Erholung vor der Haustür

Werden Bergedorfs Badeseen das neue Mallorca?

| Lesedauer: 5 Minuten
Isabella Sauer, Christoph Leimig und Thomas Heyen
Südufer des Hohendeicher Sees am Sonnabend gegen 19 Uhr: Einsatzkräfte der Feuerwehr rücken mit Booten an, um nach zwei vermissten Kindern zu suchen. Auch Taucher, ein Hubschrauber und Sonargeräte waren im Einsatz. Leimig

Südufer des Hohendeicher Sees am Sonnabend gegen 19 Uhr: Einsatzkräfte der Feuerwehr rücken mit Booten an, um nach zwei vermissten Kindern zu suchen. Auch Taucher, ein Hubschrauber und Sonargeräte waren im Einsatz. Leimig

Foto: christoph leimig / Christoph Leimig

Drei Notfalleinsätze am Sonnabend am Hohendeicher See. Polizei geht rigoros gegen Falschparker an Bergedorfer Badeseen vor.

Hamburg. Mehrere Badegäste, die im Hohendeicher See zu ertrinken drohten, hielten am Sonnabend die Rettungskräfte in Atem. Gegen 18.50 Uhr eilte ein Großaufgebot an das Südufer am Overwerder Weg, weil zwei Mädchen vermisst wurden. Nach knapp 20 Minuten konnte die Suchaktion schon wieder beendet werden: Die Mädchen befanden sich nicht im Wasser, waren – ohne ihre Eltern zu informieren – Spazieren gegangen.

An der Suche waren neben diversen Feuerwehren mit Kleinbooten auch der Rettungshubschrauber „Christoph Hansa“, Kräfte der DLRG, diverse Funkstreifenwagenbesatzungen und Taucher der Sonder-Einsatz-Gruppe der Hamburger Feuerwehr beteiligt. Axel Isler von der „Leitung Einsatz“ der Bergedorfer DLRG berichtet, dass die extreme Hitze am Sonnabend „mehrere Tausend“ Badegäste allein an das Südufer des Sees trieb.

Einen Schwimmer verließen die Kräfte – Badegäste zogen ihn raus

Bereits am Vormittag eilten Rettungskräfte, darunter ebenfalls ein Hubschrauber mit Notarzt, zu der Badestelle in Höhe von Windsurfing Hamburg. Als sie ankamen, hatten Badegäste einen Schwimmer aus dem Wasser gezogen, den seine Kräfte verlassen hatten. Am Nachmittag gegen 15.30 Uhr dann ein weiterer Notfall: Ein Kind drohte in dem Baggersee zu ertrinken. „Es konnte von seinen Eltern gerettet werden. Sie befanden sich mit im Wasser, in unmittelbarer Nähe des Kindes“, sagt Isler. Das Kind wurde ins Krankenhaus gefahren.

Die DLRG half auch bei zahlreichen kleineren Unfällen, verband etwa Schnittwunden. „Aufgrund der starken Hitze waren besonders viele Menschen am See. Deshalb gab es insgesamt mehr Einsätze als an anderen sonnigen Sonnabenden.“ Die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer sind zwischen Mai und September möglichst an jedem Wochenende von Freitag bis Sonntag vor Ort. In Höhe Warwischer Hinterdeich 4 befindet sich eine DLRG-Rettungswache, in der die Retter schlafen und essen.

Die Polizei schleppt nun Falschparker im Landgebiet ab

Ein großes Problem für die Einsatzkräfte stellen Falschparker dar, betont Evi Theodoridou, Sprecherin der Polizei Hamburg: „Es ist unverantwortlich, die Rettungswege nicht frei zu halten. Die Falschparker sollten daran denken, dass sie im Falle eines Falles selbst nicht gerettet werden können, wenn ihr Fahrzeug den Weg versperrt.“ Auch die VHH-Busse kommen nicht durch, wenn Falschparker den Weg versperren. Kurios: Am Wochenende waren häufiger Autofahrer zu beobachten, die sich gegenseitig bepöbelten und stritten – um Stellflächen im absoluten Halteverbot.

Deshalb greift die Polizei konsequent durch: Sie zeigt verstärkte Präsenz, verteilt Knöllchen und schleppt auch ab. Bereits am Donnerstag wurde der Allermöher Deich gesperrt, um das Parkchaos am See Hinterm Horn in den Griff zu bekommen. Auch auf dem Durchdeich in Richtung Ochsenwerder Elbdeich wurden Durchfahrtsverbotschilder aufgestellt. Nur Radfahrer, Busse und Anlieger dürfen sich dort in Richtung Hohendeicher See bewegen.

Am Mittwoch rund 105 Knöllchen verteilt, sechs Autos abgeschleppt

Doch nicht alle Autofahrer würden sich von solchen Schildern beeindrucken lassen, berichtet Evi Theodoridou: „Sie wurden oft ignoriert. Deshalb gab es Kontrollen an den Sperrpunkten.“ Auch innerhalb des gesperrten Bereichs auf dem Allermöher Deich zwischen Kirchenbrücke und Nettelnburger Landweg kontrollierten die Ordnungshüter.

Lesen Sie auch:

Allein am Mittwoch, noch vor der Straßensperrung, wurden rund um den See Hinterm Horn 105 Knöllchen verteilt und sechs Pkw abgeschleppt. Am Tag darauf, nach Aufstellung der Schilder, notierten sie immerhin noch 32 Falschparker. An heißen Wochenenden sei weiterhin mit Sperrungen und Kontrollen zu rechnen, teilt die Polizeisprecherin mit. Sie will auf Facebook („Polizei Hamburg“) einen Film einstellen, der die Problematik verdeutlicht.

Taktung der Busse sollte dringend verbessert werden

Unter den Lesern unserer Zeitung wird das Thema auf Facebook eifrig diskutiert. So schreibt Marjan Pel: „Man könnte auch mit dem Rad an den Badesee fahren. Okay, da bräuchten viele einen Fahrradanhänger, um das ganze Equipment zu transportieren, aber es ist nicht nur theoretisch möglich.“ Sie selbst mache das, da sie keine Lust auf die lästige Parkplatzsuche habe. Julia Özdemir hält dagegen: „Bei der Hitze knapp eine Stunde und mit zwei kleinen Kindern und dem ganzen Gepäck Fahrradfahren? Nein danke.“ Dazu Bono Vabi: „Es gibt ja genug andere Möglichkeiten, legal zu parken. Viele sind aber nicht bereit, zehn Minuten zu laufen.“

Niclas Lippke plädiert für den Bau neuer Parkplätze an den Seen. Die Problematik sei schließlich nicht neu. Einen weiteren Lösungsvorschlag hat „Jessi“, die stets den Bus nehme: „Die Taktung sollte dringend verbessert werden.“ Tom Paul Präger schreibt: „Die Vertreter der Bezirksversammlung Bergedorf müssen sich die Frage stellen, ob Bergedorfs Naturschutzgebiete und Seen das neue Mallorca der Hamburger werden sollen, ohne jede ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit, mit Blechlawinen vom Brennerhof bis Altengamme, oder ob der Bezirk zum Naturschutzbezirk Nummer eins gemacht werden soll?“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Allermöhe