Bergedorf.

Ein Mann mit vielen Talenten

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André Herbst

Dirk du Pin ist Flüchtlingshelfer, Ersatzvater, war zuerst Vorstand und ist jetzt Aufsichtsrat von Sprungbrett e.V.

Bergedorf. Mit 75 Jahren denken viele Menschen, die im Ruhestand noch mal durchgestartet sind und sich ehrenamtlich engagieren, dann doch ans Kürzertreten. Wer Dirk du Pin erlebt, kommt kaum auf diesen Gedanken: Der langjährige Chef von Sprungbrett e.V. und Flüchtlingshelfer in seinem Wohnort Reinbek wirkt weitaus jünger, sportlich – und scheint vor Energie zu sprühen. Seit der studierte Theologe und Pädagoge 2006 den Vorsitz des früheren bezirklichen Beschäftigungsträgers übernommen hat, haben sich der Verein und die Sprungbrett gGmbH neu aufgestellt. Dirk du Pin ist vorgeschlagen für den von Volksbank Bergedorf und Bergedorfer Zeitung ausgelobten und mit 4000 Euro dotierten Bürgerpreis.

Sprungbrett e.V. ist heute das Dach für den Beschäftigungsträger, die Sprungbrett gGmbH. Zugleich auch für die Bürgerhäuser KulturA (Neuallermöhe-West) und haus brügge (Lohbrügge) samt Cafés, ebenso für die beiden dort tätigen Kinder- und Familienhilfezentren, wie auch für Familienhebammen, Stadtteilmütter und einiges mehr.

Viele Ehrenamtliche und 43 Mitarbeiter sind hier in Voll- und Teilzeit tätig, weit mehr, als Sprungbrett Mitglieder hat: Das sind 16, vor allem Vertreter von Institutionen wie auch des Bezirksamtes.

Neben dem Tagesgeschäft haben Dirk du Pin und Mitstreiter wichtige Schritte getan, um den Verein auch für die Zukunft schlagkräftig zu halten. Eine neue Satzung regelt die Verantwortlichkeiten neu. Bis dahin war ein längerer Weg. Anders als etwa ein kleiner Sport- oder Schützenverein bewegt Sprungbrett große Summen, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, erhält Geld aus verschiedenen öffentlichen Töpfen dafür.

Dirk du Pin, bereits rund elf Jahre Vorsitzender des Vereins, fungiert jetzt als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Wie schon bei der Sprungbrett gGmbH Peter Bakker zeichnet bei Sprungbrett e.V. jetzt Angela Jeglin für die Geschäfte allein verantwortlich. „Die neue Satzung entlastet mich. So muss ich etwa nicht weiter jeden Monat die Gehälter freigeben oder mich in die Personalplanung einschalten“, sagt Dirk du Pin.

Den Erfolg und das breite Angebot von Sprungbrett mag er jedoch nicht mit weitsichtiger Vorstandsarbeit begründen. Geschäftsführer und Team seien vor allem die Garanten für den Erfolg: „Das funktioniert alles, weil wir so engagierte Mitarbeiter haben“, die weit über den eigenen Tellerrand hinausblickten. „Die helfen einander und helfen etwa auch aus, wenn in einem Haus mehrere Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen.“

Dass Langeweile aufkommt, ist im Hause du Pin auch in Zukunft nicht zu befürchten, im Gegenteil: Dirk du Pin ist neben Sprungbrett unter anderem auch in der Flüchtlingshilfe in Reinbek aktiv, außerdem im Verein Kontakt. „Wir betreuen Schüler, um ihnen den Weg zu ebnen. Ich kümmere mich bis heute um einen inzwischen Jungerwachsenen, bin so eine Art Vaterersatz.“

Gespür und Sozialkompetenz helfen du Pin auch in seinem politischen Engagement. als wählbarer Bürger im Sozialausschuss der Stadt Reinbek. Dort bestätigen ihm Zuschauer wie Ausschussmitglieder über Parteigrenzen hinweg, dass der stets sachliche du Pin es versteht, aufbrandende Auseinandersetzungen souverän wieder auf die Sachebene zurückzuführen. Wenn es darauf ankommt, scheut er sich jedoch nicht, Konsequenzen zu ziehen. Als 2008/09 die Sprungbrett gGmbH immer stärker in Schieflage geriet und der damalige Geschäftsführer nicht wirkungsvoll ge-gensteuerte, trennten sich die Wege. Heute steht Sprungbrett wieder auf einem soliden finanziellen Fundament.

Auf die Frage, ob er neben seinem ehrenamtlichen Engagement noch Zeit für Hobbys findet, muss Dirk du Pin nicht lang überlegen. „Mein Engagement ist mein Hobby. Daneben finde ich aber noch Zeit, zweimal die Woche Tischtennis zu spielen. Fit halte ich mich außerdem auch dadurch, dass ich alle Strecken, die möglich sind, mit dem Fahrrad fahre.“

Das Engagement des Sprungbrett-Chefs hat auch Auswirkungen auf seine Familie: Seine Frau, drei Kinder und fünf Enkel freuen sich auf mehr Zeit mit dem umtriebigen Multitalent: „Im Alter von zwei bis zehn Jahren verbringen die noch gern viel Zeit mit Oma und Opa.“

Gelegentlich geschieht dies allerdings in anderen Konstellationen als geplant. „Weil ich keine Vertretung für eine Sitzung gefunden habe, ist meine Frau samt Enkeln zu St. Pauli gegangen“, berichtet Dirk du Pin schmunzelnd. Ihr Sohn hatte die raren Eintrittskarten besorgt: Oma kam so in den Genuss des ersten Stadionbesuchs bei einem Spiel von Profi-Fußballern... Wer an der Seite eines solchen vielfach engagierten Multi-Talents lebt, hat eben kaum eine andere Wahl, als mitzuziehen.

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