Sander Dickkopp

AfD-Rechtsaußen Flocken übernimmt Lohbrügges Wahrzeichen

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Voigt
„Bei gutem Wetter kann ich vom Dach des Wasserturms mit dem Feldstecher bis zum Hamburger Rathaus gucken“, lobt der inzwischen fraktionslose Bürgerschaftsabgeortnete und AfD-Politiker Dr. Ludwig Flockenden den „Weitblick“.

„Bei gutem Wetter kann ich vom Dach des Wasserturms mit dem Feldstecher bis zum Hamburger Rathaus gucken“, lobt der inzwischen fraktionslose Bürgerschaftsabgeortnete und AfD-Politiker Dr. Ludwig Flockenden den „Weitblick“.

Foto: NEWS & ART

Lohbrügge. Der umstrittene AfD-Politiker Dr. Ludwig Flocken zieht in den „Sander Dickkopp“ - mit einem Abgeordnetenbüro und Veranstaltungsflächen

Lohbrügge.  Wieder einmal beginnt für Lohbrügges Wahrzeichen eine neue Ära, und diesmal ist sie ausgesprochen spektakulär: In den alten Wasserturm „Sander Dick­kopp“ am Richard-Linde-Weg ist Dr. Ludwig Flocken (55) eingezogen. Der Bergedorfer Orthopäde ist Mitglied der Hamburger Bürgerschaft – und selbst vielen AfD-Parteikollegen zu rechts. Einem Ausschluss aus der AfD-Fraktion kam er durch seinen Austritt zuvor.

Abgeordnetenbüro im Wahrzeichen

Flocken hat im „Sander Dick­kopp“ in diesem Monat nicht nur eine Etage mit seinem Büro als Bürgerschaftsabgeordneter bezogen, sondern von Turmeigner Jörn Schmidt auch die beiden früheren Gastronomie-Etagen und den Biergarten angemietet. Der umstrittene Politiker, der durch Hetzreden bei Demos und in der Bürgerschaft auffiel, will das Gelände nach eigenem Bekunden für politische Veranstaltungen nutzen. Der Mietvertrag sei für die kommenden dreieinhalb Jahre abgeschlossen. Die Miete für das Abgeordnetenbüro zahlt die Stadt Hamburg, die restlichen Räume hat Flocken nach eigenen Angaben privat gemietet.

Am kommenden Sonntag lädt Flocken zur AfD-Wahlparty

Statt Speise- und Getränkekarte liegen nun Aufkleber und Broschüren der AfD auf den ehemaligen Gastro-Tischen in der ersten und zweiten Etage. „Am nächsten Sonntag feiern wir hier Wahlparty“, erklärt Ludwig Flocken. „Die Prognosen für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern sind ja ziemlich gut.“ Außerdem plant der neue Mieter hier politische „Turmgespräche“, Vortragsveranstaltungen und Schulungen – nach eigenen Worten entweder gemeinsam mit der AfD oder auf eigene Faust.

Allzu viel Zuspruch dürfte der Bergedorfer zumindest von seiner Partei nicht zu erwarten haben. „Gegen Ludwig Flocken läuft ein Parteiausschlussverfahren“, sagt Dirk Nockemann, Sprecher des AfD-Bezirksvorstands und stellvertretender Chef von Hamburgs AfD-Bürgerschaftsfraktion. „Weder von Landesvorstand noch vom Bezirksvorstand erfährt er Unterstützung.“ Wie viele der knapp 30 Bergedorfer AfD-Mitglieder Flockens Ruf in den Turm folgen werden, darüber wagt Nockemann aber keine Prognose.

Angst vor „rechtsextremem Agitationszentrum“

Die Nachricht vom neuen Mieter löste in Bergedorf vielfach Bestürzung aus. Der Präsident der Bezirksversammlung, Werner Omniczynski (SPD), nannte es „mehr als bedenklich, dass ausgerechnet in Lohbrügge ein rechtsextremes Agitationszentrum entsteht“. Michael Schütze vom Bergedorfer Rathausbündnis gegen Rechts formuliert es schärfer: „Dass sich in Lohbrügges Wahrzeichen das rassistische Gedankengut eines Ludwig Flocken breitmacht, ist ein Schlag ins Gesicht. Aber Demokratie muss auch das aushalten.“

Turm-Besitzer kann Aufregung „nicht verstehen“

Turm-Eigentümer Jörn Schmidt mag die Aufregung nicht verstehen: „Der Mietvertrag gilt doch nur für gut drei Jahre. Ich kenne Herrn Flocken als Nachbar und als Patient und bin nach drei gastronomischen Fehlschlägen nun glücklich über die konstante Mieteinnahme.“

Flocken ist seit seinem Austritt aus der AfD-Fraktion im Februar 2016 fraktionsloser Bürgerschaftsabgeordneter. Zum Zerwürfnis mit der AfD führten unter anderem seine Teilnahmen an Pegida-Demonstrationen und Äußerungen wie seine Bezeichnung von Muslimen als „Menschen, die sich von Gottesgelehrten belehren lassen, wie sie ihre Frauen zu schlagen und ihre Babys sexuell zu missbrauchen haben.“ – Bei der Bürgerschaftswahl 2015 hatten 1829 Bergedorfer Flocken ihre Stimme gegeben.

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