Bahnhof

Toilettenstreit wird immer kurioser

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André Herbst

Bergedorf. Der Ärger um fehlende Toiletten am Bahnhof treibt Blüten. Seit Bergedorfs alter Bahnhof und mit ihm die WC-Anlage zuerst gesperrt und im Frühsommer abgerissen wurden, reißen die Beschwerden von Bürgern nicht ab. Derweil streiten Bezirk und Deutsche Bahn weiter über die Frage der Zuständigkeit, wird der Ball untereinander und zwischen den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) hin- und hergeworfen.

Anbieter wartet seit Monaten auf Antwort für Miet-WC am Bahnhof. Bergedorf brauche keine WCs, meint die Bahn.

Seit einigen Tagen macht in Bergedorf ein Gerücht die Runde, das manch Betroffenen den Ärger ins Gesicht treibt: Seit Monaten liegt dem Bezirksamt ein kostengünstiges Angebot für mobile Ersatztoiletten vor.

Tatsächlich hatte Eugen Hospach sich bereits am 22. August zu einem Ortstermin mit Bezirksamtsvertretern nach Bergedorf begeben. "Ein Angebot habe ich am 2. September abgegeben, darauf habe ich bis heute keine Antwort ", bestätigt der Harburger Unternehmer auf Nachfrage. Sein Familienunternehmen ist seit Jahrzehnten auf Volks- und Stadtfesten im Großraum Hamburg präsent. Auch in Bergedorf ist Hospach kein Unbekannter: Ob Stadtfest, Weihnachtsmärkte oder WM-Fest im Schlosspark, seine Miettoiletten sorgen dafür, dass sich niemand in die Büsche schlagen muss.

Im November fragte der 49-jährige Unternehmer telefonisch im Bezirksamt an. Die Auskunft war dünn: Es gebe Zuständigkeitsprobleme. Zu Deutsch: Der Bezirk fordert, dass die Bahn sich an den Kosten für Miettoiletten beteiligt.

"Schließlich spart die Deutsche Bahn AG seit Abriss des Bahnhofs die Betriebskosten", sagt Bezirksamtsleiter Christoph Krupp. Angesichts der bestehenden Unterfinanzierung öffentlicher Toiletten in Hamburg sei der Bezirk nicht in der Lage, die prognostizierten Kosten von gut 70 000 Euro allein zu tragen. Man sei aber bereit, mit der Bahn nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen.

Davon will das Staatsunternehmen nichts hören. Wenn überhaupt, seien die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein als Bauherr Ansprechpartner. "Uns sind auch keine Beschwerden über fehlende Toiletten bekannt", sagt Bahnsprecherin Sabine Brunckhorst. Zudem sei das Thema im Vorfeld erörtert worden: "Zwischen Bezirk, VHH und uns herrschte Konsens, dass für die Bauphase keine Toiletten notwendig sind." Im neuen Bahnhof werde es aber wieder WCs geben.

Das ist keine Selbstverständlichkeit, wissen Bezirk und VHH nach Gesprächen mit der Bahn. "Uns wurde bedeutet, dass es Toiletten in Bahnhöfen Bergedorfer Größe normalerweise nicht gäbe", bestätigt VHH-Projektleiter Henning Ario. Die VHH baut sie dennoch. Ario: "In Bergedorf ist die Existenz historisch bedingt."

10 000 Euro hat das Bezirksamt für den Betrieb von Miet-Toiletten veranschlagt, weitere 19 000 für den frostsicheren Anschluss an Wasser- und Abwassernetz. "Ich würde einen zweieinhalb mal sechs Meter großen Toiletten-Container zwischen Lohbrügger Bahnhofsausgang und Alter Holstenstraße aufstellen, dort bestehen Anschlussmöglichkeiten", sagt Hospach. 19 000 Euro für frostsichere Wasser- und Abwasserleitungen will er nicht kommentieren. Erhalte er grünes Licht, könne er binnen einer Woche einen Container aufstellen, der tagsüber bis 19 Uhr offengehalten werde.

Das Bezirksamt prüft derweil Alternativen, bestätigt Krupp. "Wir können aber nicht sicher sagen, dass es eine Lösung für dieses Problem geben wird."

"Seit dem Abriss spart die Bahn die Betriebskosten für ihre Toiletten."

Dr. Christoph Krupp

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