Silvesternacht

Die teuren Folgen eines Böllers

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Christina Rückert

Boberg. Henning Stövers Telefon klingelt in einer Tour. Hat er gerade aufgelegt, dann klopft es bestimmt an der Bürotür.

Der Schaden am Gebäude des Edeka-Marktes Heidhorst wird auf etwa 100 000 Euro beziffert.

Der 42-jährige Inhaber des Edeka-Marktes Stöver an der Straße Heidhorst hat seit gestern Morgen jede Menge damit zu tun, Hausverwaltungsmitarbeitern, Versicherungsgutachtern und ratlosen Angestellten Fragen zu beantworten. Der Grund zeichnet sich rußschwarz an der Häuserwand vor dem Eingang ab: Ein Feuer zerstörte in der Neujahrsnacht (wie berichtet) erst den Einkaufswagenunterstand vorm Laden und dann den Eingangsbereich. Und zwar derart stark, dass der Markt mitsamt Bäckerei gestern geschlossen bleiben musste. Fraglich blieb zunächst, wie lange das so bleiben wird.

120 Einkaufswagen müssen ersetzt werden

"Nervig ist das", fasst Henning Stöver das Elend kurz zusammen. Denn auch wenn der 42-Jährige lediglich Mieter in dem beschädigten Gebäude ist, sich demnach "nur" um 120 neue Einkaufswagen (mindestens 150 Euro das Stück) und mögliche Aufräumarbeiten im Inneren des Ladens kümmern muss, so bedeutet das doch eine Menge Arbeit. Problem: Obwohl das Feuer nur draußen wütete, kann durch die geborstene Tür auch Rauch nach innen gelangt sein. "Das ganze frische Gemüse haben wir schon entsorgt", so der Marktinhaber gestern. Nun müsse ein Chemiker entscheiden, ob sich ein feiner Rußfilm auch auf die eingepackten Waren gelegt habe. "Dann müssen wir alles wegwerfen, jedes Regal abwischen und alles ersetzen. Das kann Wochen dauern", seufzt Stöver. Gestern Abend gab es jedoch Entwarnung: Die Waren sind einwandfrei, der Verkauf kann weitergehen. Heute ab 7 Uhr soll wieder geöffnet sein.

Bis alle Spuren an und vor dem Gebäude beseitigt sind, kann es allerdings dauern. Immer wieder blieben gestern Kunden des Einkaufszentrums stehen, um sich das ganze Ausmaß des Brandes anzusehen: 120 Einkaufswagengerippe stehen unter einem völlig verkohlten Unterstand, das Feuer hat sich die Gebäudefassade hoch gefressen und schließlich die gläserne Tür neben dem Haupteingang gesprengt. Überall liegen Scherben herum.

Sicher scheint, dass der Brand durch Silvesterböller verursacht wurde. Henning Stöver, der noch einen zweiten Markt in Farmsen betreibt, will nicht ausschließen, dass auch Brandbeschleuniger verwendet wurde: "Moderne Böller brennen eigentlich nicht so stark, dass sie Einkaufswagen in Brand setzen können - auch nicht diese Kunststoffwagen", meint er.

Die zuständigen Brandermittler gehen bisher von einem Brand durch Silvesterraketen oder Böller aus, "vielleicht durch einen ganzen Schinken", so ein Beamter. Er schätzt den Schaden rund ums Gebäude auf "etwa 100 000 Euro".

Henning Stöver hat aus dem Vorfall vor allem eine Lehre gezogen. Die neuen Einkaufswagen, die er jetzt bestellen wird, "sind vorsichtshalber wieder aus Metall".

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