Röpraredder

Der "Lindwurm" verwahrlost

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Anne K. Strickstrock

Lohbrügge. Trostlos schlängelt sich seit den 60er-Jahren der "Lindwurm" am Röpraredder entlang. Sieben Jahre hatten sich die Stadtentwickler der Lawaetz-Stiftung darum bemüht, den grau-weißen Wohnkomplex ins Konzept der Lohbrügger Quartiersentwicklung einzubeziehen - vergeblich.

Die Mieter des 258 Wohnungen großen Komplexes am Röpraredder leiden unter Überfremdung.

"Die Flächen sind zum Teil verwahrlost. Mietergärten oder andere qualitativ nutzbare Freiflächen sind nicht vorhanden", heißt es im Abschlussbericht. Obwohl sich die Bewohner einen Mietertreff wünschten, habe man mit der Erbengemeinschaft nicht verhandeln können. Als 2006 der Paribus-Immobilienfonds die 258 Wohnungen übernahm, schien Hoffnung in Sicht.

Sichtbar passiert ist bisher allerdings wenig. Aber die Mieten wurden erhöht, seitdem das Objekt vor etwa eineinhalb Jahren aus der Mietpreisbindung herausgefallen ist. Und so wirbt Paribus dann auch mit einem "enormen Mietsteigerungspotential" auf seiner Homepage. "Wir zahlen jetzt monatlich 150 Euro mehr", sagt Nadeshda Sept, die seit 16 Jahren mit ihrem Mann im "Lindwurm" wohnt - und mit der Nachbarschaft sehr zufrieden ist. "Früher hatten wir eine tolle Gemeinschaft. Jetzt hört man nur noch Russisch, wenn man auf dem Balkon sitzt", ärgert sich hingegen Ursula Kreutzmann, die seit 1967 am Röpraredder lebt. Tatsächlich: Etwa 80 Prozent der Bewohner sind nicht in Deutschland geboren, so die Lawaetz-Stiftung. "Von elf Familien sind nur noch drei deutsche in meinem Haus", erzählt eine 88-Jährige: Kinder seien ja grundsätzlich nett, "aber nur, wenn sie auch erzogen werden". Die Seniorin spricht ein anderes Problem am "Lindwurm" an: Die Spielplätze werden nicht genutzt, sie sind verwahrlost.

Die Hausverwaltung würde kaum etwas tun. "Aber weil sich wie ich viele andere beim Mieterbund beschwert haben, bekommen wir jetzt endlich mal Wasserzähler eingebaut", sagt Ursula Kreutzmann. Sie zahle für ihre 75 Quadratmeter große Wohnung "gut 500 Euro kalt, inklusive Betriebkosten".

Die Verwaltung indes ist zufrieden mit dem Objekt. Die Fassade solle zwar nicht verändert werden, aber "wir investieren viel in die Modernisierung von innen", sagt der Geschäftsführer der verwaltenden Paribus Service GmbH, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Neue Bäder, Fußböden und Elektroanlagen würden die Wohnungen aufwerten, zudem sei das Dach gedämmt worden. Die Renovierungsinvestitionen lägen bei bislang 900 000 Euro. "Trotz des Baujahres haben wir sogar einen Energiepass bekommen", freut sich die Geschäftsleitung, die sich künftig um eine bessere Mieter-Struktur bemühen will: "Wir wollen keine Gettoisierung, daher weniger Migranten im Objekt aufnehmen. Aber die Mieterzufriedenheit ist hoch, bloß sechs Wohnungen stehen leer."

Wie geht es weiter? Die Paribus-Verwaltung wünscht sich, "dass das Mieterklientel sozial aufgefangen wird" und hatte eine "Anlaufstelle für Arbeitslose und sozial schwache Familien" vor Augen. So war sie beispielsweise im Gespräch mit der Lawaetz-Stiftung. Doch die wird ihr neues Stadtteilbüro am 11. Dezember an der Alten Holstenstraße 22 eröffnen. Die leer stehende Gewerbefläche am Ende des "Lindwurms" am Kurt-Adams-Platz soll dennoch bald einen neuen Mieter finden: Die Hamburger Arbeit (HAB) plant, dort eine "Stadtmeisterei Lohbrügge" sowie ein "Tausch-Kaufhaus" zu eröffnen. Im März soll es losgehen. Einzelheiten berichtet HAB-Bereichsleiter Stefan Clotz am 10. Dezember im Stadtteilbeirat. Beginn ist um 18 Uhr im Haus "brügge", Leuschnerstraße 86.

"Von elf Familien sind nur noch drei deutsche in meinem Haus."

Mieterin Ursula Kreutzmann

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