Hamburger Biker-Ausrüster

Louis Motorrad versendet mehr Ware als je zuvor

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Thomas Heyen
Top-Adresse für Biker wie diesen Fahrer einer Kawasaki Z 900 (Baujahr 2018): Die Firma Louis entwickelte sich seit ihrer Gründung 1938 in Hamburg von einer kleinen Motorradreparaturwerkstatt zu Europas größtem Unternehmen für Motorradbekleidung und -zubehör. Fotos: Louis

Top-Adresse für Biker wie diesen Fahrer einer Kawasaki Z 900 (Baujahr 2018): Die Firma Louis entwickelte sich seit ihrer Gründung 1938 in Hamburg von einer kleinen Motorradreparaturwerkstatt zu Europas größtem Unternehmen für Motorradbekleidung und -zubehör. Fotos: Louis

Foto: Detlev Louis Motorrad-Vertriebsgesellschaft mbH Rungedamm 35 21035 Hamburg / Kay Blanke

Biker nutzen bei der Allermöher Firma vor allem das Versandangebot: Die Mitarbeiter kommen kaum noch mit dem Packen hinterher.

Hamburg. Die Firma Detlev Louis mit Zentrale am Rungedamm im Gewerbegebiet Allermöhe ist europäischer Marktführer beim Verkauf von Motorradbekleidung und -zubehör. Doch Corona beschert auch dem Filial- und Versandhändler heftige Umsatzeinbußen – obwohl die Zahl der Online-Bestellungen geradezu explodiert ist. Die Mitarbeiter in Allermöhe, wo sich das einzige Lager des Unternehmens befindet, kommen mit dem Versenden von Helmen, Ersatzteilen, Zubehör, Handschuhen oder Jacken kaum noch hinterher.

Aufgrund der immensen Nachfrage nach online bestellten Produkten müssen die Biker derzeit bis zu einer Woche warten, bis sie ihre Sendung in Empfang nehmen können, berichtet Sprecher Kay Blanke. Obwohl die Kunden es gewohnt seien, schnell beliefert zu werden, gebe es kaum Beschwerden, betont der 57-Jährige. Louis habe überhaupt besonders treue Kunden: „Nachdem die Geschäfte im Sommer 2020 wieder öffnen durften, gab es vor Louis-Filialen mehrere Hundert Meter lange Schlangen. Kunden haben bis zu fünf Stunden gewartet.“

Firma Louis: 2020 mit einem Plus gegenüber 2019 abgeschlossen

In der Filiale an der Süderstraße treffen sich – sofern pandemiebedingt möglich – seit mehr als 20 Jahren Stammtische auf einen Kaffee. „Wir sind halt ein bisschen Kult, obwohl wir groß sind“, sagt Blanke. Das coronabedingte Defizit konnte im vergangenen Jahr zwischen den harten Lockdowns sogar aufgeholt werden. Blanke: „Wir sind dermaßen überrannt worden, dass wir mit einem Plus gegenüber dem Vorjahr abgeschlossen haben.“

Bevor die Louis-Zentrale vor 30 Jahren von der Süderstraße an den Rungedamm zog, habe die Lieferzeit drei bis vier Wochen betragen, berichtet Blanke. Dank der Automatisierung und moderner Fördertechnik seien die Sendungen dann aber nach ein, zwei Tagen beim Kunden gewesen – bis die Filialen schließen mussten und der Onlinehandel die Oberhand gewann. Im Ladengeschäft seien seit dem Beginn der Pandemie „viele Millionen“ eingebüßt worden. In den 85 Filialen im In- und Ausland sei der Standard derzeit das Abholen nach telefonischer oder Online-Bestellung und Terminabsprache.

Versand könne das Defizit nicht auffangen

„Da wird pro Kunde eine Viertelstunde vor Ort kalkuliert“, sagt Blanke. Meist werde – auch in den großen Geschäften – nur ein Kunde pro Termin bedient. „Da ist die Zahl der Kunden pro Tag natürlich sehr überschaubar.“

Der Versand könne das Defizit nicht auffangen. „Wir sind darauf nicht ausgerichtet“, sagt Blanke. Vor Corona seien rund 80 Prozent des gesamten Umsatzes in den Läden erwirtschaftet worden, die restlichen 20 Prozent machte der Versand aus. „Unsere Kunden wollen schauen, aus- und anprobieren, Leute treffen und die Bikerszene sehen“, sagt Blanke.

Täglich werden mehr als 10.000 Postsendungen verschickt

Weil das nun nicht möglich ist, wird unter louis.de online bestellt: „Der Versand hat durch die ,Fast-Schließungen’ der Filialen derzeit einen Anteil von etwa 90 Prozent“, sagt Blanke. Täglich würden mehr als 10.000 Sendungen verschickt, vor Corona seien es im Schnitt etwa 6000 gewesen. Etwa 400 Mitarbeiter seien mit dem Versand an die Kunden beschäftigt, „bis zu 200 gleichzeitig“. Kollegen des 57-Jährigen seien aus der Verwaltung und aus umliegenden Filialen abgezogen worden, um des Ansturms Herr zu werden. Etwa 150 Mitarbeiter seien neu dabei, weitere Aushilfen werden dringend gesucht.

Das Unternehmen wurde 1938 von Walter Lohmann in Hamburg gegründet. 1946 übernahm Detlev Louis die kleine Werkstatt mit vier Mitarbeitern. „Nach dem Krieg wurde dort aus drei, vier kaputten Motorrädern ein fahrtüchtiges gebaut“, sagt Blanke. Für viele Marken, etwa Kawasaki, war Louis der erste Importeur in Deutschland. Detlev Louis und seine Nachfolger machten aus der Firma ein Weltunternehmen. Heute zählt es rund 2000 Mitarbeiter.

Hauptquartier am Rungedamm immer wieder erweitert

Das Hauptquartier am Rungedamm erstreckt sich heute über rund 50.000 Quadratmeter. Es wurde seit 1994 immer wieder erweitert und Grundstücke zugekauft, etwa 2007, als Louis seine Fläche in Allermöhe auf einen Schlag fast verdoppelte.

Wer bei Louis mitarbeiten möchte, mailt an bewerbung@louis.de.

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