Sozialarbeit

Billebogen: Jugendtreff im Bauwagen droht das Aus

Wenn Chris (17) und Jenny (16) in einem Hauseingang am Hochhauskomplex Billebogen saßen, zogen sich die Tage hin wie Kaugummi. An einem dieser langweiligen Tage kam vor über einem Jahr Gregor Czarnecki vorbei und fragte, ob die beiden mit ihm an der Bille grillen, Fußball spielen oder einen Bauwagen besprayen wollen. Das war der Beginn einer neuen Clique.

Das Team um Gregor Czarnecki hat im Hochhauskomplex gute Arbeit geleistet. Jetzt fehlt Geld.

Der Sportpädagoge Czarnecki sammelte noch mehr Jugendliche am Billebogen ein, wo in 400 Wohnungen rund 700 Menschen leben. So schaffte er innerhalb weniger Monate nicht nur die Langeweile, sondern auch den Vandalismus, die Alkoholprobleme und Randale bei den Jugendlichen zu reduzieren. Mit rund 100 000 Euro förderte das Senatsprogramm "Lebenswerte Stadt Hamburg" (LSH) die Arbeit Gregor Czarneckis und seines Kollegen Gordon Schmidt. Nun läuft zum Ende des Jahres die städtische Förderung aus. Ohne Geld könnte wieder Langeweile am Billebogen einkehren.

Noch bezahlt Gregor Czarneckis Stelle die Bergedorfer Turn- und Sportgemeinschaft (TSG), die auch ein weiterführendes Konzept erarbeitet hat. "Das Projekt heißt Jufit und war eigentlich als Jugendfitnesscafé am Billebogen geplant. Dafür sollte auch ein Gebäude entstehen", sagt TSG-Geschäftsführer Boris Schmidt. Das Gebäude steht allerdings noch nicht. Stattdessen hat sich Czarneckis Clique einen Bauwagen wohnlich eingerichtet.

Jetzt ist laut Schmidt fraglich, ob das Café je Wirklichkeit wird. Die TSG hat zwar eine Vollzeitstelle dafür vorgesehen. "Im Moment stehen wir aber alleine da, obwohl sich Wohnungsgesellschaft SAGA/GWG und Stadt beteiligen wollten", sagt Schmidt. Noch will er das Projekt nicht einstampfen, sondern auf Sparflamme mit zehn statt bisher 60 Wochenstunden sozialpädagogischer Betreuung weiterlaufen lassen.

"Wir stellen für das Jufit ein Grundstück zur Verfügung, wenn das Betreuungskonzept und die Förderung des Projektes langfristig gesichert sind", sagt Mario Spitzmüller, Sprecher der Wohnungsbaugesellschaft SAGA/GWG. Natürlich könne das Grundstück keine Schenkung sein, aber trotzdem dauerhaft ein Standort für ein Jugendprojekt. Für das Bauvorhaben selbst fühlt sich die SAGA/GWG aber nicht zuständig.

Auch von Seiten des Bezirksamts Bergedorf ist noch kein Gebäude geplant. "Bauen können wir nur, wenn ein tragfähiges Betreiberkonzept vorliegt", sagt Dr. Ingrid Stöckl, zuständig für Stadtteilentwicklung. Das von der TSG vorgelegte Konzept sei unter anderem bei der Finanzierung der geplanten Vollzeitstelle noch zu vage. "Und einen Bau für 600 000 Euro hinzustellen, der dann nur drei Stunden täglich geöffnet ist - das können wir nicht machen", sagt Stöckl. Allerdings würde derzeit der Stadtteilbeirat über die Zukunft des Jufit beraten. Stöckl verweist außerdem auf Angebote wie den Mädchentreff "Dolle Deerns" und den Bolz- und Basketball-Platz, den die Jugendlichen selbst mitgestaltet haben.

Genau hier treffen sich Jenny und Chris auch regelmäßig mit Freunden zum Fußball. Immer sonntags sind bis zu 30 Jugendliche auf dem Platz. Dank Gregor Czarnecki und Kollegen haben fast alle eine Zukunftsperspektive, wollen die Schule wieder aufnehmen oder eine Ausbildung beginnen. Ein Ort, wo sie sich in der Freizeit mit Freunden entspannen können, fehlt ihnen trotzdem. Damit Jenny und Chris sich nicht erneut in einem Hauseingang wiederfinden, wünschen sie sich gar nicht unbedingt ein neu gebautes Fitnesscafé: "Ein Raum mit einer Couch drin würde uns schon reichen."