Themen: Hofreiter fordert Zustimmung zum EU-Lieferkettengesetz +++ Klage gegen A26-Ost +++ BWL-Studium – und was kommt dann?

Im Alleingang Weltklima retten

9. Februar: „Hofreiter fordert Zustimmung zum EU-Lieferkettengesetz“

Gelten das deutsche und das beabsichtigte EU-Lieferkettengesetz auch für alles im Zusammenhang mit Wind- und Sonnenenergie, Wärmepumpen, E-Mobilität, Batteriespeicher etc.? Immerhin, in der Atacama-Wüste wird der indigenen Bevölkerung das lebensnotwendige Wasser zur Gewinnung des Lithiums entzogen. In Afrika wird unter anderem durch Kinderarbeit Kobalt abgebaut. Und China ist der absolut führende Produzent der notwendigen seltenen Erden, die für alle oben genannten Produkte/Produktionen benötigt werden. Dafür werden in China ganze Landstriche langfristig bis dauerhaft vergiftet und gegebenenfalls unbewohnbar gemacht. Oder ist das, was in der Ferne geschieht total unwichtig, da Deutschland fast im Alleingang das Weltklima rettet und zum Beispiel grüne Kühlschränke für Kolumbien stiftet? Gibt es gute und böse Umweltzerstörung? Sorry, ich fühle mich von der Umweltpolitik belogen und betrogen, oder gewöhnlich ausgedrückt: vera..cht.

Bodo Sedelies

Absolut notwendiges Korrektiv

8. Februar: Gastbeitrag: „Klage gegen A26-Ost: Ein Dank wäre mal was Neues. Umweltverbände ziehen nicht zum Vergnügen vor Gericht. Sie nehmen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe wahr“

Umweltverbände klagen nicht aus Spaß, sondern ihre Klagen sind der letzte, manchmal verzweifelte Versuch, ein falsch geplantes oder gar unsinniges Projekt doch noch zu verhindern. Mehr als Recht hatten die Verbände, die gegen die Unterelbevertiefung geklagt haben. Da war der Wasserschierlingsfenchel nur der letzte Ast, an dem sich die juristische Argumentation geklammert hatte, weil die anderen viel gewichtigeren ökologischen Argumente vor Gericht nicht zogen. Und wie recht hatten die Verbände. Nachdem mehr als 800 Millionen Euro Steuergelder im wahrsten Sinne des Wortes in der Unterelbe versenkt wurden, zeigt sich wie kontraproduktiv das Projekt war und ist. Nach den neuesten Festlegungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie gelten wieder dieselben Tiefgangsbeschränkungen wie vor dem Ausbaggern. Ähnliches gilt für viele Bauprojekte der Deutschen Bahn. Jeder weiß, dass die geplante Verlegung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona nach Diebsteich keinen Fahrgast mehr auf die Bahn bringt und keinen Zug pünktlicher machen wird, eher im Gegenteil. Ein aberwitzig teurer Tunnel für die S-Bahn (sogenannter Verbindungsbahnentlastungstunnel) soll jetzt den falsch geplanten Bahnhof Diebsteich für den Deutschlandtakt funktionsfähig machen. Jetzt wo im Bundeshaushalt gespart werden muss, ist die Zeit gekommen, sich von irrwitzigen Großprojekten zu trennen und sich auf das Machbare und Finanzierbare zu beschränken. Aber das Bahnmanagement hält unbeirrt an den Großprojekten fest. Und deswegen werden Umweltverbände weiter klagen, als Stimme der Vernunft in einem Meer von Eitelkeiten, Selbstüberschätzung und Negierung von Grundgesetzen der Natur.

Michael Jung, Sprecher des Umweltverbandes Prellbock-Altona e.V.

Deutschland ein Auslaufmodell

Das Herr Siegbert für seinen Unsinn auch noch Dank vom Steuerzahler erwartet, ist ja wohl der blanke Hohn. Allein das lamentieren von Ausgleichsflächen ist ein Witz, wo sollen diese bei einer derart dichtbesiedelten Region denn bitte schön herkommen. Zur Erinnerung nach der Wende wurde fast ganz Ost-Deutschland zu einer einzigen Ausgleichsfläche, damals waren die Flüsse verseucht und im Ruhrgebiet und anderen Industrie-Regionen viel das Atmen schwer, damals hatten Grüne und derartige Bewegungen durchaus ihre Berechtigung, heutzutage wo eh schon auf alles mögliche gesetzlich Rücksicht genommen werden muss, bevor überhaupt etwas gebaut werden darf, sind sie tatsächlich nur noch Standort und wohlstandsgefährdend, für unsere Industrie ist Deutschland jetzt schon ein Auslaufmodell. Investiert wird nur noch im Ausland, aber egal, aus den Augen aus dem Sinn scheint hier die Devise zu sein. Das Land ist im Sinkflug auf allen Ebenen und dies auch nicht zuletzt aufgrund einer schwächelnden Infrastruktur, die ihren Anforderungen kaum noch nach kommt. Die A-26 Ost ist genau wie die A-20 zur Entwicklung des Nordens längst überfällig. Die Dänen bringen die Fehmarnbelt-Querung voran und Hamburg verfügt bis dato immer noch nicht über einen leistungsfähigen Autobahnring, wie in anderen Metropolregionen üblich, der diese Stadt endlich vom Transit beziehungsweise Durchgangsverkehr entlasten würde.

Armin Dreier

Sie wollen die Besten

7. Februar: „BWL-Studium – und was kommt dann? Wie kommen Hochschulabsolventen an die begehrten Jobs? Wie wichtig sind Praktika? Was Hamburger Konzerne erwarten“

Wer wirklich von einem Vorstandsposten träumt, wenn möglich in einem börsennotierten Unternehmen, sollte auf jeden Fall einen guten Masterabschluss anstreben. Ein Bachelor ist nur ein Geselle, wie der Name schon sagt. Hilfreich ist eine dritte Fremdsprache, also Englisch und Französisch oder Spanisch und zum Beispiel Chinesisch. Natürlich ist es wichtig von welcher Uni man kommt. Wer nicht in London oder USA studiert hat, sollte nach Möglichkeit ein oder zwei Gastsemester im Ausland absolvieren. Praktika und Werkstudentenjobs werden tatsächlich gerne gesehen, was ja auch im Artikel schon erwähnt wird. IT-Wissen ist nicht nur von Vorteil, sondern ein Muss. Dies alles gilt für Old School Konzerne und teilweise auch für Neue Medien, Marketing, Werbung, Freizeit, Sport u.a. Aber eins haben alle gemeinsam, sie wollen die Besten, und das sind nicht immer die, die die besten Zeugnisse haben, sondern häufig die, die sich am besten verkaufen können. Das heißt auch, sich auf diese erste Bewerbung vorzubereiten, zu wissen, wer ist mein Gegenüber, wie alt ist er oder sie. Und das Wichtigste, sich auf keinen Fall mit fremden Federn schmücken oder lügen. Authentisch und kongruent sein, die Körpersprache lügt nicht. Nicht nur das Unternehmen muss zu ihnen passen, sie müssen auch zum Unternehmen passen. Es ist nicht zwangsweise so, dass immer ein Plan B vorhanden sein muss. Ein guter Plan A ist manchmal besser. Aber das alles lernt man ja im Studium oder auch nicht.

Nikolaus Kraus, Unternehmensberater a.D.

Zustand wird sich nicht ändern

8. Februar: „So teuer könnte ein Steak werden. Ein neues Konzept für die Tierwohl-Abgabe könnte in Zukunft höhere Preise bedeuten. Das sagen Bauern und Verbraucherschützer“

Damit die Tiere bis zur Schlachtung artgerecht behandelt werden, soll jetzt der Verbraucher zusätzlich zahlen. Meiner Meinung nach muss es doch selbstverständlich sein, dass den Tieren die nötige Achtung wie jedem Lebewesen entgegengebracht wird. Wie weit sind die Tierhalter gesunken, dass diese Forderung nun staatlich verordnet werden muss. Ursache der bisherigen Tierquälerei sind zum einen die industrielle Haltung, zum anderen die Verbraucher, denen Fleisch nicht günstig genug sein kann. Der dritte Urlaub und das neue Auto sind erstrebenswerter als höherwertige Nahrung, obwohl es Lebensmittel heißt, mit Betonung auf Leben. Mir ist klar, dass es Haushalte gibt, die aufgrund ihrer prekären finanziellen Situation zu einem sehr preiswerten Schweinebraten greifen müssen. Nun setzen sich die Bürokraten hin und müssen Standards formulieren, natürlich unter dem Einfluss der Fleischlobby. Wie wird sichergestellt, dass die Regeln eingehalten werden. Eine laufende Kontrolle wird an den knappen personellen Ressourcen der Ämter scheitern. Ich befürchte, dass sich an dem bisherigen Zustand wohl nicht viel ändern wird, zumal auch viel Fleisch importiert wird.

Herbert Drapatz

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