Neues Buch

"Stolpersteine": Bergedorfs unrühmliche Vergangenheit

Bergedorf (upb). Eigentlich hätte Bergedorf der erste Hamburger Bezirk sein müssen, dessen "Stolpersteine" als Buch aufgearbeitet werden.

Denn nirgendwo anders in der Hansestadt, ja in ganz Deutschland, hat das Verlegen der zehn mal zehn Zentimeter kleinen Erinnerungen an die Verschleppten und Ermordeten der Nazi-Tötungsmaschinerie ein solches Presse-Echo erzeugt: CDU und Schill-Partei hatten es sich heute auf den Tag genau vor neun Jahren nicht nehmen lassen, mit ihrer Mehrheit in der Bezirksversammlung die populäre Erinnerung durch den Künstler Gunter Demnig (vorübergehend) zu verhindern.

Doch es sind eben Historiker, die jetzt den 13. und damit letzten Teil der Reihe über Hamburgs knapp 4000 "Stolpersteine" geschrieben haben. Und die zählten nach, wie viel in Messing geschlagene Erinnerung in Bergedorf zu finden ist. Ergebnis: Nur zwölf Steine erinnern hier vor Gebäuden an die Menschen, die "verschwanden". Darunter Kommunist Ernst Henning (Hassestraße 11), die jüdische Familie Rosendorff (Ernst-Mantius-Straße 5) und Richter Dr. Walter Rudolphi (Pfingstberg 6).

Einen Rückblick auf die unrühmliche Kumpanei von CDU und Schill-Partei vom Januar 2003 findet sich im 332 Seiten starken Werk nicht. Trotzdem sind neben 17 anderen, bisher auch noch nicht aufgearbeiteten Stadteilen stattliche 50 Seiten Bergedorf und seinen Nazi-Opfern gewidmet - samt Überblickskarte der "Stolpersteine". Das Buch ist bei der Landeszentrale für politische Bildung und im Kultur- & Geschichtskontor, Reetwerder 17 (Tel. (040) 721 28 23, zu bekommen.

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