Polizeistatistik

Plus 75 Prozent: Kinder immer häufiger Unfallopfer

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Gerrit Pfennig und Wiebke Brütt
Ein Kind wird nach einem Unfall am Ladenbeker Furtweg von Rettungskräften versorgt (Symbolbild).

Ein Kind wird nach einem Unfall am Ladenbeker Furtweg von Rettungskräften versorgt (Symbolbild).

Foto: Carsten Neff

Bergedorf/Geesthacht. In Bergedorf ist die Zahl der verletzten Kinder noch deutlicher als im Kreis Herzogtum Lauenburg gestiegen. CDU und Linke fordern eine Reaktion.

Bergedorf/Geesthacht.  Die gute Nachricht vorweg: In Bergedorf ist die Zahl der Unfälle 2015 um 0,5 Prozent auf 3205 gesunken – 2014 waren es 3221. Hamburgweit gab es im gleichen Zeitraum ein Plus von 2,3 Prozent auf 67 197 Unfälle. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Thering (CDU) hervor. Gleichzeitig stieg allerdings die Zahl der Schwerverletzten deutlich an. Immer häufiger werden Kinder Opfer – eine Entwicklung, die auch den Kreis Herzogtum Lauenburg trifft.

In Bergedorf wurden 2015 insgesamt 42 Kinder verletzt, darunter waren 37 Leicht- und fünf Schwerverletzte. Im Jahr zuvor hatte die Gesamtzahl der verletzten Jungen und Mädchen noch bei 24 gelegen – das entspricht einem Plus von 75 Prozent. Im Herzogtum lag die Zunahme bei 39,7 Prozent (88 Verletzte). Die genauen Hintergründe will Hans-Jürgen Gäth, Chef der Bergedorfer Verkehrspolizei, bis zur offiziellen Vorstellung der Unfallstatistik am 12. April untersuchen. Ein Grund sei aber die mangelnde Rücksichtnahme der Autofahrer. „Wir machen deshalb regelmäßig größere Informationsveranstaltungen“, sagt Gäth. Leider gäbe es auch immer noch Eltern, die ihren Nachwuchs nicht korrekt anschnallen.

CDU und Linke fordern mehr Prävention

Für den Bergedorfer Abgeordneten Stephan Jersch (Linke), Mitglied des Verkehrsausschusses der Bürgerschaft, sind diese Zahlen alarmierend: „Das ist weit von dem entfernt, was der Verkehrssicherheitsrat fordert.“ Angesichts der großen Zahl an Überstunden, die Hamburgs Polizei vor sich herschiebt, fordert er, Geld für die Prävention in die Hand zu nehmen. Hierbei sei nicht nur die Innen-, sondern auch die Schulbehörde gefordert. Dennis Gladiator, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, sieht sich bestätigt. Die Union fordert vom Senat die Anstellung von mindestens 400 Polizeianwärtern in dieser Legislaturperiode. „Der Personalmangel wird perspektivisch nicht besser. In der wachsenden Stadt Hamburg muss die Polizei in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben zu erfüllen“, fordert der Bergedorfer. Dazu gehörten flächendeckende Kontrollen, bei denen Autofahrer direkt auf ihre Vergehen angesprochen werden.

Die Statistik bestätig die Notwendigkeit solcher Aktionen. So stieg 2015 in Bergedorf die Zahl der Leichtverletzten von 431 auf 440, die der Schwerverletzten von 55 auf 67 – ein Plus von 21,8 Prozent. Die Zahl der Unfälle, an denen junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre) beteiligt waren, stieg zudem von 577 auf 594 – 79 von ihnen wurden verletzt (plus 8,2 Prozent). Die Zahl der verletzten Senioren sank von 70 auf 64. Nach zwei Fällen im Vorjahr gab es in Bergedorf keinen Verkehrstoten – hamburgweit verzeichnete die Polizei einen Rückgang von 38 auf 20 Tote.

Unfälle mit Fahrradfahrern häufen sich

Im Kreis Herzogtum Lauenburg zählte die Polizei 2015 insgesamt 5171 Unfälle (Plus 11 Prozent). Dabei wurden 88 Kinder verletzt – im Vorjahr waren es noch 63. Zudem stieg die Zahl der Unfälle mit Radfahrern um 16 Prozent von 193 auf 209 an (216 Verletzte). „Mehr als die Hälfte dieser Unfälle wurde durch Radfahrer verursacht“, sagt Kay-Uwe Güsmer, Verkehrssicherheitsexperte der zuständigen Polizeidirektion Ratzeburg. Zwei Fußgänger wurden bei Unfällen, bei denen sie auf Radfahrer trafen, tödlich verletzt. 2015 starben auf den Straßen des Herzogtums sieben Menschen, vier mehr als 2014. Bei 665 Zusammenstößen wurden 848 Menschen verletzt (2014: 804) – 85 Prozent davon leicht.

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