Staatsschutz ermittelt

Abschiebegegner bekennen sich zu Anschlägen

Gerrit Pfennig
Klemm & Partner: Flaschen mit weißer Farbe flogen in der Nacht zu Montag an die Fassade der Anwaltskanzlei am Reetwerder.

Klemm & Partner: Flaschen mit weißer Farbe flogen in der Nacht zu Montag an die Fassade der Anwaltskanzlei am Reetwerder.

Foto: Thomas Voigt / BGZ

Bergedorf. Die Farbattacke auf die Bergedorfer Anwaltskanzlei war kein Einzelfall. Auch Staatsrat und DPolG-Chef betroffen.

Bergedorf.  Der Farbanschlag von der Nacht zum Montag gegen den Bergedorfer Anwalt Gero Tuttlewski, der mit der Kanzlei Klemm & Partner gegen Flüchtlingsgroßunterkünfte kämpft, war kein Einzelfall. Zu drei Attacken zwischen dem 17. und 20. April bekannte sich jetzt „Für freies Fluten“.

Auch Staatsrat und DPolG-Chef sind Opfer

Die Gruppe von Abschiebegegnern veröffentlichte ihr Bekennerschreiben samt Adressen der Opfer online. Sie verübte einen Farbanschlag auf das Privathaus von Sozialstaatsrat Jan Pörksen (SPD) und spritzte Buttersäure in den Kühler des Autos von Joachim Lenders, CDU-Bürgerschaftsabgeordneter und Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Zu Klemm & Partner schreiben die Täter: „Tuttlewski behauptet, es ginge seinen Mandant_innen nicht darum, die Flüchtlingsunterkünfte zu verhindern, sondern nur um die Dimensionen. Wir bezweifeln, dass es den Anwohner_innen dabei um ein adäquates Wohnen für Flüchtlinge geht. Vielmehr fürchten sie die Wertminderung ihrer Immobilien, sie haben Angst etwas abgeben zu müssen, sie haben Angst vor Fremden.“

Ehefrau lässt stinkenden Wagen stehen

Im Fall von Joachim Lenders bemerkte dessen Ehefrau den Anschlag. Sie wollte mit dem Audi-Cabrio losfahren, als ihr Mann gerade mit einer Delegation des Bundesinnenministeriums in Griechenland unterwegs war. „Sie roch den bestialischen Gestank und ließ das Auto stehen. Sie dachte erst, eine tote Katze oder ein Marder würde im Motorraum liegen“, sagt Lenders. Inzwischen habe sich ein Gutachter den A 5 angesehen. Ergebnis: finanzieller Totalschaden.

Keine heiße Spur

In allen drei Fällen ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamtes (LKA 7) – bislang jedoch ohne heiße Spur. „Die Gruppe ist den Ermittlern bislang nicht bekannt. Derzeit prüfen sie noch die Authentizität des Bekennerschreibens“, so Polizeisprecher Holger Vehren auf Anfrage.

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