Bericht

Bergedorfs Kinder leben oft ungesund

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Ulf-Peter Busse

Bergedorf. Diese Diagnose für Bergedorfs Eltern fällt eher schlecht aus: Im jetzt vorliegenden ersten "Bericht zur Gesundheit von Schulanfängern" im Bezirk wird ihrem Nachwuchs sowohl bei der Zahngesundheit als auch bei den Impfungen und dem Kampf gegen Übergewicht erheblicher Nachholbedarf bescheinigt.

Auf 36 Seiten werten Amtsarzt Dr. Hans-Jürgen Galle und sein Team die Schuleingangsuntersuchungen bis 2005 sowie die Visiten der Zahnärzte in den Klassenzimmern aus, messen sie an Hamburger und bundesdeutschen Zahlen. Besonders detailliert wird das Bild, weil die lokale Datenlage ausreicht, den Bezirk in die Sozialräume Lohbrügge, Neuallermöhe, Bergedorf und das Landgebiet aufzuteilen.

* Mit dem Thema Impfungen gehen erstaunlich viele Bergedorfer Eltern zu locker um. So sind weniger als 80 Prozent der Kinder gegen Masern, Röteln und Mumps geimpft, wenn sie zur Schule kommen. Dabei gelten gerade diese Krankheiten als gefährlich, können zu schweren Schäden und sogar zum Tod führen. Impfungen werden von der Ständigen Impfkommission dringend empfohlen. Um die Gefahr von Epidemien zu bannen, muss eine "Durchimpfungsrate" von mindestens 95 erreicht werden.

* Bei der Zahnpflege der Kinder scheint die Kontrolle vieler Eltern mit dem Ausfallen der Milchzähne zu enden. Das zeigt die Statistik der Schulzahnärztin, die die Gebisse von Kindern aller ersten sechs Schulklassen regelmäßig auf Zahnschäden, Fehlstellungen und Mundhygiene untersucht. Demnach hatten im Schuljahr 2004/2005 immerhin 56,2 Prozent aller Bergedorfer Erstklässler ein naturgesundes Milchzahngebiss. Im Hamburger Durchschnitt waren es nur 46,7 Prozent.

Bei den Bergedorfer Viertklässlern verfügten im gleichen Jahr zwar 62,9 Prozent über gesunde bleibende Zähne. Im Hamburger Durchschnitt lag dieser Wert aber bei 68,7 Prozent. Besonders dramatisch: In Bergedorf litten 32,6 Prozent der untersuchten Kinder unter Karies und waren dringend behandlungsbedürftig. In Hamburg lag dieser Wert bei nur 16,9 Prozent. Der Rest war schon in Behandlung.

* Alarm schlägt das Gesundheitsamt auch bei den wachsenden Wohlstandskrankheiten Übergewicht und Fettleibigkeit. Sie entstehen durch falsche Ernährung sowie mangelnde Bewegung und führen oft zu chronischen Erkrankungen. In Lohbrügge lag der Anteil betroffener Kinder bei der Einschulung 2005 bereits bei 15,5 Prozent. Der Durchschnitt im Bezirk betrug 11,5 Prozent und lag damit knapp unter dem Hamburger Wert von 11,8 Prozent. Statistisch sitzen in Bergedorf also mehr als zwei übergewichtige Kinder in jeder Schulklasse.

Der Gesundheitsbericht ist der erste seiner Art in Bergedorf. Er liefert auch Zahlen und Details zu Allergien, psychischen Auffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen und der Teilnahme an Früherkennungs-Untersuchungen im Bezirk Bergedorf. Die Broschüre liegt unter anderem im Bezirksamt aus.

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