Lohbrügge

Mit ausrangierten PC Freude schenken

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Lena Diekmann

Computerspende: Ehepaar engagiert sich für Bedürftige

In den Regalen stapeln sich Tastaturen, Monitore sind meterweit aufgereiht, daneben türmen sich Computer und zig Kartons mit Zubehör und Kabeln: Wer die Räume vom Verein "Computer Spende Hamburg" betritt, könnte fast denken, er stehe inmitten eines Elektronik-Fachhandels. Doch alle Teile, die sich im Souterrain am Billebogen befinden, sind Spenden - und werden auch ohne Bezahlung wieder abgegeben. "Wir sind ein gemeinnütziger Verein, wollen und dürfen gar kein Geld verdienen", sagt Horst Matzen.

Der 62-Jährige war schon immer ein Tüftler, schraubte und bastelte als "PC-Doktor" bereits in Lütjenburg, wo er mit seiner Ehefrau Angelika bis vor einigen Jahren lebte. Wegen der Arbeit zogen der gelernte Sanitätsinstallateur und die Bauzeichnerin nach Hamburg. Doch der Traum vom perfekten Job platzte, das Ehepaar wurde arbeitslos. "Und in unserem Alter eine neue Anstellung zu finden, ist so gut wie aussichtslos", sagt Angelika Matzen (57). Um mit ihrer Zeit etwas Gutes zu tun, gründeten sie 2009 den Verein "Computer Spende Hamburg". Gestartet in Jenfeld, hat das Ehepaar vor fast zwei Jahren in Lohbrügge eine größere und günstigere Heimat gefunden. "Hier sind wir super aufgenommen worden und fühlen uns richtig wohl", sagt Horst Matzen, der nun ständig mit seiner Ehefrau aus der gemeinsamen Wohnung in Rahlstedt mit Bus und Bahn nach Lohbrügge in die Werkstatt und das Lager pendelt.

Die Idee für den Verein entstand bei dem Besuch eines Recyclinghofes: "Mit Schrecken haben wir gesehen, wie viele Computer weggeschmissen werden", sagt Angelika Matzen. Statt auf dem Müll zu landen, können PC beim Verein abgegeben werden. Dort werden sie von Horst Matzen geprüft, von innen und außen gereinigt und alle noch enthaltenen Daten entfernt und das Betriebssystem gelöscht. Sobald der Computer dann wieder funktionstüchtig ist, wird er mitsamt Tastatur, Maus und Bildschirm an Bedürftige abgegeben, die sich sonst keinen eigenen PC leisten könnten. Als Voraussetzung dafür muss man bei Angelika Matzen einen Antrag stellen, dabei den Bezug von Hartz IV nachweisen. Die 57-Jährige kümmert sich um die Verwaltung des Vereins, hat alle nötigen Dokumente feinsäuberlich abgeheftet und die Warteliste genauestens im Blick. "Insgesamt 2199 Anlagen haben wir bereits abgegeben", sagt Horst Matzen. So manches Kind habe es kaum abwarten können, endlich einen eigenen PC zu bekommen, und sei vor Freude wie ein Flummi durch die Räume gehüpft, erzählt Angelika Matzen. Momente, an die sich auch ihr Ehemann gern erinnert: "Es ist das freudige Leuchten in den Augen. Dafür machen wir das", sagt er.

In fünfeinhalb Jahren ist der Verein auf 131 Mitglieder angewachsen, die für zwei Euro im Monat Lehrgänge oder Hilfe bei Reparaturen in Anspruch nehmen können. Zwei Ortsvereine in Bergheim und Mülheim geben im Westen des Landes PC-Anlagen an Bedürftige ab.

Am 24. März beginnt in der Gastwerkstatt an der Alten Holstenstraße 12 um 10 Uhr ein PC-Kursus für Einsteiger: Themen wie einschalten und verkabeln des Gerätes, Handhabung der Maus sollen besprochen werden. Die Teilnahme ist kostenlos, freiwillige Spenden in beliebiger Höhe möglich.

Anmeldung und Kontakt zum Verein: Telefon 66 90 37 77; Internet: www.computerspendehamburg.de .

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