Fußgängerzone

Bahnhof: Wut über verbotene „Park-Oase“

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Gerrit Pfennig
Wie aufgescheucht: Als dieser Abschlepper sich nähert, ergreifen am Mittwoch drei von sechs Autofahrern die Flucht.

Wie aufgescheucht: Als dieser Abschlepper sich nähert, ergreifen am Mittwoch drei von sechs Autofahrern die Flucht.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Bergedorf. Autofahrer parken wegen Bauarbeiten hier. Anwohner kritisieren Gefahren für Fußgänger, Kontrollen werden verstärkt.

Bergedorf.  Die Schilder sind unmissverständlich: Fußgängerzone steht am Bahnhofsvorplatz. Er ist damit für sämtliche Autos gesperrt, nur der Lieferverkehr darf werktags von 5 bis 11 Uhr auf diese Fläche fahren – so weit scheint alles klar. Doch immer mehr Autofahrer weichen aus, weil wegen der Baustellensperrung am Weidenbaumsweg und der Straße Am Bahnhof die Parkplätze wegfallen.

Anwohner: Sogar ein Kind wurde angefahren

„Das kann so nicht bleiben, das ist wirklich gefährlich hier. Wir Nachbarn sehen das alle so“, kritisiert Wolfgang Schmitt. Der 68-Jährige wohnt am Weidenbaumsweg und hatte am Sonnabend eine Bekannte zu Besuch, die gerade einen Herzkatheter gesetzt bekommen hatte. Als sie über starke Herzprobleme klagte, rief er einen Rettungswagen. „Direkt vor den Absperrungen und auf dem Platz parkten 20 Autos alles zu“, sagt Schmitt. Entsprechend kompliziert sei es gewesen, die Frau zwischen den Autos hindurchzutragen. Doch damit nicht genug: „Als ich gerade auf die Retter wartete, fuhr ein Auto ein Kind an. Mitten in der Fußgängerzone.“ Zum Glück sei das Kind unverletzt. Schmitt: „Das hätte aber anders enden können!“

Bauarbeiten als Ursache

Der Bergedorfer führt das Parkchaos auf die Sperrung des Weidenbaumswegs zurück: Das Bezirksamt hat sie eingerichtet, weil bei der einspurigen Regelung die Autofahrer zwischen den Absperrungen hindurchfuhren und auf der Baustelle parkten. Doch dadurch hat sich das Problem offenbar nur verschoben. „Es kommt hier oft zu brenzligen Situationen“, weiß Sandra Dargatz (38), fünffache Mutter. „Fußgängerzone heißt für meine Kinder, dass sie sich frei bewegen können. Nur hier nicht. Es wäre wirklich wichtig, den Platz mit Pollern abzusperren“, fordert sie. Zina Dacosta-Martins (41) aus Kröppelshagen hält von Pollern nichts: „Hier müssen ja auch die Karussells zum Stadtfest rauffahren können.“ Dennoch müsse es oberste Priorität haben, dass kein Fußgänger zu Schaden kommt.

Keine 40 Cent fürs Parkhaus übrig?

Karlheinz Ultes (80) geht mit einem mulmigen Gefühl über den Platz. Der Bergedorfer ist fast komplett blind und kann so die fahrenden Autos nicht rechtzeitig sehen. „Das kann aber auch Sehenden passieren. Ich frage mich, warum die Leute nicht in das Parkhaus direkt gegenüber fahren“, sagt er. 40 Cent kostet die erste halbe Stunde im CCB-Parkhaus – und das ist offenbar noch zu viel. „Ich wollte doch nur kurz einen Brief abgeben“, entschuldigt sich eine Mazda-Fahrerin. „Meine Frau kauft nur ganz kurz ein“, sagt der Fahrer eines VW Touran, startet den Motor und fährt davon.

Parksünder werden auch abgeschleppt

Beim Parkraum-Management ist das Problem an dieser Stelle bekannt: „Unsere Mitarbeiter legen ihren Fokus verstärkt auf diesen Platz, und es gibt ein erhöhtes Aufschreibevolumen“, berichtet Uwe Thillmann, Sprecher des Landesbetriebs Verkehr (LBV). 35 Euro kostet der Strafzettel. „Nach 11 Uhr gilt hier ein absolutes Halteverbot. Wer dann hier steht, muss damit rechnen, abgeschleppt zu werden“, warnt Thillmann.

Der Weidenbaumsweg soll nach den Ferien, ab 1. September, wieder einspurig befahrbar sein. Ende Oktober soll die Großbaustelle fertiggestellt sein, spätestens Mitte November sollen dann auch die Parkflächen an der Straße wieder zur Verfügung stehen.

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