedruckte auf den Schildern, an der einzigen Zufahrt von der Wilhelm-Bergner-Straße.

„Freies Parken wurden vom Finanzamt nur toleriert, erlaubt war es nie“

„Das freie Parken war hier nie erlaubt. Es wurde vom Finanzamt nur toleriert“, betont Ralf Dibbern, Sprecher des Gebäude-Eigentümers alstria aus der Hamburger Neustadt. „Es tut uns leid, dass jetzt so viele Bergedorfer mit einer Strafe belegt werden. Aber das Job-Center hat sich als neuer Mieter des Hauses ausgebeten, dass der Parkplatz bevorzugt seinen Mitarbeitern für private Anmietungen zur Verfügung steht. Deshalb haben wir das Parkraummanagement gebeten, gegen Falschparker durchzugreifen.“

Nur 13 der 40 Plätze sind mit Mietern belegt

Tatsächlich bleibt so aber die Mehrheit der Stellflächen zumindest bisher dauerhaft verwaist. Gestern waren nur 13 der über 40 Plätze mit Fahrzeugen offizieller Mieter belegt. Das ist Ralf Dibbern bekannt, aber: „Die Behörde hat noch nicht signalisiert, ob bereits alle Mitarbeiter gefragt wurden. Erst wenn das geschehen ist, werden wir auch an andere Anlieger vermieten.“

Parkuhren oder Schranke kann es nicht geben

Eine Bewirtschaftung der freien Stellplätze etwa über Parkuhren – wie es sich auch Christian Schmidt wünscht – wird es trotzdem nicht geben: „Das ist auf einer privaten Fläche rechtlich gar nicht möglich“, sagt Dibbern. Gleiches gilt für das Aufstellen einer Schranke, um Falschparker vor den 35 Euro zu schützen: „Es gibt ein Überfahrtsrecht des Sanitätshauses Grotjahn, das hinter seinem Haus einige Kundenparkplätze unterhält.“

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