1. Mai

Bunter Marsch gegen AfD und Rassismus

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Ulf-Peter Busse
Der 1.-Mai-Demonstrationszug auf dem Weg zum Rathauspark im Möllers Kamp.

Der 1.-Mai-Demonstrationszug auf dem Weg zum Rathauspark im Möllers Kamp.

Foto: Ulf-Peter Busse / BGZ

Bergedorf. Rekord-Teilnahme: 600 Menschen ziehen durch Bergedorf, 800 hören kämpferische Reden im Rathauspark.

Bergedorf.  600 Teilnehmer beim Demonstrationszug durch Bergedorf und gut 800 bei der anschließenden Kundgebung im Rathauspark – so groß war der Zuspruch am 1. Mai lange nicht. Entsprechend kämpferisch auch die Redner, die die Solidarität gegen rechte Parolen beschworen und den wachsenden Erfolg des Populismus’ von Trump über den Brexit bis zur AfD als rückwärts gewandten Irrweg brandmarkten.

Angst vor entfesseltem „rechten Mob“

„Wenn die AfD bei der Bundestagswahl 15 Prozent der Stimmen bekommt, folgt darauf eine Nacht der Angst“, warnte Hauptredner Michael Petersen, Betriebsratsvorsitzender von Federal Mogul aus Glinde. „Dann wird ein von so viel Zustimmung aufgeputschter rechter Mob alles in Hautfarbe, Religion oder Nationalität irgendwie Andersartige durch die Straßen hetzen.“ Denn der heute wieder salonfähige Nationalismus sei nur der kleine Bruder des Rassismus.

Reichtum und Armut als Kern gesellschaftlicher Spaltung

Dabei ist das in seinen Augen gar nicht der Kern der gesellschaftlichen Spaltung: „In Wirklichkeit geht es um das Auseinanderdriften von Oben und Unten. Wenn 85 Milliardäre in Deutschland heute genauso viel besitzen wie die unteren 40 Prozent der Gesellschaft, dann ist das kein Missstand, sondern ein Systemfehler. Unser Feindbild heißt nicht Moslem, sondern Manager, es ist nicht die Burka, es ist der Maßanzug.“

„Aufstehen gegen Rassismus“

Auch wenn Michael Petersen wenig Hoffnung auf eine friedliche Lösung dieses Problems machte, beschworen die anderen Redner der Kundgebung – mit Blick auf die Bundestagswahl am 24. September – eine neue Solidarität in Deutschland. Passend zum 1.-Mai-Motto „Wir sind viele. Wir sind Eins.“ rief Bergedorfs DGB-Chef Ernst Heilmann zum „Aufstehen gegen Rassismus“ auf, als erstem Schritt zum Engagement für die wachsende Zahl der an den Rand unserer Gesellschaft Gedrängten: „20 Prozent der Erwerbstätigen sind Leiharbeiter, die ebenso schnell auf der Straße landen wie das Heer der Scheinselbständigen. Es gibt noch immer zwei Millionen Arbeitslose und noch weit mehr, die trotz Vollzeitjob vom Einkommen nicht leben können. Ganz zu schweigen von den dazugehörigen Kindern und Jugendlichen.“ Seine Botschaft: Wenn alle abhängig Beschäftigten zusammenstehen, sind das 80 Prozent der Gesellschaft. „Das ist die Mehrheit, die wir für wirklich soziale Politik brauchen.“

DGB-Chefin kritisiert Tarifflucht

Beim Blick auf mehr Gerechtigkeit brandmarkte Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger bei der zentralen Kundgebung auf dem Fischmarkt in Gegenwart von Bürgermeister Olaf Scholz die Tarifflucht vieler Unternehmen: „Aktuell zahlen nur noch 50 Prozent Tarif.“

Sorgen eines afghanischen Flüchtlings

Dass beim Umgang mit Flüchtlingen auch bei der deutschen Verwaltung noch viel zu tun ist, machte der 30-jährige Afghane Mohammad Alizala als Redner für den Verein Fluchtpunkt Bergedorf im Rathauspark deutlich: „Ich bin seit Juli 2015 in Hamburg. Genauso lange wird mein Asylantrag bearbeitet. Noch immer ohne Ergebnis. Ich habe große Angst, weil die Chancen auf Anerkennung sinken, obwohl mein Land ins Chaos rutscht.“

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