Sicherheitstechnik

P+R-Parkplatz wird Überwachungszone

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Carsten Neff
36 Videokameras, 31 Lautsprecher, 5 Notrufsäulen. Für 183.000 Euro installiert die P+R-Betriebsgesellschaft Sicherheitstechnik auf dem kostenpflichtigen Parkplatz südlich des S-Bahnhofs Nettelnbnurg.

36 Videokameras, 31 Lautsprecher, 5 Notrufsäulen. Für 183.000 Euro installiert die P+R-Betriebsgesellschaft Sicherheitstechnik auf dem kostenpflichtigen Parkplatz südlich des S-Bahnhofs Nettelnbnurg.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Neuallermöhe. Auf dem P+R-Parkplatz auf der Südseite des Bahnhofs Nettelnburg gibt es künftig die größte Dichte an Überwachungskameras im Bezirk.

Allein 36 per Glasfaser vernetze Videokameras lässt die P+R-Betriebsgesellschaft auf dem kostenpflichtigen Parkplatz mit 160 Stellplätzen derzeit installieren. Dazu kommen Lichtmasten mit bewegungsgesteuerten LED-Leuchten, 31 ferngesteuerte Außenlautsprecher und fünf SOS-Notrufsäulen.

„Das sieht ja hier aus wie in Fort Knox“, meint Sabine Gude (29) aus Nettelnburg und ihr Vater Wolf Baiser (71) pflichtet ihr schmunzelnd bei: „Hier gibt es jetzt sicher mehr Überwachungskameras als auf dem Parkplatz des Bundesnachrichtendienstes in Pullach.“ Vielleicht sei das ja nötig, angesichts der sich hartnäckig haltenden Drogen-Dealer-Szene auf dem benachbarten Edith-Stein-Platz und den auf dem Parkplatz rund um die Uhr abhängenden Trinkern.

Es gab keine Sicherheitsprobleme auf dem Parkplatz

Doch weit gefehlt. Erstens überwachen die Kameras ausschließlich das Parkplatzgelände, zweitens „gibt es dort bislang gar keine kritische Sicherheitslage“, betont Heino Vahldieck, Geschäftsführer der P+R Betriebsgesellschaft. „Das ist der normale zukünftige Standard unserer P+R-Anlagen. Schließlich haben wir mit der Einführung der Entgeltpflicht eine Erhöhung der Standards und einen Mehrwert für die Nutzer versprochen.“

183 000 Euro habe die technische Aufrüstung allein am S-Bahnhof Nettelnburg gekostet. Nur um das wieder rein zu holen, müsste jede Parklücke dort mehr als zwei Jahre lang täglich besetzt sein. Und das ist illusorisch – denn seit der P+R-Platz gebührenpflichtig ist, steht meist die Hälfte der Parkplätze leer.

Virtuelle Rundgänge der Hochbahnwächter

Ohnehin ist der „Mehrwert“ für die Parkplatznutzer eher fraglich, auch wenn die Überwachungskameras nun „virtuelle Rundgänge der Hochbahnwache“ ermöglichen und bei Parkrempeleien Bilder aus der Videoaufzeichnung angefordert werden können.

„Der wirklich wichtige Bereich“, so Sabine Gude, werde nicht von den Kameras erfasst: „An den Fahrradständern, wo ständig Räder geklaut werden, wären Kameras doch viel sinnvoller.“

Die Kameras zielen an den Brennpunkten vorbei

Zunächst war selbst der Geschäftsführer der P+R-Gesellschaft Heino Vahldieck überrascht: „So viele Überwachungskameras? Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“ Doch wenig später kann er die Zahl von 36 Videokameras, die künftig ihre Objektive auf den Parkplatz südlich des S-Bahnhofs Nettelnburg richten, erklären: „Die Parkfläche ist sehr lang gestreckt.“ Nur deshalb seien so viele Kameras notwendig.

Sind Autos besser geschützt als die Pasasanten?

Notwendig? Viele Passanten sehen das anders. So wie Marietta Hagedorn: „Die abgestellten Autos sind jetzt bestens geschützt. Aber was ist mit den Fahrrädern? Die werden vorm Bahnhof ständig geklaut. Und die Leute sind auch nicht sicherer, wenn sie durchs Einkaufszentrum gehen. Da fehlen Kameras.“

Doch weder für das EKZ noch für die Fahrradständer ist die P+R-Betriebsgesellschaft zuständig. „Unsere Kameras dürfen öffentliche Bereiche gar nicht beobachten“, betont Vahldieck. Die Hochbahnwache könne die Livebilder sehen, die Polizei bei Bedarf Aufzeichnungen anfordern. Zudem könnten Mitarbeiter über Lautsprecher Personen auf dem Parkplatz ansprechen. Und noch eine Neuerung soll es geben: „Eine Smartphone-App wird künftig den Belegungsstand des Parkplatzes in Echtzeit abrufbar machen.“

Teure Kosmetik, statt mehr Sicherheit - Kommentar von Carsten Neff

Der P+R-Chef spricht von „Mehrwert und besserer Qualität“ – und war bereits als CDU-Innensenator und Verfassungsschutz-Leiter von Videokameras auf öffentlichen Plätzen angetan. Vielleicht wurde in Nettelnburg deshalb mit Überwachungskameras eher geklotzt als gekleckert. Doch die wirklich brisanten Ecken erfassen die Glasaugen nicht. So bleibt die Videoüberwachung „gegen Parkrempler“ (Vahldieck) eine teure kosmetische Maßnahme für das subjektive Sicherheitsempfinden potenzieller P+R-Kunden. Ob sie einen Mehrwert darin sehen und nun lieber fürs Parken zahlen, ist sehr fraglich.

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