Zweirad-Leichtsinn

Die meisten radeln ohne Schutzhelm

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Die Zählung in Bergedorfs City ergab: Nur gut 12 Prozent der Bergedorfer haben beim Radfahren einen Schutzhelm auf. Nur bei Kindern hat sich der Kopfschutz schon breit durchgesetzt.

Die Zählung in Bergedorfs City ergab: Nur gut 12 Prozent der Bergedorfer haben beim Radfahren einen Schutzhelm auf. Nur bei Kindern hat sich der Kopfschutz schon breit durchgesetzt.

Foto: bz

Bergedorf. Polizei, Versicherungen und Ärzte beklagen: Die meisten Radfahrer fahren ohne Helm. Wie überall in Europa gibt es keine Helmpflicht.

Bergedorf.  Pfingstsonntag kurz nach 17 Uhr an der Aral-Tankstelle Curslacker Neuer Deich: Ein Ford Focus-Fahrer übersieht einen Radler, kracht mit ihm zusammen. Der 42-Jährige stürzt auf die Motorhaube, zerschmettert die Windschutzscheibe – und wird nur leicht verletzt. Sein Helm hat ihn geschützt. Der ist jetzt hinüber.

Selbstverständlich wie auf dem Motorrad

„Ein Fahrradhelm sollte ebenso selbstverständlich sein wie der Helm auf dem Motorrad oder der Gurt im Auto“, fordert Polizeisprecher Rene Schönhardt. Der Helm könne 90 Prozent aller Kopfverletzungen verhindern oder mindern. „Gerade im Großstadtverkehr sollten Radler ihn unbedingt aufsetzen“, so seine dringende Empfehlung. „Viele Eltern verlangen das von ihren Kindern, ziehen selbst aber keinen Helm auf. Dabei haben Erwachsene doch eine Vorbildfunktion.“

Nur zwölf Prozent fahren „oben mit“

Auch die meisten Bergedorfer strampeln unbehelmt. Eine Zählung unserer Redaktion in der Innenstadt ergab: Nur etwa zwölf Prozent sind mit Helm unterwegs. Von 56 Radfahrern, die im Zeitraum von 45 Minuten vorbeifuhren, trugen nur sieben einen Helm. Das deckt sich ungefähr mit den Zahlen des Bundesverkehrsministeriums. Allerdings: Bei den Sechs- bis Zehnjährigen radeln drei Viertel mit Helm. Je höher das Alter, desto geringer die Helmquote.

Pflicht macht Fahrrad weniger attraktiv

Die Steuerfachangestellte Britta Schröder kann das nicht verstehen: „Ich fühle mich unsicher und richtig nackt ohne Helm.“ Auch ihre Tochter Helena (11) sieht das so: „Sicherheit geht vor Schönheit“, sind sie beide einig. Der ADFC aber lehnt eine Helmpflicht ab. „Eine Pflicht würde viele vom Radfahren abhalten“, fürchtet Dr. Reinhold Reumann, Sprecher in Bergedorf: „Je mehr Fahrräder rollen, je selbstverständlicher sie im Straßenverkehr sind, desto sicherer wird das Fahrradfahren. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er sich mit oder ohne Helm sicherer fühlt.“

„Der Kopf wächst nicht nach“

Für den Fachverkäufer Tobias Mellmann von „Fahrrad XXL Marcks“ am Curslacker Neuen Deich ist das keine Frage: „Wir fragen bei jedem Fahrradkauf nach, ob auch ein Helm gebraucht wird.“ Zwischen 50 und 70 Euro kostet so ein Zubehörteil. „Der Kopf wächst nun mal nicht nach!“

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