Themen: Zahl der Demonstranten auf 180.000 korrigiert +++ Senatoren bekommen immer mehr Personal +++ Angst vor dem Wolf.

Entscheidend sind die Bilder

9.. Februar: „Zahl der Demonstranten auf 180.000 korrigiert. Neue Berechnung zur Veranstaltung gegen Rechtsextremismus am Jungfernstieg. Gaben Drohnen-Bilder den Ausschlag?“

Die Falschmeldung über die Anzahl der Demonstranten hat einen Wirbel ausgelöst, der völlig unverständlich erscheint. Kommt es denn wirklich darauf an, ob 50.000 oder 180.000 Menschen an der Demonstration teilgenommen haben? Entscheidend sind doch die veröffentlichten Bilder, nach denen sich jeder einen Eindruck verschaffen kann, dass eine riesige Menschenmenge sich für den Erhalt der Demokratie und gegen die AfD ausgesprochen hat. Schon gar nicht ist es angebracht, der Polizei eine Schuld an der Falschzählung in die Schuhe zu schieben. Deren Aufgabe ist es allein, die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten und eventuelle Ausschreitungen zu verhindern. Dieser Aufgabe ist die Polizei vorbildlich nachgekommen.

Dr. Claus Rabe

Traue keiner Zählung

Traue keiner Zählung, die du nicht selbst gestaltet hast. Seit es in demokratischen Staaten Demonstrationen gibt, präsentieren Polizeibehörden und Veranstalter unterschiedliche Angaben zu Teilnehmerzahlen. Kein Wunder, denn Zählungen und der Umgang damit sind interessengeleitet. Das Interesse der Veranstalter liegt auf der Hand: Viel wirkt viel. Jenes der Polizeibehörden ist etwas verborgener und hat mit Recht und Ordnung zu tun. Menschen, die auf die Straße gehen, werden schnell als störend, die Ordnung schwächend empfunden. Alles wird unübersichtlich, Grenzüberschreitungen drohen. Und wenn es womöglich linke Themen sind, die auf die Straße gebracht werden, wird es für eine eher konservative Institution wie die Polizei nicht gerade einfacher, sich nicht zu verzählen. Vielleicht ist in Hamburg jetzt ein Anfang eingeleitet, auf beiden Seiten die Zählweisen zu optimieren und damit ehrlicher zu machen.

Klaus Steffen, Hamburg

Fragen umgehend klären

Die engagierte Teilnahme von Bürgerinnen und Bürgern an den Demonstrationen für die Demokratie setzt deutliche Signale. Dass sie dabei in sehr großer Zahl zusammenstehen, stärkt das Vertrauen in unsere demokratische Gemeinschaft. Dass diese Zahl erheblich zu niedrig dargestellt wird – ausgerechnet durch eine demokratische Institution – sendet ein politisch gefährliches Signal. Die Innenbehörde hat dem Engagement der Demonstrantinnen und Demonstranten damit geschadet. Man konnte in den Tagen nach der ersten Demonstration in Hamburg und in anderen Städten verfolgen, wie Vertreter der AfD diese Demonstrationen klein zu reden versuchten. Wer vor Ort teilgenommen hat, konnte sehen und spüren, wie viele Menschen zusammengekommen waren. Es herrschte eine Enge, in der durchgängig Körperkontakt mit benachbarten Teilnehmern bestand. Erkennbare Menschenmassen zogen sich weit über den Jungfernstieg in die Großen Bleichen, die Alsterarkaden, in die U-Bahn-Unterführungen, in den Ballindamm und noch weiter. Die Polizei vor Ort hat selbst die Demo aufgelöst aufgrund des zu großen Menschen-Gedränges. Die Diskrepanz zwischen Vorhandenem und der Schätzung war jedem Teilnehmenden und jedem Betrachter der Fotos und Filme dieser Demonstration ersichtlich, nur der Innenbehörde nicht. War in der Zentrale der Grund der Auflösung nicht bekannt? Konnten die Fotos der Umgebung des Jungfernstiegs nicht eingesehen werden? Warum wurde die augenscheinliche Zahl der Teilnehmer auf nur drei Personen pro Quadratmeter verringert? Warum wurde die Zählung auf den Jungfernstieg beschränkt? Zeigt die Innenbehörde ein modernes Verständnis von Verwaltung, wenn sie hoheitlich verkündet, sie habe ausnahmsweise das Gebiet der Zählung nachträglich erweitert? Besteht dort keine politische Sensibilität über die Gefahren einer Veröffentlichung zu niedriger Zahlen und wem solche nützen? Diese Fragen sollten umgehend geklärt und Fehler im System für die Zukunft abgestellt werden. Dies ist wichtig für das Vertrauen in die demokratischen Einrichtungen.

Michael Groth, Hamburg

Das Problem liegt im System

3./4. Februar: „Senatoren bekommen immer mehr Personal. Die Zahl der Stellen in Präsidialstäben ist in Hamburg seit 2015 um fast 30 Prozent gestiegen. CDU kritisiert: ,Senatoren wie Könige‘“

Von wegen Bürokratieabbau – wat hebbt wi lacht. Parteien betrachten den Staatsapparat gerne als Selbstbedienungsladen, um Freunde, Kumpels und verdiente Parteigänger zu alimentieren. Da braucht’s immer noch einen Helfer, Kaffee-Einschenker oder Referenten. Geld ist ja genug da, und wenn nicht, dreht man halt an der Steuerschraube. Effizienz ist in der Politik ein Fremdwort, man ist ja auch niemandem verpflichtet und wirtschaftlicher Erfolg, wie für einen erwerbswirtschaftlichen Betrieb selbstverständlich, muss auch nicht erbracht werden. Dann schon eher Ideologie. Und nicht zu vergessen: Die eigene Karriere! Wie soll Bürokratieabbau funktionieren, wenn die Parteien immer mehr Bürokraten in Posten hieven? Das Problem liegt im System.

Jörg Ökonomou

Ist die Demokratie gefährdet?

3./4. Februar: „Was der Aufstand der Mitte bewirkt. Seit Wochen demonstrieren bundesweit Hunderttausende gegen die AfD. Schadet der Partei das?“

Wir müssen die Sache auch mal realistisch sehen. Die AfD ist nun mal eine demokratisch gewählte Partei. Wenn Menschen sie nicht haben wollen, muss sie auch demokratisch abgewählt werden. Man muss auch mal fragen, warum diese Partei zurzeit die zweitstärkste Partei ist. Auf die Wähler der Partei drauf prügeln und Hass verbreiten mag nicht der richtige Weg sein. Ist wirklich unsere starke Demokratie gefährdet? 20 Prozent der AfD gegen 80 Prozent der nicht AfD-Wähler, wo ist da die Angst? Nur durch gesunde Argumente und große Wahlbeteiligung für die anderen Parteien bei den nächsten Bundestagswahl ist eine starke Schwächung der AfD möglich. Dann wird sie sich, wie auch die Linken, selbst auflösen.

Wolfgang Kany

Wie lange will noch?

5. Februar: „HSV-Spiel stand kurz vorm Abbruch: ,Nicht weit entfernt‘. Partie 31 Minuten unterbrochen – Hertha-Trainer Dardai redete auf Ultras ein. Schiedsrichter erklärt sein Vorgehen – was die Fans wollen“

Jede Woche nichts Neues. Ein paar Chaoten, die der Meinung sind, sie wären die einzig wahren Fußballfans, führen Verantwortliche, Sicherheitskräfte und interessierte Zuschauer an der Nase herum. Wie lange will man sich dieses Verhalten noch gefallen lassen? Der Abbruch des Spiels hätte vielleicht mal ein Zeichen gesetzt, dass im Millionenspiel Fußball nicht die das Sagen haben, die für 150 bis 250 Euro im Jahr jedes Spiel sehen können. Und für die Zukunft, eine durchsichtige Plane vor den Fans spannen und das Problem ist gelöst.

Michael Allers, Stade

Kontrolliert bejagen

8. Februar: „Angst vor dem Wolf – zu Recht oder reine Panik? Schafhalter und Landwirte im Norden fordern einen schnelleren Abschuss der Tiere. Fast 200 Rudel bundesweit“

Allein die Bezeichnung der Wölfe GW2441m klingt ja schon wie eine Bedrohung, typisch Deutsch. Der Wolf ist eine Bedrohung, da er sich stark vermehrt und keine natürlichen Feinde hat. Abgesehen davon, denkt jemand auch an die armen Schafe, Rinder und Pferde? Der Wolf holt sich ja nicht nur ein Schaf, sondern reißt gleich ein paar, die Wölfe müssen kontrolliert bejagt werden.

Gitta Uther, Seevetal

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