Neue Automaten

So teuer wie Diesel: Luft kostet nun 1 Euro

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Carsten Neff

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. "Esso" möchte kostenpflichtige Druckluftautomaten flächendeckend einführen. Einer steht schon in Bergedorf und sorgt für „dicke Luft“.

Bergedorf.  Wer an der Esso-Tankstelle Bergedorfer Straße/Ecke Sander Damm seine Autoreifen aufpumpen möchte, muss 1 Euro in den Druckluftautomaten stecken. Die Nutzungsgebühr des bislang an fast allen Tankstellen kostenfreien Services sorgt denn auch gleich für „dicke Luft“ bei den Autofahrern.

„Das ist eine Frechheit“, wettert der Lohbrügger Jürgen Kraft und kuppelt den Luftschlauch wieder vom Ventil ab. „Leider habe ich schon getankt, aber das war ganz sicher das letzte Mal hier bei der Esso.“ Die Autotür knallt, Kraft gibt, sichtbar wütend, kräftig Gas.

Esso: "Die Autofahrer werden sich daran gewöhnen."

Die Pächterin der Tankstelle scheint die Schimpftiraden ihrer Kunden zu kennen: „Dazu sage ich gar nichts mehr. Wenden Sie sich direkt an Esso“, ist ihr einziges Statement. Esso-Sprecherin Gabriele Radtke sieht die Sache gelassener: „Die Autofahrer werden sich schnell daran gewöhnen.“ Schließlich seien sie die eigentlichen Nutznießer der neuen stationären Druckluftautomaten.

Handgeräte wurden ständig geklaut

„Die alten Handgeräte waren ständig kaputt, verdreckt oder komplett weg“, erklärt Radtke die Neuerung. „Wir mussten jährlich zweistellige Millionenbeträge aufwenden, um geklaute Geräte zu ersetzen.“ Daher habe man, wie schon der Mitbewerber Shell vor zwei Jahren, die neuen Automaten getestet. „Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv, wir werden das nun flächendeckend einführen.“

Radtke betont, dass das Prüfen des Reifendrucks weiterhin kostenfrei bleibe. „Nur wer Luft nachtanken möchte, muss Geld einwerfen. Für einen Euro bläst das Gerät sechs Minuten lang. Wahlweise kann der Automat auch umgeschaltet werden und man kann die verbleibende Zeit den ebenfalls installierten Autostaubsauger nutzen.

Gerät nach wenigen Tagen schon defekt

Esso hat die Automaten bei einem Dienstleister gemietet. Radtke: „Der sorgt dafür, dass die Geräte stets sauber sind und einwandfrei funktionieren.“ Fehlanzeige: Schon wenige Tage nach Aufstellung klebt in Bergedorf ein handschriftlicher Zettel „Staubsauger defekt“ neben dem Geldschlitz.

„Das ist doch ein ausgemachter Quatsch“, findet der Bergedorfer Martin Anger: „Demnächst muss man noch für die Atemluft bezahlen.“ Er fährt mit seinem VW-Käfer weiter. Denn schräg gegenüber, bei der JET-Tankstelle, ist Luft kostenfrei. Und 100 Meter Richtung Hamburg, bei der HEM gibt es eine ähnlich komfortable vollautomatische Luftsäule – ebenfalls zur freien Nutzung.

ADAC: "Teure Luft geht auf Kosten der Sicherheit"

„Geld für Luft zu verlangen, geht auf Kosten der Verkehrssicherheit“, meint ADAC-Sprecher Christian Hieff: „Deutsche Autofahrer sind ohnehin faul bei der reifenkontrolle.“ Dabei beeinflusse der Reifendruck nicht nur den Kraftstoffverbrauch, sondern auch die Fahreigenschaften beim Ausweichen oder Bremsen. Hieff: „Luft muss an Tankstellen ein freier Service bleiben, wie das Wasser zum Scheibenwaschen.“ Die Autofahrer würden solche Vorstöße abstrafen, hofft der ADAC-Sprecher: „Sonst müssen wir demnächst noch Parkgebühr an der Zapfsäule zahlen.“

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