Medienkultur

Das Tagebuch heißt heute Twitter

| Lesedauer: 2 Minuten
Kim Nadine Meyer

Auch Dennis Gladiator (CDU) veröffentlicht im Internet Nachrichten über seinen Arbeitstag.

Angela Merkel ist nicht echt. Genauso wenig wie Franz Müntefering. Arnold Schwarzenegger hingegen schon. Und er interessiert sich sogar für die Nachrichten des Bergedorfer CDU-Fraktionsvorsitzenden Dennis Gladiator. Zumindest verfolgt er sie bei Twitter.

Twitter (engl. für Gezwitscher, zwitschern) ist ein soziales Netzwerk, deren Mitglieder öffentlich berichten, was sie gerade machen, also eine Art Minitagebuch (Mikro-Blog) führen, das auf der Internetseite www.twitter.com einsehbar ist. Was, wie oft und unter welchem Namen geschrieben wird, bleibt jedem selbst überlassen. Einzige Vorgabe: maximal 140 Zeichen pro Nachricht.

"Ich schreibe etwa drei Nachrichten am Tag", sagt Gladiator, der Twitter seit Februar für die "ungefilterte Kommunikation" mit dem Wähler nutzt. Er schreibt nicht als Privatperson, sondern als Politiker. "Twitter ist eine Chance, dem Wähler transparent zu machen, was ich den ganzen Tag tue", sagt der 27-Jährige. So lautete gestern ein Beitrag: "Bin im Büro und bereite die Bezirksversammlung (BV) vor." Aber auch Verweise auf Pressemitteilungen oder einen Kommentar zu den Mehrheitsverhältnissen in der BV findet man unter Gladiators Nachrichten. "Von einem Handy, das E-Mails sendet und empfängt, kann ich Nachrichten sogar von unterwegs an Twitter senden", sagt Gladiator. Twitter ist für Politiker attraktiv, weil die Akzeptanz des Netzwerks hoch ist. Breits 46 "Followers", also Netzwerkmitglieder, haben Gladiators Nachrichten abonniert.

Nicht nur Politiker und Privatpersonen vernetzen sich und berichten von ihrem Tag, sondern auch renommierte Zeitungen "twittern", genauso wie Fernseh- und Radiosender, Prominente oder Nachrichtenagenturen. Oft sind deshalb aktuelle Kurznachrichten bei Twitter früher zu finden als in redaktionell bearbeiteten Medien. Ein Beispiel dafür ist das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl. Der Sieg Horst Köhlers am vergangenen Sonnabend war bereits vor der offiziellen Bekanntgabe von Abgeordneten über Twitter verbreitet worden.

Bei der Suche nach interessanten Menschen, die Twitter nutzen, muss man sich allerdings vor Täuschungen in Acht nehmen. Unter dem Pseudonym Angela Merkel haben sich beispielsweise gleich 13 Mitglieder angemeldet. An Kommentaren wie "bin nicht aus dem Bett gekommen" und der Anzahl der "Followers" ist allerdings meist schnell zu erkennen, dass es sich wohl kaum um die echte Bundeskanzlerin handeln kann. Auch Arnold Schwarzenegger gibt es zehnmal. Einer hat allerdings 197 512 Abonnenten. Nachrichten und auch die Verlinkungen auf andere Internetseiten weisen drauf hin, dass es sich wohl tatsächlich um den Gouverneur oder zumindest sein Marketingteam handelt, die hier Nachrichten verbreiten und lesen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf