Möörkenweg

Pläne für Wohnungsbau bremsen den Lärmschutz

"Der Lärm der Züge ist eine Katastrophe": Helmut Jähner (75), Anwohner des Möörkenwegs, fordert dringend eine Erhöhung der Lärmschutzwand.

"Der Lärm der Züge ist eine Katastrophe": Helmut Jähner (75), Anwohner des Möörkenwegs, fordert dringend eine Erhöhung der Lärmschutzwand.

Foto: Gerrit Pfennig

Bergedorf. Der Protest gegen die Bahn-Baupläne am Möörkenweg wächst. Anwohner fordern jetzt eine Erhöhung der Lärmschutzwand.

Bergedorf.  Seit Wochen regt sich großer Protest gegen das Vorhaben der Deutschen Bahn Immobilien, das Gelände des Kleingartenvereins am Möörkenweg für den Wohnungsbau zu entwickeln. Hieraus entwickelte sich bereits eine Bürgerinitiative (wir berichteten). Und genau diese Planungen sind es, die das Unternehmen Deutsche Bahn jetzt als Begründung vorschiebt, warum der Lärmschutz nicht verbessert werden kann.

Helmut Jähner kennt das Problem nur zu gut: „Draußen im Garten zu sitzen und sich zu unterhalten, ist praktisch unmöglich. Sie verstehen ihr eigenes Wort nicht mehr“, sagt der Pensionär. Er habe sich deswegen schon von Bekannten ein Messgerät geliehen. Ergebnis: 86 Dezibel. Dauerlärm in dieser Kategorie kann bereits Hörschäden verursachen. Jähner: „Besonders schlimm ist es zwischen 17 und 19 Uhr, wenn die S-Bahnen im Berufsverkehr und die Güterzüge kommen.“ Im Sommer bei offenen Fenstern und Türen sei das nicht auszuhalten.

„Bei uns klirrt das Geschirr in den Schränken“

Nachbar Helmut Hoffmann bestätigt die Beobachtungen: „Bei uns ist es so schlimm, dass das Geschirr in den Schränken klirrt.“ Das lasse sich zwar kaum abstellen, weil das die Vibrationen von Triebwagen und Waggons verursachen. Dennoch stimmt er mit anderen Anwohnern überein: Die bestehende Lärmschutzwand muss dringend auf der gesamten Länge des Möörkenwegs erhöht werden, „zumal die Bahn das Gleisbett in den vergangenen Jahren um mindestens 50 Zentimeter aufschütten ließ“, so Hoffmann. Die Bahnen würden beim Vorbeifahren deshalb deutlich über die Schutzwand hinausragen, die so wirkungslos werde.

Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst verweist dagegen auf das Lärmsanierungsprogramm des Bundes. Im Vergleich zum Jahr 2000 soll bis 2020 der Schienenverkehrslärm halbiert werden. Hierzu sind passive Maßnahmen wie Lärmschutzverglasung und aktive Maßnahmen wie neue Bahn-Bremsen, Schmiereinrichtungen an den Schienen und Schutzwände geplant. Die Krux dabei: Diese Pläne gelten entlang des Möörkenwegs mit Ausnahme der Fläche, die für den neuen Wohnungsbau vorgesehen ist.

Neues Ungemach durch wachsenden Güterverkehr droht

So hatte eine Lärmuntersuchung im Auftrag der Bahn ergeben, dass auf dem Plangebiet des Kleingartens für die Baupläne eine Aufstockung der Lärmschutzwand von 1,50 Meter auf drei Meter nötig wäre. Ob diese Erhöhung letztlich auch im Bebauungsplan verankert wird, steht noch nicht fest. „Erst wenn die Pläne für das Plangebiet stehen, können die restlichen Bestandsbauten am Möörkenweg untersucht werden“, erläutert Bahn-Sprecherin Brunkhorst.

Derweil droht den Anwohnern weiter Ungemach, denn noch wird über die „Alpha-Variante“ diskutiert, mit der der Güterverkehr zwischen Bremen, Hamburg und Hannover ausgebaut werden soll. Bei einem zusätzlichen Ausbau der Strecke Richtung Berlin könnten zwischen Hamburg, Bergedorf und Büchen täglich 100 zusätzliche Güterzüge fahren. „Bislang gibt es an dieser Teilstrecke jedoch kein konkretes Ausbauprojekt“, sagt Armin Skierlo, Sprecher der DB-Großprojekte. Dies gelte auch für die „Alpha-Variante“ als Ganzes: „Eine konkrete Planungsgrundlage gibt es nur für die Strecke Rothenburg-Verden. Der Rest wird sich erst in den nächsten Monaten und Jahren entscheiden.“

Bebauungsplan ist noch nicht verabschiedet

Dennoch: Bei den Möörkenweg-Anwohnern sind die Bedenken groß. Sie stellen sich weiter gegen die Baupläne der Bahn und engagieren sich für den Lärmschutz. Was den Wohnungsbau angeht, gab es immerhin ein kleines positives Zeichen: „Das Bezirksamt hat uns geschrieben, dass der Bebauungsplan noch nicht verabschiedet wurde und wir auf jeden Fall beteiligt werden“, berichtet Helmut Hoffmann. Nur so richtig froh stimme ihn das nicht.