Bürgerärger

Mega-Radweg verhindert Hausumbau

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Dürfen wegen eines alten B-Plans nicht umbauen: Olivera Pavlovic und Paulo Jorge Silva Cruz ärgern sich.

Dürfen wegen eines alten B-Plans nicht umbauen: Olivera Pavlovic und Paulo Jorge Silva Cruz ärgern sich.

Foto: Gerrit Pfennig

Bergedorf. Ein Bergedorfer will sein Haus ausbauen. Ein 54 Jahre alter Bebauungsplan und die Idee für eine Radler-Autobahn verhindern das.

Bergedorf.  Es klingt wie ein Schildbürgerstreich: Der Bergedorfer Paulo Jorge Silva Cruz will sein Haus umbauen, das Dach etwas höher setzen. Doch das verwehrt ihm ein 54 Jahre aller Bebauungsplan für die Holtenklinker Straße, die damals verbreitert werden sollte. Der 40-Jährige kann das nicht fassen, beim Bezirksamt konstatiert man dagegen: „Uns sind die Hände gebunden.“

Praxis braucht mehr Platz

Silva Cruz wohnt mit seiner Lebensgefährtin Olivera Pavlovic in einem Doppelhaus, und das Paar hat viel vor. So will die 34-Jährige eine Gemeinschaftspraxis für Osteopathie und Naturheilkunde aufbauen und richtete sich im Erdgeschoss zunächst einen Behandlungsraum ein. Doch für ihre Zukunftspläne braucht sie weit mehr Platz. Im vergangenen Jahr kündigte Silva Cruz deshalb seinen Mietern. Aus dem Satteldach sollte ein Flachdach werden – mit entsprechendem Raumgewinn in der ersten Etage.

Amt stellte immer neue Nachfragen

„Im Herbst haben wir den Bauantrag gestellt. Normalerweise dauert so etwas ein paar Wochen“, sagt der Hauseigentümer. Doch es dauerte länger. „Immer kurz vor Ende der Bearbeitungsfrist kamen neue Nachfragen wegen Brandschutz und ähnlichem.“ Und jetzt verschickte das Bauamt die Ablehnung. Die vordere Hälfte des Hauses liege auf einer Straßenverkehrsfläche, auf der keine bauliche Erweiterung errichtet werden dürfe, da ein „ regelkonformer Ausbau der Straßenverkehrsfläche“ angestrebt werde, heißt es in dem Bescheid.

Plan stammt aus dem Jahr 1961

Und tatsächlich: Das Grundstück von Silva Cruz wird von einem Teilbebauungsplan aus dem Jahr 1961 erfasst. Die vordere Gebäude-Hälfte wird dort als „Neue Straßenfläche“ markiert. Tatsächlich stammt dieser Bebauungsplan aus Zeiten, als Hamburg die Holtenklinker Straße zur Ausfallstraße in Richtung Osten ausbauen wollte. Doch spätestens seit dem Bau der A25 in den 80er-Jahren sind solche Überlegungen passé.

Radverkehr „mittelfristig" verbessern

Aber darum gehe es auch gar nicht, betont Bezirksamtssprecher Dr. Andreas Aholt: „Es handelt sich beim fraglichen Grundstück heute um eine wichtige Straßennebenfläche. Denn die Stadt Hamburg verfolgt mittelfristig die Absicht, den Radverkehr zu verbessern und dafür gut ausgebaute Wege zu schaffen.“ Wer entlang der Holtenklinker Straße sein Haus also um- oder ausbaue, verliere den Bestandsschutz. Denn dann habe der beabsichtigte Ausbau der Straßenverkehrsfläche für Hamburgs Radler Vorrang – und das sei im Bebauungsplan auch klar ersichtlich.

Eigentümer fehlen Mieteinnahmen

Für Silva Cruz gibt es damit nur zwei Möglichkeiten: Entweder er lässt den vorderen Teil des Hauses so wie er ist und baut nur hinten aus, oder er reißt es gleich ganz ab und errichtet in gehöriger Entfernung zur Straße einen kompletten Neubau. „Das sind für mich alles keine Optionen. Für mich drängt die Zeit. Mir fehlen die Mieteinnahmen und die Planungskosten steigen immer weiter“, sagt der 40-Jährige. Er denkt schon darüber nach, sich einen Anwalt zu nehmen.

Rad- und Gehweg ist heute schon 5,10 Meter breit

Warum die Radler vor seinem Haus mehr Platz brauchen sollen, ist Silva Cruz schleierhaft. Er hat den Rad- und Fußweg selbst ausgemessen: Der ist heute schon 5,10 Meter breit. Nach den Plänen aus dem Teilbebauungsplan wäre er künftig 9,60 Meter breit. Das dürfte Hamburgs breiteste Fahrrad-Autobahn werden

( Gerrit Pfennig )

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