Gesundheit

So fühlt sich Neurodermitis an

Bergedorf (pcs). Streichelzart und seidenglatt: So fühlt sich die Haut der kleinen Kerle an, die bei der Babymassage nackig neben Julius liegen. Wohlig krähend lassen sie sich von ihren Mamis einölen. Nur Julius fühlt sich nicht wohl in seiner Haut: Die brennt, und juckt und zwickt, da will er lieber nicht angefasst werden.

Alle schönen Dinge des Babylebens mag Julius nicht mehr. Wenn die Sonne scheint, schwitzt er und seine Wangen fangen an zu brennen. Wenn er badet, leuchten seine Arme und Beine im Wasser feuerrot. Und wenn er im Sandkasten spielt, zwicken ihn die feinen Körnchen an den aufgescheuerten Handgelenken.

In der Krabbelgruppe gucken die anderen Mütter nicht mehr in seine Augen, sondern nur noch auf seine Wangen und den Kopf. Sie sagen Sätze wie: "Habt Ihr schon mal Ringelblumensalbe ausprobiert?", "Er darf keine Milch mehr trinken" oder "Fahrt doch mal an die Nordsee."

All die guten Ratschläge befolgt Julius Mutter brav. Sie stillt monatelang und füttert allergenarme Zucchini- und Kürbisbreie. Sie wechselt die Bettwäsche, wenn Julius sich in einer unruhigen Nacht blutig gekratzt hat. Schneidet fast täglich seine Fingernägel. Kauft entgiftende Getränke, verabreicht heilende Tropfen, kämpft mit Antibiotika gegen eitrige Infektionen auf der kaputten Haut. Sie eilt zu Experten von Sylt bis Stuttgart. Hört Ratschläge von Ärzten, die sagen : "Ändern können Sie nichts, selbst wenn Sie nackt tanzen." Horcht auf bei der Dermatologin, die sagt: "Wenn er Glück hat, verschwindet das Ekzem nach einem Jahr."

Tatsächlich: Julius erster Geburtstag kommt, und mit ihm vergehen Röte und Juckreiz. Das Ende der Crèmetube ist erreicht, morgens gibt es einen Becher Milch und statt allergenarmer Kost mampft Julius Gummibärchen und Würste. Selbst gegen eine Massage hat er nichts mehr einzuwenden.

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